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Der Rotfußröhrling und sein Vorkommen im Südwestfälischen Bergland

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1. Einleitung

Der Rotfußröhrling (Xerocomellus crysenteron) gehört zu den häufigen heimischen Arten der Dickröhrlinge (Boletaceae). Aufgrund seiner Häufigkeit und weiten Verbreitung gehört er unter Pilzfreunden zu den bekannteren Arten und besitzt eine gewisse Bedeutung als Speisepilz. Ziel dieses Beitrags ist es, eine Einführung in die Biologie und Ökologie dieser bekannten Pilzart zu bieten. Darüber hinaus wird auf das Vorkommen des Rotfußröhrlings im Südwestfälischen Bergland eingegangen.

2. Biologie und Ökologie

2.1 Merkmale

Der Hut des Rotfußröhrlings ist braun bis graubraun oder braunrot gefärbt und fühlt sich bei jüngeren Fruchtkörpern samtig an. Bei jungen Fruchtkörpern ist er daneben konvexer, in manchen Fällen sehr dunkel und verblasst später. Bei älteren Fruchtkörpern reißt die Huthaut oftmals felderig auf. Dieses Phänomen ist auf den unten abgebildeten Fruchtkörpern allerdings nicht zu erkennen. Auf der Hutunterseite findet sich eine familientypische schwammige Röhrenschicht (vgl. Abb. 1). Die Farbe der Röhren ist ein kräftiges Gelb. Biologische Aufgabe der Röhrenschicht ist die Bildung von Sporen, die der Vermehrung dienen. Druckstellen laufen in der Regel deutlich blau oder grünblau an, verblassen nach einiger Zeit aber wieder. Der Stiel des Rotfußröhrlings ist zumindest am Grund, meist aber über die ganze Länge leuchtend rot gefärbt und hat der Art ihren Namen gegeben. Die leuchtend rote Stielfärbung ist auf den Abbildungen 2 und 3 gut erkennbar. Die beiden auf den Fotos erkennbaren Fruchtkörper sind vergleichsweise hell. Abbildung 1 zeigt schematisch einen jungen und einen älteren Fruchtkörper im Vergleich.

Abb. 1: Rotfußröhrling, schematische, idealtypische Darstellung eines jungen und eines älteren Fruchtkörpers im Vergleich. Das junge Exemplar besitzt einen konvexeren, dunkleren Hut. Das ältere Exemplar ist deutlich blasser und zeigt etliche Fraßstellen. Zeichnung: Chr. Schwerdt.

Abbildung 2: Rotfußröhrling, jüngerer Fruchtkörper. Fundort: Altena, Forstwegböschung. Oberhalb der Böschung eine ältere Fichtenmonokultur. Foto: Chr. Schwerdt, 08.10.12.

Abbildung 3: Etwas älterer Fruchtkörper des Rotfußröhrlings. Die zahlreichen Fraßspuren stammen von Nacktschnecken. Fundort: Altena, Forstwegböschung (vgl. oben). Foto: Chr. Schwerdt, 08.10.12.

In der Regel weisen die Fruchtkörper nach kurzer Zeit etliche Fraßstellen auf, an denen sich das Hutfleisch nach und nach rot verfärbt. Verursacher dieser Fraßstellen sind in der Regel kleinere Nacktschnecken, die man beim Sammeln der Fruchtkörper nicht selten auf ihnen findet.

Ältere Fruchtkörper sind nicht selten mehr oder weniger vollständig von einem weißen bis gelben, watteartigen Belag umhüllt. Bei diesem Belag handelt es sich um einen parasitischen Schlauchpilz, den Goldschimmel Hypomyces chrysospermus. Derartig befallene Fruchtkörper sind auffällig, aber für den Verzehr vollkommen unbrauchbar. Nicht selten sind alle älteren Fruchtkörper des Rotfußröhrlings in einem ganzen Waldstück durch den Goldschimmel befallen.

2.2 Vorkommen und Ökologie

Der Rotfußröhrling ist ein relativ unspezifischer Mykorrhizapartner verschiedener Baumarten und kommt deshalb in verschiedenen Laub- und Nadelwaldgesellschaften vor. Mykorrhizapartner sind Pilze, die mit Waldbäumen und anderen Pflanzenarten eine Lebensgemeinschaft, die Mykorrhiza eingehen. Diese Lebensgemeinschaft ist eine Symbiose, da sie für beide beteiligten Arten vom Vorteil ist. Das Prinzip der Mykorrhiza beruht darauf, dass Pilze mit dem Feinwurzelsystem des Baums in Kontakt treten und seine resorbierende Oberfläche erheblich vergrößern. Durch die Lebensgemeinschaft können Nährstoffe viel effizienter aufgenommen werden, da zur Wurzeloberfläche die Oberfläche des symbiontischen Pilzes hinzukommt. Für den Pilz ist die Mykorrhiza im Gegenzug lebensnotwenig, da er durch den Baumpartner mit energiereichen Assimilaten versorgt wird.

In der Literatur wird der Rotfußröhrling meistens als häufig bezeichnet (vgl. HAUSNER 1996, AICHELE et al. 1996). Diese Häufigkeit hängt mit dem breiten Spektrum akzeptierter Baumpartner zusammen (vgl. oben). Aichele (l.c.) erwähnen jedoch, dass er nicht in höhere Gebirgslagen vordringt.

2.3 Verwendung als Speisepilz

Der Rotfußröhrling ist genießbar und wird aufgrund seiner Häufigkeit relativ oft zu Speisezwecken gesammelt. Sein Wert ist unter Pilzfreunden jedoch umstritten, da sein Fleisch weich ist und er beim Braten stark schleimt. Versuche des Autors zeigten, dass junge Exemplare sich gut als Zutat für Nudelgerichte mit Pilzsaucen eigenen. Ältere Fruchtkörper gelten gemeinhin als ungenießbar. Sie sind meist madig, faulen schnell und besitzen einen unangenehm strengen Geschmack. Vom Goldschimmel befallene Exemplare sind grundsätzlich zu meiden (vgl. oben).

Ein Blick in die vorliegenden Pilzbücher bringt unterschiedliche Meinungen über den Wert des Rotfußröhrlings zu Tage, welche die oben gemachten Aussagen untermauern. Nach AICHELE et al (l.c.) sind nur ganz junge Exemplare als Speisepilz zu empfehlen. GMINDER & BÖNING (2007) vertreten die Auffassung, dass alle Xerocomus-Arten schnell matschig werden und es deshalb nur lohnt, junge und feste Fruchtkörper zu sammeln. LAUX (2010) bezeichnet den Rotfußröhrling als Sammelart, betont allerdings seine Neigung, frühzeitig zu verschimmeln. HAUSNER (1996) bestätigt schließlich die bereits genannten Autoren, da sie den Rotfußröhrling jung für einen guten Speisepilz hält, jedoch erwähnt, dass ältere Exemplare geringwertig sind und dazu neigen, schnell zu verfaulen.

3. Vorkommen und Verbreitung im Südwestfälischen Bergland

Pilzexkursionen des Verfassers zeigten, dass der Rotfußröhrling in mehreren Laubwaldgesellschaften des Altenaer Raumes vorkommt und stellenweise relativ häufig ist. Auch Forstwegböschungen in Fichtenmonokulturen werden besiedelt (vgl. Abb. 1 & 2). Das Aufkommen an Fruchtkörpern ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Abbildung 3 zeigt einen artenarmen Hainsimsen-Rotbuchenwald mit eingestreuten Traubeneichen, in dem seit 2008 immer wieder wenige bis zahlreiche Fruchtkörper des Rotfußröhrlings durch den Autor festgestellt werden konnten.

Abbildung 3: Fundort des Rotfußröhrlings in einem Artenarmen Hainsimsen-Rotbuchenwald mit eingestreuten Traubeneichen auf dem Nettenscheid bei Altena (Westf.). Foto: Chr. Schwerdt, 31.07.11.

Die vorliegenden eigenen Nachweise sind bei Weitem nicht ausreichend, um die Verbreitung des Rotfußröhrlings im Altenaer Raum oder gar im gesamten Südwestfälischen Bergland zu charakterisieren. Literaturangaben liegen mir bisher nicht vor. Die bisherigen Funde der Art zeigen immerhin, dass sie im Untersuchungsraum zumindest stellenweise verbreitet ist. Nach GMINDER & BÖNING (2007) ist die Art in ganz Europa gemein, was es möglich erscheinen läßt, dass sie auch im Südwestfälischen Bergland häufiger vorkommt. Immerhin sind aufgrund des relativ hohen Waldanteils im Untersuchungsgebiet potenzielle Mykorrhizapartner an vielen Stellen vorhanden.

4. Literatur

AICHELE, Dietmar, AICHELE, Renate, SCHWEGLER, Heinz-Werner & SCHWEGLER, Anneliese (1996): Der Kosmos-Pflanzenführer. Blütenpflanzen, Farne, Moose, Flechten, Pilze, Algen in 653 Farbbildern. - Stuttgart: Kosmos.

GMINDER, Andreas & BÖHNING, Tanja (2007): Welcher Pilz ist das? - Stuttgart: Kosmos.

HAUSNER, Gerlinde (1996): Pilze. Die wichtigsten Speise- und Giftpilze. - München: BLV.

LAUX, Hans E. (2010): Der große Kosmos Pilzführer. Alle Speisepilze mit ihren giftigen Doppelgängern. - Stuttgart: Kosmos.

5. Weiterführende Links

6. Kontakt

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7. Dank

Dipl.-Biol. Sebastian Mildenberger, Düsseldorf, und Christopher Sadlowski, Dortmund, danke ich für die kritische Durchsicht dieses Beitrages.

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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 05. Januar 2014 um 00:55 Uhr