Christopher Schwerdts Molch- und Salamanderseite!

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Start Ökosystem Gartenteich

Der Gartenteich als Lebensraum und Ökosystem (Artikelwunsch von Martin Höck, Dahle)

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1. Einleitung

In diesem Beitrag geht es um Gartenteiche als Lebensraum und Ökosystem. Im ersten Abschnitt wird dabei erklärt, wie die abiotischen Umweltfaktoren mit den Bewohnern des Gartenteiches wechselwirken. Darüber hinaus wird erläutert, welche Tiere und Pflanzen in diesem Gartenteich vorkommen und wie sie sich gegenseitig beeinflussen. Im zweiten Abschnitt werden einige auffällige im Garteinteich vorkommende Tierarten exemplarisch vorgestellt. Im Mittelpunkt der Betrachtungen steht dabei als Beispielbiotop ein kleiner Gartenteich, der seit Jahren vom Autor untersucht wird (Abb. 1). Der Beitrag richtet sich vorwiegend an Naturschützer, Studenten und Schüler der Oberstufe.

Kleiner, mit Hilfe von Teichfolie angelegter Gartenteich des Autors in Altena (Westf.). Foto: Chr. Schwerdt.

1.1 Abiotische Wechselwirkungen im Ökosystem Gartenteich

Limnologisch gesehen sind Gartenteiche keine Teiche, sondern Kleinweiher. Das ist verwirrend, aber wissenschaftlich betrachtet verfügt ein Teich grundsätzlich über ein Zu- und auch einen Ablauf, was bei vielen Gartenteichen allerdings nicht der Fall ist. Da sich der Begriff Gartenteich jedoch allgemein eingebürgert hat, soll er in diesem Bericht weiter verwendet werden. Wie alle Kleinweiher ist auch unser Gartenteich im Sauerland dadurch gekennzeichnet, dass sie perrenierend ist, d. h. in der Regel dauerhaft und über das ganze Jahr Wasser führt. Da der Jahresniederschlag im Sauerland mit durchschnittlich etwa 1200 mm im Jahr relativ hoch ist, ist er trotz seiner geringen Größe seit seiner Anlage im Jahr 2006 nicht ausgetrocknet. Das Gewässer ist etwa 30 cm tief und hat eine Wasserfläche von ca. 1,45 m2. Seit 2006 wurde der Gartenteich regelmäßig durch den Autor im Hinblick auf seinen Tierbestand untersucht. Er wird im Folgenden auch als Untersuchungsgewässer bezeichnet. Die Bewohner unseres Untersuchungsgewässers werden durch die abiotischen Umweltfaktoren Wasser, Licht, Temperatur und Wind beeinflusst. Der abiotische Umweltfaktor Boden wirkt nur eingeschränkt auf die Pflanzen und Tiere im Teich, da sie durch die Teichfolie vom Erdreich getrennt sind. Bodenpartikel können jedoch in geringem Maße durch den Wind angeweht werden. Die Teichbewohner sind außerdem Teil der Stoffläufe von Sauerstoff, Kohlenstoff und Nährstoffen wie Phosphor und Stickstoff. Die auf das Ökosystem Gartenteich wirkenden abiotischen Umweltfaktoren und die wichtigsten Stoffläufe sind in Abbildung 1 schematisch dargestellt. Sie sollen im Folgenden näher vorgestellt werden.

Abb 1: Abiotische Umweltfaktoren und Stoffläufe im Ökosystem Gartenteich. Die Produzenten entziehen dem Wasserkörper bei positiver Photosynthesebilanz CO2 und geben O2 ab. Da bei den Produzenten nachts die Atmung die Photosynthese überwiegt, geben Sie dann CO2 ab und verbrauchen O2. Konsumenten sind nicht zur Photosynthese befähigt. Sie verbrauchen grundsätzlich O2 und geben CO2 an den Wasserkörper ab. Zeichnung: Chr. Schwerdt.

Das Vorhandensein von Wasser ist unabdingbare Vorrausetzung für alle Lebensvorgänge im Ökosystem Gartenteich. Produzenten wie die photoautotrophen Vertreter der Euglenida benötigen Wasser, Kohlendioxid und Licht, um Photosynthese betreiben zu können. Tiere benötigen Wasser, um ihren Elektrolythaushalt aufrecht erhalten zu können. Die meisten Teichbewohner zählen darüber hinaus zu den limnischen Organismen, welche ausschließlich im Süßwasser leben. Limnische Organismen können in der Regel nicht an Land zu überleben, da sie dort ersticken oder austrocknen würden. Einige Gruppen wie die Daphnien sind immerhin dazu in der Lage, austrocknungsresistente Eier als Dauerstadien auszubilden. Amphibien verbringen einen Teil des Jahres an Land. Sie sind allerdings während der Fortpflanzung im Frühling und zum Teil auch während der Sommermonate im Teich anzutreffen. Eintagsfliegen, Köcherfliegen und Libellen leben als erwachsene (adulte) Tiere an Land und sind flugfähig. Den allergrößten Teil ihres Lebens verbringen sie allerdings als Larven im Teich. Wie oben bereits erwähnt wurde, laufen die Lebewesen in unserem Gartenteich normalerweise keine Gefahr, den Austrocknungstot zu sterben, da die Niederschläge ausreichend hoch sind und die Verdunstung von Teichwasser ausgleichen.

Der Wind sorgt im Ökosystem Gartenteich vor allem dafür, dass Nährstoffe in Form von Fallaub in den Teich gelangen. Die organischen Substanzen im Fallaub werden durch Mikroorganismen sowie Zerkleinerer wie Köcherfliegenlarven zersetzt und schließlich teilweise mineralisiert. Bei diesem Prozess werden unter Sauerstoffverbrauch Nährstoffe wie Stickstoff (NO3--Ionen), Mineralstoffe, CO2 und Wasser freigesetzt. Häufig ist weiterhin ein unvollständiger Abbau pflanzlichen organischen Materials unter Bildung von Huminstoffen, welche dem Wasser im Winterhalbjahr eine gelbe bis braune Farbe verleihen. Auch abgestorbene Tiere und pelagisch, d. h. im Wasserkörper lebende Einzeller und Kleinstlebewesen, sinken zu Boden und werden dort zersetzt. Die Geschwindigkeit des Stoffabbaus hängt maßgeblich von der Temperatur ab. Er erfolgt umso schneller, je höher die Temperatur ist. Dabei gilt für den Abbau organischen Materials und die chemischen Reaktionen, die dabei erfolgen, die RGT-Regel (Reaktionsgeschwindigkeits-Temperatur-Regel). Die RGT-Regel besagt, dass sich die Reaktionsgeschwindigkeit verdoppelt, wenn die Temperatur um 10 K (Kelvin) steigt. Sie ist als Faustregel zu verstehen. Sinkt die Wassertemperatur im Herbst, so sinkt die Aktivität der Zersetzer und somit die Rate des Stoffabbaus.

Das Teichwasser wird insbesondere in der warmen Jahreszeit durch das Sonnenlicht tagsüber aufgeheizt. Der Einstrahlungsphase folgt  jeden Tag eine nächtliche Ausstrahlungsphase, bei der sich die Wassertemperatur abkühlt. Selbst im Hochsommer heizt sich das Wasser nur selten über 25°C auf, um nachts auf 10-15°C abzukühlen. Warmes Wasser ist dichter und somit spezifisch leichter als kaltes. Die obere Wasserschicht erwärmt sich zwar tagsüber, kühlt aber nachts stärker aus als das Wasser am Teichgrund, welches deshalb gegen Morgen nach oben steigt. Auf diese Weise kommt es im Gartenteich fast täglich zu einer Voll- oder Teilzirkulation des Wassers. Das Licht schafft nicht nur eine für die Aktivität der Teichbewohner günstige Temperatur, sondern ermöglicht Eugleniden und anderen Produzenten unter den Mikroorganismen, Photosynthese zu betreiben und dabei Sauerstoff freizusetzen. Höhere Pflanzen fehlen im Untersuchungsgewässer.

1.2 Biotische Wechselwirkungen im Ökosystem Gartenteich

Räuber-Beute Beziehungen sind die häufigsten Wechselbeziehungen zwischen Lebewesen in unserem Gartenteich. Da unter ihnen etliche Räuber sind, die nicht nur eine Art erbeuten, sondern Nahrungsgeneralisten sind und somit alles fressen, was sie bewältigen können, bildet sich keine lineare Nahrungskette, sondern ein komplexes Nahrungsnetz aus. Das Nahrungsnetz besteht aus zahlreichen Räuber-Beute-Beziehungen und ändert sich im Laufe des Jahres mehrfach, da nicht alle Tierarten gleichzeitig im Teich anzutreffen sind. So sind die adulten Molche zum Beispiel überwiegend von Februar bis Juli, Molchlarven von April bis Oktober im Teich anzutreffen. Abb. 3 zeigt beispielhaft einige häufige Räuber-Beutebeziehungen als Teil des Nahrungsnetzes im Untersuchungsgewässer.

Abb. 3: Einige häufige Räuber-Beute-Wechselbeziehungen im Lebensraum Gartenteich. Zeichnung: Chr. Schwerdt.

Die Abbildung ist keineswegs als vollständig anzusehen, sondern dazu gedacht, die Komplexität des Nahrungsnetzes anzudeuten und zu illustrieren. An der Spitze des Geflechtes aus Räuber-Beute-Wechselbeziehungen stehen aus erwachsene (adulte) Molche und die Larven des Plattbauches, einer Libellenart aus der Familie der Segellibellen. Erwachsene Molche und Plattbauch sind im Gartenteich die Top-Prädatoren, was bedeutet, dass sie keine im Gewässer lebenden Feinde haben. Molche wie der Bergmolch erbeuten Wasserinsekten und Amphibienlarven. Bei Nahrungsknappheit machen sie auch vor ihren eigenen Larven nicht halt. Weiterhin fallen ihnen nicht selten die häufigen Wasserkäfer der Art Agabus bipustulatus zum Opfer. Sie gehören besonders im zeitigen Frühjahr zur Hauptbeute, da sie bereits Ende Februar häufig auftreten können. Gelegentlich lassen sich die Molche schließlich dabei beobachten, wie sie Regenwürmer fressen, die ins Wasser gefallen sind und nicht zur Lebensgemeinschaft des Teiches gehören.

Die behaarte Larven des Plattbauches Libellula depressa lauern eingegraben im Teichgrund auf Beute. Vorbeilaufende Wasserinsekten wie zum Beispiel die Larven der kleineren Frühen Adonislibelle Pyrrhosoma nymphula werden von den Larven des Plattbauches mit ihrer für alle Libellen typischen Fangmaske gepackt und anschließend gefressen. Selten vertilgen die Plattbauchlarven auch kleinere Molchlarven. Die Larven der Frühen Adonislibelle sind aufgrund ihrer geringen Größe in der Regel nicht dazu in der Lage, Amphibienlarven zu erbeuten und  nutzen als Nahrung die im Teich häufig vorkommenden Hüpferlinge (z. B. Gattung Cyclops) oder junge Larven der Eintagsfliege Cloëon dipterum. Der Gemeine Schnellschwimmer Agabus bipustulatus ist ein Räuber und Resteverwerter. Er erbeutet Hüpferlinge und kleine Eintagsfliegenlarven, die er anschließend mit seinen beißend-kauenden Mundwerkzeugen zerkleinert. Gelegentlich kann man darüber hinaus auch beobachten, das er sich an organischen Partikeln pflanzlichen oder tierischen Urpsprungs zu schaffen macht. Hüpferlinge (Copepoda) zählen zu den Krebstieren (Crustacea). Sie sind die häufigsten makroskopisch erkennbaren tierischen Lebewesen im Untersuchungsgewässer. Ihre Nahrung besteht aus Partikeln abgestorbenen organischen Materials sowie aus diversen Kleinstlebewesen und Einzellern wie z. B. Kieselalgen.

Ein Blick auf die zahlreichen Räuber-Beutebeziehungen im Untersuchungsgewässer zeigt, dass fischfreie Gartenteiche für zahlreiche Tiergruppen ein wertvolles Sekundärhabitat darstellen. Ihre Anlage ist eine wirksame Schutzmaßnahme für Amphibien und Wasserinsekten. Sie trägt dazu bei, den Verlust von natürlichen Stillgewässern durch die industrialisierte Land- und Forstwirschaft auszugleichen und wasserlebenden Tieren wertvolle neue Lebensräume zu schaffen. Einige Tierarten, die sich häufig an Gartenteichen einstellen und von ihrer Anlage profitieren, werden exemplarisch in Abschnitt 2 vorgestellt.

2. Tiere im Ökosystem Gartenteich

2.1 Bergmolch (Mesotriton alpestris)

In den meisten Gartenteichen ist früher oder später mit Molchen zu rechnen, solange keine großen oder räuberischen Fische eingesetzt wurden. Im Tiefland ist meistens der Teichmolch  die häufigste Art. Im Mittelgebirge und in den Alpen fällt diese Rolle in der Regel dem Bergmolch zu. Beide Arten akzeptieren ein breites Spektrum von Laichgewässern und nehmen neu angelegte Gartenteiche sehr gerne an. In bestimmten Gegenden ist darüberhinaus mit weiteren Molcharten zu rechnen. So tritt im atlantischen Westen Deutschlands nicht selten der Fadenmolch auf und ist dann gemeinsam mit dem Bergmolch zu finden. Für unsere größte heimische Molchart, den Nördlichen Kammolch, kommen allenfalls große und sonnige Gartenteiche in tieferen Lagen als Laichplatz in Frage.

Im Untersuchungsgewässer ist die häufigste Molchart der Bergmolch, welcher im Frühjahr mit bis zu 19 Exemplaren auftritt und an dieser Stelle ausführlich vorgestellt werden soll. Bergmolche zeigen zur Laichzeit prächtige Farben und zählen sicher zu den auffälligsten und attraktivsten Bewohnern unserer Gartenteiche.

Der Bergmolch ist ein mittelgroßer, robuster Wassermolch. Von anderen Molcharten ist er in erster Linie durch seine ungefleckte, leuchtend rot-orange gefärbte Bauchseite zu unterscheiden. Lediglich auf der Kopfunterseite und im Bereich der Kehle ist gelegentlich eine Anzahl schwarzer Flecken zu finden. Die Oberseite ist bei den Männchen blau bis blaugrau, bei den Weibchen blaugrau oder blaugrau marmoriert. Die Abbildungen 4 und 5 zeigen zum Vergleich jeweils ein Bergmolchweibchen und -Männchen. Weibchen werden im Allgemeinen größer als Männchen und erreichen bis zu 12 cm Gesamtlänge. Sie zeigen meistens einen gewissen Laichansatz und wirken dadurch relativ füllig. Männchen sind im Vergleich mit den Weibchen zierlicher und verfügen über einen niedrigen, silbern und schwarz gemusterten Rückenkamm. Auffällig ist bei den Männchen weiterhin die große Kloake, welche einen gemeinsamen Ausgang von Harnwegen, Darm und Geschlechtsorganen darstellt.

Abb. 4: Bergmolchmännchen in Wassertracht. Foto: Chr. Schwerdt.

Abb. 5: Weibchen des Bergmolchs in Wassertracht. Foto: Chr. Schwerdt.

Bergmolche überwintern in der Regel an Land. Milder werdende Temperaturen und vor allem feuchtmilde Nächte lösen ab Ende Februar die Anwanderung der Molche zu ihren Laichgewässern aus. Die ersten im Gewässer ankommenden Tiere sind dabei meist Männchen, während die Weibchen im Schnitt einige Tage später antreffen (vgl. SCHLÜPMANN 1987). Sobald die Molche das Fortpflanzungsgewässer erreicht haben, beginnen sie mit der Balz. Dafür schieben sich die Männchen vor die Weibchen und wedeln ihnen mit dem Schwanz Duftstoffe zu. Wendet sich das Weibchen nicht gleich ab, stellt das Männchen das Wedeln ein und beginnt langsam voranzuschreiten. Folgt das Weibchen, setzt das Männchen  ein Samenpaket ab, dass als Spermatophore bezeichnet wird und vom Weibchen anschließend mit der Kloake aufgenommen wird. Bei den Molchen findet also im Gegensatz z.B. zum Grasfrosch eine innere Befruchtung statt. Oft schon nach einigen Stunden, spätestens einen Tag nach erfolgreicher Paarung beginnen die Weibchen die Eiablage. Die  Eier werden dabei einzeln abgelegt und von den Weibchen akribisch in pflanzliches Material gefaltet. Als Substat werden dafür sowohl lebende Wasserpflanzen als auch abgestorbenes pflanzliches Material genutzt. Abb. 6 zeigt ein Bergmolchweibchen bei der Eiablage in Fallaub in einer wassergefüllten Wagenspur auf einem Forstweg. Auch im Untersuchungsgewässer ist Fallaub das häufigste Eiablagesubstrat.

Abb. 6: Ein Bergmolchweibchen nutzt Fallaub als Eiablagesubstrat. Im Hintergrund zwei Männchen. Foto: Chr. Schwerdt.

Die Eizeitigung dauert je nach Temperatur zwischen 14 und etwa 21 Tagen. Bei sehr milden Temperaturen verläuft die Entwicklung der Eier schneller. Die bekiemten Molchlarven leben nach dem Schlupf einige Tage von ihrem Dottervorrat, bevor sie beginnen, Jagd auf Kleinkrebse und andere kleine Wassertiere zu machen. Die Dauer der Larvenentwicklung hängt von Nahrungsangebot und Temperatur ab. Sie ist sehr unterschiedlich und beträgt zwischen zwei und fünf Monaten. Bei einer sehr langen Entwicklungsdauer überwintern die Larven. Nach Abschluß der Larvenentwicklung reduzieren die Larven ihre Kiemen und wandeln sich schließlich zu Jungmolchen um. Die Jungmolche haben eine samtige Haut und leben in der Regel zwei Jahre an Land, bevor sie geschlechtsreif werden und wieder das Wasser aufsuchen. Der Landaufenthalt der Jungmolche wird auch als terrestrisches Jugendstadium bezeichnet. Molche, die sich an Land aufhalten, nennt man in der Ökologie dementsprechend terrestrisch. Die Jungmolche leben während dieser Zeit relativ versteckt unter Steinen, abgestorbenem Holz oder in Kleinsäugerbauten. Sie erbeuten dort verschiedene bodenlebende Gliederfüsser (Bodenarthropoden), zum Beispiel Springschwänze oder junge Asseln. Die erwachsenen (adulten) wasserlebenden Molche sind äusserst gefräßig und leben von Wasserinsekten, Froschlaich, Amphibienlarven und ins Wasser gefallenen Regenwürmern. Abbildung 6 zeigt einen männlichen Bergmolch bei der Jagd auf eine Kaulquappe des Grasfrosches (Rana temporaria).


Abb. 7: Männlicher Bergmolch nähert sich einer Kaulquappe des Grasfrosches, mit dem Ziel, sie zu erbeuten. Foto: Chr. Schwerdt

Obwohl die Jagd in diesem Falle nicht erfolgreich endete, sind die Molche sehr effektive Räuber und dazu in der Lage, Laichballen des Grasfrosches vollständig auszuplündern. Auch die Kaulquappen des Frosches werden stark dezimiert, sodass seine Reproduktion in Gewässern mit starkem Molchbesatz deutlich erschwert ist. Der Grasfrosch behilft sich dadurch, dass er in neu entstandenen Gewässern ablaicht, die noch keine hohe Molchdichte aufweisen und ihm daher bessere Reproduktionschancen bieten.

2.2 Grasfrosch (Rana temporaria)

Neben Molchen treten in Gartenteichen verschiedene Froschlurche auf. Die häufigste unter ihnen ist der Grasfrosch, welcher von der Ebene bis ins Hochgebirge verbreitet ist. Der Grasfrosch ist ein bis zu 11 cm groß werdender, gedrungen wirkender Froschlurch. Im Gegensatz zum verwandten Springfrosch (Rana dalmatina) besitzt er eine stumpfe und kurze Schnauze. Hinsichtlich ihrer Färbung sind Grasfrösche sehr variabel. Generell gilt, dass die Oberseite oftmals dunkle Flecken auf brauner oder beiger Grundfarbe aufweist. Die Unterseite ist hell und zeigt gelegentlich eine Anzahl gräulicher, gelblicher oder bräunlicher Flecke. Weibchen sind im Gegensatz zu den Männchen größer und fülliger. Sie weisen im Winterhalbjahr häufig einen deutlichen Laichansatz auf.

Abb. 8: Grasfrosch (Männchen) auf dem Weg zum Laichgewässer. Foto: Chr. Schwerdt.

Grasfrösche überwindern sehr häufig in ihren Laichgewässern. Dies ist bei sauerstoffreichen quell- oder bachwassergespeisten Gewässern in der Regel kein Problem. Bei Gartenteichen ohne Zu- und Ablauf kann es dann problematisch werden, wenn bei Dauerfrost der Sauerstoff unter der Eisschicht knapp wird. Einige Exemplare überwintern allerdings auch an Land, zum Beispiel in Höhlen oder Stollen. Ist die Überwinterung erfolgreich überstanden, beginnen die Frösche sofort mit Fortpflanzungsaktivitäten oder mit der Wanderung zum Laichgewässer, wenn sie an Land überwintert haben. Bei milden Temperaturen beginnt die Fortpflanzungsperiode bereits Ende Februar, in kalten Jahren erst Ende März. Die Männchen werden in Fortpflanzungsstimmung äusserst aktiv und versuchen mit ihren Vorderbeinen, die Weibchen in der Achselgegend zu umklammern. Gelingt dies, so schwimmen die Frösche einige Tage als "Doppeldecker" umher. Dieser Zustand wird in der Biologie als Amplexus bezeichnet. Ein Pärchen des Grasfrosches im Amplexus ist auf Abb. 9 zu erkennen.

Abb. 9: Pärchen des Grasfrosches im Amplexus. Das Männchen hält das Weibchen dabei mit den Vorderbeinen im Achselbereich umklammert. Foto: Chr. Schwerdt.

Während sich die beiden Frösche im Amplexus befinden, setzt das Weibchen ein bis zwei Laichballen ab, welche 700-4500 Eier enthalten können (NÖLLERT & NÖLLERT 1992). Die Laichballen sind zunächst relativ klein, quillen in den nächsten Tagen jedoch auf über Faustgröße auf. Wie Abbildung 10 zeigt, findet man die Laichballen aller in einem Laichgewässer am Fortpflanzungsgeschehen beteiligten Weibchen meistens konzentriert an ein bis zwei Stellen. Das Phänomen, dass die Laichballen innerhalb von nur wenigen Tagen an diesen Stellen abgesetzt werden, wird als Explosionslaichen bezeichnet. Der Grasfrosch ist dementsprechend ein Explosionslaicher.

Abb. 10: Ansammlung von Laichballen des Grasfrosches in einer aufgegebenen Viehtränke. Die Laichballen werden in wenigen Tagen an einer oder zwei Stellen im Gewässer abgelegt. Aufgrund dieser Vermehrungsstrategie wird der Grasfrosch als Explosionslaicher bezeichnet. Foto: Chr. Schwerdt.

Die Entwicklung der Kaulquappen dauert je nach Wassertemperatur 10-14 Tage. Kurzzeitiges Einfrieren überstehen die Laichballen meist ohne Schaden (NÖLLERT & NÖLLERT l.c.). Die frisch geschlüpften Larven halten sich bei geeignetem Wetter an der Oberfläche der zerfallenden Laichballen auf, wobei sie Körperkontakt suchen und daher von weitem nicht selten als zusammenhängende schwarze Flecke erscheinen. Durch dieses Verhalten absorbieren sie das einfallende Sonnenlicht optimal und schaffen ein für ihre Entwicklung günstiges Mikroklima. Haben sie ihren Dottervorrat aufgebraucht, beginnen sie frei zu schwimmen und leben von Algen, zerfallendem organischem Material und ihren eigenen Artgenossen. Im Laufe des Sommers erscheinen zunächst die Hinterbeine, später die Vorderbeine. Etwa gleichzeitig mit dem Erscheinen der Vorderbeine beginnen die Kaulquappen ihren Schwanz zu resorbieren und den Verdauungstrakt umzubilden. Kurz darauf ist die Metamorphose zum fertigen Jungfrosch abgeschlossen. Die Jungfrösche halten sich in den nächsten Jahren in Hochstaudenfluren, an Waldrändern und zum Teil auch im oder in der Nähe des Laichgewässers auf. Im folgenden Sommer, spätestens aber mit etwa drei Jahren werden sie geschlechtsreif und nehmen an der Fortpflanzung teil. Sowohl Adulti als auch Juntiere des Grasfrosches sind räuberisch und leben von Laufkäfern, Spinnen, Asseln, anderen Gliederfüssern sowie Landschnecken und Regenwürmern (NÖLLERT &N NÖLLERT l.c.).

2.3 Plattbauch (Libellula depressa)

Neben den Amphibien sind die Libellen (Odonata) eine weitere auffällige Tiergruppe unserer Gartenteiche. Je nach Gegend, Größe und Verkrautungsgrad des Gewässers ist dabei mit verschiedenen Arten zu rechnen. Dem Autor liegen eigene Daten zu Libellenvorkommen im Südwestfälischen Bergland (Sauerland, Siegerland) vor. Gartenteiche wurden in diesem Untersuchungsgebiet von drei verschiedenen Libellenarten besiedelt. Neben der Blaugrünen Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) und der Frühen Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula) ist der Plattbauch (Libellula depressa) in einigen Gartenteichen des Gebietes vertreten. Libellula depressa soll im Folgenden näher vorgestellt werden.

Der Plattbauch ist vor allem an neu angelegten, vegetationslosen und vegetationsarmen Gartenteichen zu finden. Er gilt als Pionierart, besiedelt aber auch Gewässer, in welchen die Entwicklung der Vegetation (Sukzession) durch alljährliche Pflegemaßnahmen zurückgesetzt wird. Dementsprechend besiedelt er auch das Untersuchungsgewässer. Die adulten Libellen fliegen von Mai bis Juni und sind dann nicht selten in unmittelbarer Nähe ihrer Laichgewässer zu finden. Allerdings unternehmen gerade die Weibchen auch weite Streifzüge, die der Besiedlung neu entstandener Gewässer dienen. Die Weibchen legen ihre Eier direkt über der Wasseroberfläche ab, woraufhin sie auf den Gewässergrund sinken. Als Eiablagebereiche werden die Flachwasserzonen des Gewässers bevorzugt. Der Schlupf der Larven erfolgt nach etwa vier Wochen. Ihre Entwicklung umfasst 11 Larvenstadien und verläuft nach eigenen Beobachtungen meistens innerhalb eines Jahres. Abbildung 11 zeigt eine ältere, stark behaarte Larve des Plattbauches.

Abb. 11: Ältere Larve des Plattbauches (Libellula depressa). Zwischen den zahlreichen Borsten auf der Oberfläche der Larve setzt sich reichlich Substrat fest, was den Eindruck erweckt, sie wäre mit Schlamm bedeckt. Foto: Chr. Schwerdt.

Die Larven wirken durch das Substrat, welches sich zwischen ihren zahlreichen Borsten sammelt, wie mit Schlamm bedeckt und leben teilweise eingegraben. Gelegentlich sieht man sie allerdings auch über dem schlammigen Gewässergrund sitzen oder langsam umherlaufen. Sie sind Lauerjäger, welche vorbeilaufende Wasserinsekten und Amphibienlarven mit ihrer Fangmaske blitzschnell erbeuten können.

2.4 Gemeiner Schnellschwimmer

Wasserkäfer sind in fast allen Gartenteichen zu finden. Im Untersuchungsgewässer ist der Gemeine Schnellschwimmer Agabus bipustulatus die häufigste Art. Der Gemeine Schnellschwimmer ist ein bis zu 11 mm großer Schwimmkäfer aus der Familie Dytiscidae, zu der auch der bekanntere Gelbrandkäfer (Dytiscus marginalis) gehört. Er besiedelt neben Gartenteichen häufig kühle bach- oder quellwassergespeiste Gewässer. Auch in wassergefüllten Wagenspuren auf Forstwegen kann man den Gemeinen Schnellschwimmer antreffen.

Gefleckter Schnellschwimmer (Agabus bipustulatus). Aufgrund der geringen Größe des Käfers und primitiver Kameratechnik ist die Qualität des Bildes leider bescheiden. Foto: Chr. Schwerdt, Bildbearbeitung: Martin Höck.

Agabus bipustulatus ist dazu in der Lage, sich mit dem zu Schwimmbeinen umgewandelten dritten Beinpaar schnell und ruckartig fortzubewegen, was ihm seinen deutschen Namen Schnellschwimmer eingebracht hat. Ein auffälliges Merkmal der Art sind zwei rote Flecken am Hinterrand des Kopfes, welche in Abb. 12 gut zu erkennen sind. Von den anderen heimischen Arten der Gattung Agabus ist A. bipustulatus darüberhinaus relativ leicht durch längsrissige Strukturen auf seinen Flügeldecken zu unterscheiden. Der Gemeine Schnellschwimmer ist ein Räuber und Asfresser. Zu seiner Nahrung gehören kleine Wasserinsekten, Kleinkrebse sowie organische Partikel pflanzlichen und tierischen Ursprungs.

3. Literatur

HARDE, Karl Wilhelm & SEVERA, František (1988): Der Kosmos-Käferführer. - Stuttgart: Kosmos.

NÖLLERT, Andreas & NÖLLERT, Christel (1992): Die Amphibien Europas. - Suttgart: Kosmos.

SCHLÜPMANN, Martin (1987): Beobachtungen zur Migration von Triturus a. alpestris (Laurenti, 1768), Triturus vulgaris (Linnaeus, 1758) und Triturus h. helveticus (Razoumowsky, 1789). - Jahrbuch für Feldherpetologie 3: 69-84.

4. Weiterführende Links

5. Kontakt

Dieser Beitrag richtet sich vorwiegend an Schüler und Studenten. Leider wird er bei weitem nicht alle Fragen beantworten. Im Fall der Fälle könnt Ihr mir daher eine Mail schreiben. Für Rückmeldungen, ob der Beitrag hilfreich war oder nicht, wäre ich ebenfalls dankbar ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ).

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 06. August 2013 um 23:50 Uhr