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Biologie und Ökologie der Groppe

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1. Einleitung

Die Groppe (Cottus gobio, Abb. 1) ist eine typische Fischart schnellfließender Mittelgebirgsbäche. Je nach Region wird sie auch als Koppe, Mühlkoppe, Rotzkopf oder Kaulkopf bezeichnet. Führt man im als Naturfreund oder im Ökologie-Unterricht der Oberstufe eine Exkursion zum Lebensraum Mittelgebirgsbach durch, so ist es nicht unwahrscheinlich, auf die Groppe zu stoßen. Aufgrund ihres eigentümlichen Aussehens erregt sie dann häufig das Interesse der Exkursionsteilnehmer. Grund genug, sich näher mit der Groppe zu beschäftigen. Dieser Beitrag bietet dazu die passende Einführung. Abschnitt 2 bietet allgemeine Informationen zu Biologie und Ökologie der Groppe. Ein typisches Biotop unserer Art im Südwestfälischen Bergland wird in Abschnitt 3 vorgestellt.

Abb. 1: Oben: Schematische Überblicksdarstellung der Groppe (Cottus gobio). Zeichnung: Chr. Schwerdt verändert nach einem Foto bei FEY (1996).

2. Artportrait

2.1 Charakteristik

Nachtaktiver, relativ kleiner Fisch mit großem Kopf und sehr breitem Maul. Kommt meistens in Gebirgsbächen vor und hält sich dort auf dem Boden an und unter größeren Steinen auf. Körper weitgehend schuppenlos, Brustflossen stark ausgeprägt. Kann sich mit Hilfe ihrer großen Brustfrossen ruckartig am Gewässergrund fortbewegen.

2.2 Systematik

Die Groppe zählt zur Ordnung der Cottoidei, einer Unterordnung der Drachenkopfartigen (Scorpaeniformes). Innerhalb der Cottoidei gehört sie zur Familie der Groppen (Cottidae) mit 50 Gattungen und etwa 300 Arten. Bei den Groppen handelt es sich allgemein um kleine, bodenlebende Fischarten. Die meisten Arten sind meeresbewohnend (marin), nur relativ wenige Arten kommen im Süsswasser vor. Cottus gobio ist eine dieser Arten. Eine weitere Art, die Sibirische Groppe Cottus poecilopus, ist in Teilen Ost-Mitteleuropas und Russlands zu finden. In jüngster Zeit wurden einige, im Einzugsgebiet des Rheins und in Westeuropa lebende Populationen der Groppe von Cottus gobio abgespalten und als eigene Arten beurteilt. Es handelt sich dabei um die Rheingroppe (Cottus rhenanus) und die Scheldegroppe (Cottus perifretum).

Abb. 2: Groppe aus der Fuelbecke bei Altena (Westf.) Foto: Stephan Bürger, 18.08.2007.

Abb. 3: Groppe aus der Verse bei Werdohl-Eveking, 19.07.2013. Foto: Chr. Schwerdt.

Alle Groppen zeichnen sich durch einen relativ großen Kopf und einen dicken Körper aus, der sich nach hinten hin zunehmend verjüngt. Die Schwimmblase ist bei den adulten Tieren durchgehend zurückgebildet (vgl. 2.3), das Seitenlinienorgan jedoch ausgebildet. Verbreitetes Familienmerkmal ist weiterhin das Vorhandensein von zwei Rückenflossen. Dabei ist die erste hartstrahlig, die zweite dagegen weichstrahlig. Die Brustflossen sind in der Regel fächerförmig.

2.3 Morphologische und anatomische Merkmale

Cottus gobio zählt mit maximal 15 cm Gesamtlänge unter den heimischen Süsswasserfischen zu den kleineren Arten. Sie wird etwa 80 g schwer (ČIHAŘ 1987) Da sie am Grund schnellfließender Gewässer lebt, ist ihr Körper relativ flach. Die Groppe besitzt zwei voneinander getrennte Rückenflossen. Die Bauchflossen sind vergleichsweise kurz und brustständig. Die Brustflossen sind breitfächrig und auffallend groß (vgl. Abb. 3 & 4). Sie sind mit einer kräftigen Muskulatur ausgestattet, welche der Groppe dabei hilft, sich mit ruckartigen Bewegungen am Gewässergrund fortzubewegen.

Abb. 4: Schematische Überblicksdarstellung der Groppe mit einigen wichtigen Merkmalen. Zeichnung: Chr. Schwerdt verändert nach einem Foto bei FEY (1996).

Die Körperfarbe der Groppe ist ein helles Braun mit dunkelbraunen Flecken und Schattierungen. Sie kann je nach Untergrund angepasst werden, sodass jeweils die hellen oder aber die dunklen Töne in den Vordergrund treten. Erwachsene Groppen besitzen keine Schwimmblase. Das Fehlen der Schwimmblase kann als anatomische Anpassung an das Leben auf dem Gewässerboden gedeutet werden. Die Schwimmblase ist ein Organ, welches Fischen ermöglicht, frei im Wasser zu schweben. Sie ist bei typischen Grundfischen entbehrlich. Im Falle der Groppe wäre freies Schweben aufgrund der zumeist hohen Fließgeschwindigkeit ihrer Lebensräume zudem mit der Gefahr der Verdriftung verbunden. Cottus gobio ist weitgehend schuppenlos. Eine Ausnahme stellt eine Reihe kleiner Schuppen dar, welche entlang der Seitenlinie verläuft.

2.4 Lebensraum und Verbreitungsgebiet

Die Groppe ist eine typische Fischart, schnellfließender, klarer und sauerstoffreicher Gebirgsbäche. Sie kommt in drei verschiedenen Gewässerökologischen Regionen vor: Neben Quellbachregion und Forellenregion wird bei guter Wasserqualität auch noch die unterhalb der Forellenregion liegende Äschenregion besiedelt. Nach STEINBERG (1983) kommt die Groppe auch in Bächen des Flachlandes vor, sofern dort eine entsprechende Wasserqualität herrscht. Die Groppe bevorzugt Bäche mit kiesigem bis steinigem Untergrund. Vom Vorteil sind insbesondere hohl aufliegende, größere flache Steine, welche als Unterschlupf dienen und eine Rolle bei der Fortpflanzung spielen. Abb. 4 zeigt ein typisches Biotop der Groppe, welches ihr aufgrund des grobsteinigen Untergrundes günstige Strukturen zum Leben bietet (vgl. auch 3.2).

Abb. 5: Dieser Abschnitt der Brachtenbecke bei Altena mit steinigem Grund bietet der Groppe ideale Lebensbedingungen. Die Individuen sind tagsüber vor allem unter größeren und flachen Steinen zu finden. Nachts halten sich die Exemplare zum Teil gut sichtbar im Strömungsschatten der Steine auf. Foto: Chr. Schwerdt.

Die Groppe meidet sehr stark beschattete Bachabschnitte, welche in Fichtenmonokulturen liegen (Steinberg 1983). Bäche und Bachabschnitte, welche durch Laubwald verlaufen, werden jedoch besiedelt (vgl. Abb. 5). Die Groppe kann in optimalen Lebensräumen erstaunlich hohe Populationsdichten erreichen. Nach STEINBERG (l.c.) wurden in günstigen, weitgehend natürlich verlaufenden Bächen des Sauerlandes umgerechnet 5000 Groppen pro Hektar Wasserfläche ermittelt.

Das Verbreitungsgebiet der Groppe erstreckt sich über einen Großteil Europas und reicht vom Norden der Iberischen Halbinsel im Westen bis zum Einzugsgebiet der Wolga im Osten. Die Groppe fehlt in Nordskandinavien, Irland und den südlichen Teilen der Mittelmeerhalbinseln.

2.5 Ernährung

Groppen leben räuberisch von verschiedenen kleinen Wirbellosen und Wirbeltieren. Sie sind Nahrungsgeneralisten, was bedeutet, dass sie nicht auf eine bestimmte Beute spezialisiert sind. Als Nahrungsorganismen werden in der vorhandenen Literatur Bachflohkrebse und Insektenlarven genannt (ČIHAŘ 1987, MAITLAND 1977, STEINBERG 1983). Die Ausführungen bleiben leider sehr allgemein. Beobachtungen des Autors in der Brachtenbecke bei Altena zeigen jedoch, dass die Groppe dort mit verschiedenen Arten der Plecoptera (Steinfliegen), Ephemeroptera (Eintagsfliegen) und Trichoptera (Köcherfliegen) sowie der Bachflohkrebs Gammarus fossarum gemeinsam vorkommt (vgl. Abschnitt 2.6). Diese Organismen kommen in Übereinstimmung mit den allgemeinen Literaturangaben als potenzielle Beute unserer Art in Frage.

Immer wieder taucht in der Literatur die Behauptung auf, es handle sich bei der Groppe um einen Fischereischädling, welcher Forelleneier und Fischbrut dezimieren würde (vgl. z.B. ČIHAŘ 1987). STEINBERG (l.c.) bestreitet diese Angaben und vertritt stattdessen die Auffassung, dass es sich bei ihnen um ein Vorurteil handelt.

2.6 Fortpflanzung

Die Laichzeit der Groppe beginnt im April (ČIHAŘ 1987, eigene Beobachtungen). Dabei wird ein relativ festes, klumpen- bis kegelförmiges Gelege unter einem flachen, hohl aufliegenden Stein angeklebt und vom Männchen bewacht. Ggf. wird der Hohlraum unter dem Stein vor der Eiablage vom Männchen vergrößert, um ausreichend Platz für das Gelege zu schaffen. Das Gelege besteht aus 100-300 orangefarbenen Eiern mit einem Durchmesser von 2-2,5 mm (STEINBERG 1983).

3. Die Groppe im Südwestfälischen Bergland

3.1 Verbreitung

Die Groppe ist im Südwestfälischen Bergland verbreitet und besitzt nach STEINBERG (l.c.) einen Verbreitungsschwerpunkt in naturbelassenen Bächen des Sauerlandes (vgl. 2.4). Der gleiche Autor erwähnt jedoch auch eine Gefährdung unserer Art durch Gewässerverschmutzung und Anpflanzung von Fichtenmonokulturen. FELDMANN (1987) zählt die Groppe zur typischen Lebensgemeinschaft des sauerländischen Bergbaches. Faunistische Untersuchungen des Autors im Altenaer Raumes führten zum Nachweis der Groppe in fünf verschiedenen Fließgewässern:

  • 2006-2010: Altena, Zuflüsse der Fuelbecke Talsperre, großer, individuenreicher Bestand (vgl. Abb. 2).
  • 2010-2011: Altena, Brachtenbecke oberhalb Wendekreis, alljährlich mehrere Exemplare verschiedener Größe, z. T. auch Laich (vgl. Abb. 3-5).
  • 2012: Plettenberg, Almecke, 3 Exemplare.
  • 2013: Werdohl, Eveking, Verse, bis zu 3 Exemplare bei mehreren Begehungen aufgefunden.
  • 07.04.2013: Herscheid, Schwarze Ahe unterhalb Steinbruch, 1 Exemplar unter einem flachen Stein.

In einigen anderen Bachsystemen des Altenaer Sauerlandes (Steinwinkler Bach bei Altena, Kreinberger Bach, Biesenbergbach) konnten trotz zum Teil intensiver Nachsuche bislang keine Groppen festgestellt werden. Die Auswertung der Literatur und der eigenen Beobachtungen zeigt, dass die Groppe im Sauerland verbreitet ist, jedoch nicht an allen Orten gleichermaßen häufig auftritt. Dieser Befund ist nicht einfach zu deuten. Die untersuchten Gewässer zeigen ausgehend von ihrem Saprobienindex insgesamt eine für die Groppe ausreichende Wasserqualität, sodass Gewässerverschmutzung als Grund für ihr Fehlen ausscheidet. Die Bäche, in welchen keine Groppen gefunden wurden, fließen allerdings im Vergleich mit den anderen über deutlich längere Strecken durch dunkle Fichtenmonokulturen und sind daher über sehr lange Abschnitte stark beschattet. Die starke Beschattung könnte zumindest eine plausible Ursache oder Teilursache für das Fehlen der Groppe darstellen (vgl. 2.4, STEINBERG l.c.). Die von Groppen besiedelten Bäche fließen dagegen über längere Strecken auch durch bachbegleitenden Laubwald. Mit der Brachtenbecke soll im nächsten Abschnitt einer dieser Bäche exemplarisch vorgestellt werden.

3.2 Die Groppe in der Brachtenbecke bei Altena (Westf.)

Die Brachtenbecke entspringt nordwestlich des Weilers Großendrescheid und erreicht in ihrem Lauf die obere Forellenregion, bevor sie nach etwa 6 km bei Altena in die Lenne mündet. Sie ist  in ihrem Ober- und Mittellauf relativ naturbelassen und bildet streckenweise eine der letzten natürlichen Bachauen des Altenaer Raumes aus. In diesen floristisch und faunistisch interessanten Bereichen wird sie von einem typischen, bachbegleitenden Erlen-Eschen-Galeriewald gesäumt (vgl. Abb. 6).

Abb. 6: Die Brachtebecke bei Altena. Lebensraum der Groppe, des Feuersalamanders und zahlreicher bachbewohnender Wirbellose. Foto: Chr. Schwerdt.

Am 06.05.2011 wurde im Rahmen der Masterarbeit des Autors ein 2 m langer und durchschnittlich 1,6 m breiter Abschnitt der Brachtenbecke einer faunistisch-floristischen Untersuchung unterzogen. Der untersuchte Abschnitt ist auf Abbildung 3 zu erkennen. Er zeichnete sich zum Zeitpunkt der Begehung durch einen grobsteinigen Untergrund aus. Mehrere große und z.T. flache Steine hatten einen Durchmesser von 20-40 cm. Nur an einigen wenigen Stellen fanden sich Ablagerungen nicht oder wenig zersetzten Laubes, welche einen Deckungsgrad von etwa 20% erreichten.

Die Beprobung erfolgte durch gründliches Durchkeschern des Aufnahmeabschnitts. Es wurde solange gekeschert, bis keine neuen Arten und Individuen mehr gefunden wurden. Bei der Beprobung wurde insbesondere darauf geachtet, auch unter Steinen und im Strömungsschatten größerer Steine zu keschern, da die meisten Tiere erfahrungsgemäß an diesen Stellen zu finden sind.

Faunistisch-floristischer Aufnahmebogen Brachtenbecke 06.05.2011

Tabelle 1: Ergebnis der floristisch-faunistischen Untersuchung einer Aufnahmefläche der Brachtenbecke. Erläuterung der Abkürzung im Aufnahmebogen: N = Stickstoffzahl nach Ellenberg, x= indifferentes Verhalten einer Pflanzenart bzw. Sippe in Bezug auf den Stickstoffgehalt am Standort, H = Häufigkeit angegeben in Abundanzklassen, s = Saprobienwert.

Die Ergebnisse zeigen, dass Cottus gobio mit 3 Exemplaren in der Aufnahmefläche zu finden war. Davon waren zwei Adulti und ein Jungtier. Das Jungtier ist in Abbildung 7 im Vergleich mit einer großen Steinfliegenlarve (Dinocras cephalotes) zu sehen. Während einer anderen Begehung wurde in der Aufnahmefläche auch ein Gelege der Groppe gefunden.

Abb. 7: Junge Groppe (1) im Größenvergleich mit einer Larve des Großen Uferboldes (2) aus der Ordnung der Steinfliegen (Plecoptera). Foto: Chr. Schwerdt.

Die Ergebnisse der Untersuchung geben Aufschluss über die Charakteristik eines typischen Biotopes der Groppe im Südwestfälischen Berglandes (vgl. 2.4) und bestätigen die Literaturangaben bei FELDMANN (1987) und STEINBACH (l.c.). Die nachgewiesenen Organismen sind ein gutes Beispiel für die typische Tiergemeinschaft eines sauerländischen Berglandes. Neben der Groppe kommen mehrere weitere sauerstoffbedürftige und verschmutzungsempfindliche Arten vor. Darunter sind vor allem die stenothermen Gebirgsbacharten Dinocras cephalotes, Drusus annulatus und Ecdyonurus venosus. Der Saprobienindex der Aufnahmefläche liegt dementsprechend bei 1,5 und zeigt geringe Gewässerbelastung an.

Es wird allerdings auch deutlich, dass die Tiergemeinschaft der Brachtenbecke potenziell durch Gewässerverschmutzung und forstwirtschaftliche Eingriffe gefährdet ist. Um die Groppe und die Lebensgemeinschaft der sauerländischen Bäche für die Zukunft zu sichern, ist es insbesondere notwendig, die Bachtälchen (Siepen) nicht bis zum Bachgrund mit Fichten aufzuforsten (vgl. oben, STEINBERG l.c.), wie es leider auch gegenwärtig noch viel zu oft zu beobachten ist.

3.3 Die Groppe als Bioindikator

Wie wir bereits wissen, besiedelt die Groppe ausschließlich Gewässer mit guter bis sehr guter Wasserqualität (vgl. 2.4 & 3.2). In sauerstoffarmen Gewässern kommt sie dagegen nicht vor. Die Spezialisierung unserer Art auf saubrere, sauerstoffreiche und darüber hinaus auch relativ kühle Gewässer resultiert aus einer geringen ökologischen Potenz in Bezug auf die abiotischen Habitatfaktoren Sauerstoff und Temperatur. Man spricht bei einer geringen ökologischen Potenz einer Art gegenüber einem abiotischen Habitatfaktor auch davon, dass die Art in Bezug auf diesen Habitatfaktor stenök ist. Die Groppe ist demnach eine stenöke Art in Bezug auf Temperatur und Sauerstoff. Im Umkehrschluß lässt sich davon ausgehen, dass ein Gewässer sauerstoffreich, kühl und sauber ist, wenn die Groppe vorkommt. Cottus gobio gilt daher in der Ökologie als Zeigerart oder Bioindikator für kühle und sauerstoffreiche Gewässer. Sie zeigt kühle und sauerstoffreiche Wasserbedingungen an. Weil sie hohe Sauerstoffkonzentrationen benötigt, ist die Groppe auch ein Idikator für geringe organische Gewässerbelastung. Dieser Umstand resultiert daraus, dass bei organischer Belastung, zum Beispiel durch Jauche, sehr viel Sauerstoff durch den aeroben Abbau des anfallenden organischen Materials verbraucht wird.

In der Fließgewässerökologie existiert mit dem Saprobiensystem eine effektive Möglichkeit, die Zeigerarten eines Gewässerabschnittes dafür zu nutzen, um die Gewässergüte herauszufinden. Dass Prinzip des Saprobiensystems basiert darauf, dass gewässerbewohnenden Tierarten ein Saprobienwert zugeordnet wird. Dieser Wert ist umso höher, je mehr im Wasser enthaltende Fäulnisstoffe von einer Art toleriert werden. Rote Zuckmückenlarven der Familie Chironomidae vertragen zum Beispiel relativ hohe organische Belastung und dementsprechend niedrige Sauerstoffwerte. Sie besitzen dementsprechend einen hohen Saprobienwert von 3,3. Der auf Abbildung 7 zu sehende Große Uferbold hingegen ist sehr sauerstoffbedürftig und kommt mit Fäulnisstoffen nur schlecht zurecht. Er besitzt einen vergleichsweise niedrigen Saprobienwert von 1,2. Mit Hilfe der Saprobienwerte der in einem bestimmten Gewässerabschnitt gefundenen Organismen läßt sich der Saprobienindex bestimmen. Der Saprobienindex erlaubt Rückschlüsse auf die organische Belastung eines untersuchten Fließgewässerabschnittes. Zur Bestimmung des Saprobienindexes wird neben den Saprobienwerten auch die Anzahl der gefundenen Vertreter einer Art benötigt. Liegt der Saprobienindex eines Gewässerabschnittes beispielsweise bei 1,0 - 1,5, so entspricht dies einer hohen Wasserqualität mit keiner oder nur sehr geringer organischer Belastung (Gewässergüteklasse I). Ein Saprobienindex von 1,5-1,8 entspricht einer geringen Belastung mit Fäulnisstoffen (Gewässergüteklasse II, SCHWAB 1995).

Für ökologische Exkursionen verwendete Bestimmungswerke (z. B. SCHWAB 1995) enthalten in der Regel Saprobienwerte für die fließgewässerbewohnenden Wirbellosen. Wirbeltiere sind häufig nicht mit Saprobienwerten vertreten und wurden daher durch den Autor bei den Berechnungen von Saprobienindces bisher nicht berücksichtigt (vgl. Tabelle 1). STEINBERG (l.c.) nennt jedoch für Cottus gobio einen Saprobienwert von 1,1. Daraus ergibt sich, dass das Auftreten der Groppe für die Gewässergüteklasse I spricht. Ihr Saprobienwert trägt bei einer gewässerökologischen Untersuchung demnach dazu bei, dass ein relativ geringer Saprobienindex ermittelt wird. Wie die faunistische Untersuchung der Brachtenbecke zeigt, akzeptiert die Groppe jedoch auch noch Fließgewässer, deren Wasserqualität im Bereich der Gewässergüteklasse II liegt.

4 Literaturverzeichnis

Art. Groppen, in: Lexikon der Biologie, Band 4 - Freiburg: Herder, S. 125.

Čihař, J. & Malý, J. (1987): Süsswasserfische. - Köln: Lingen.

FELDMANN, Reiner (1987): Grundlagenuntersuchung zur Fauna des Märkischen Kreises. Umweltbericht des Märkischen Kreises, Lüdenscheid: 122-141.

FEY, Jürgen-Michael (1996): Biologie am Bach. Praktische Limnologie für Schule und Naturschutz. - Wiesbaden: Quelle & Meyer.

MAITLAND, Peter S. (1977): Der Kosmos-Fischführer. Die Süßwasserfische Europas in Farbe. - Stuttgart: Kosmos.

STEINBERG, Ludwig (1983): Artenhilfsprogramm Koppe. - Recklinghausen: Landesanstalt für Öklogie, Landschaftsentwicklung und Forstplanung NW.

SCHWAB, Helmut (1995): Süßwassertiere. Ein ökologisches Bestimmungsbuch. - Stuttgart: Klett.

5 Weiterführende Links

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 06. August 2013 um 23:52 Uhr