Christopher Schwerdts Molch- und Salamanderseite!

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Kurze Einführung in die Ökologie

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1. Einleitung

Dieser Beitrag bietet eine kurze Einführung in die Ökologie und ihre Teilbereiche Ökosystemforschung, Autökologie, Synökologie und Populationsökologie.

2. Grundbegriffe und Teilbereiche der Ökologie

Die Ökologie (von griechisch oikos = Haus) ist die Wissenschaft von den Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Lebewesen sowie zwischen Lebewesen und ihrer abiotischen Umwelt. Die wichtigsten Teilbereiche der Ökologie sind die Autökologie (Standortslehre), die Populationsökologie (Demökologie) und die Synökologie (Biozönologie, Ökologie der Lebensgemeinschaften und Ökosystemforschung). Die Abgrenzung dieser Teilbereiche zueinander soll am Beispiel eines Waldökosystems und seiner Bewohner erläutert werden. Im Mittelpunkt der Erläuterung steht dabei eine Population von Schwarzbären, die in diesem Waldökosystem lebt.

Autökologie

Ökologische Ebene: Organismus

Gegenstand der Autökologie ist der im Waldökosystem lebende Schwarzbär als Organismus, welcher Wechselwirkungen mit den abiotischen Habitatfaktoren in seinem Lebensraum eingeht. Der Begriff Habitat bezeichnet die Gesamtheit der abiotischen Habitatfaktoren, die an der Stelle auf einen Organismus einwirken, an der er sich aufhält. Er ist dabei vorwiegend in der Tierökologie gebräuchlich, während man in der Pflanzenökologie vom Standort spricht. Daher wird die Autökologie auch als Standortslehre bezeichnet. Die abiotischen Habitatfaktoren sind Licht, Temperatur, Wasser, Relief, Bodenbeschaffenheit und Bodenreaktion (=pH-Wert des Bodens). Die Frage, ob die sinkende Tageslänge im Herbst, die fallende Temperatur oder beide Faktoren für den Beginn der Winterruhe des Schwarzbären verantwortlich sind, wäre daher eine mögliche Fragestellung aus dem Bereich der Autökologie.


Populationsökologie

 

Ökologische Ebene: Population

Gegenstand der Populationsökologie sind die Schwarzbären einer Population, ihre Wechselwirkungen untereinander und mit den vorherrschenden abiotischen Habitatfaktoren. Die Population umfasst alle Schwarzbären, welche in unserem Waldökosystem leben und dadurch eine Fortpflanzungsgemeinschaft in einem einheitlichen Areal bilden. Zählen auch Schwarzbären zur Fortpflanzungsgemeinschaft, welche in benachbarten Ökosystemen leben, sind diese ebenfalls Teil der Population. Die Frage nach der Altersstruktur einer Schwarzbärpopulation wäre also eine mögliche Fragestellung aus dem Bereich der Populationsökologie.

 

Synökologie (Biozönologie & Ökosystemforschung)

  • Der Teilbereich der Synökologie befasst sich mit der Ökologie von Lebensgemeinschaften und ganzen Ökosystemen. Er teilt sich in die beiden Forschungsfelder Biozönologie und Ökosystemforschung, welche unten näher erläutert werden.


Biozönologie

Ökologische Ebene: Lebensgemeinschaft (Biozönose)

Gegenstand der Synökologie sind die Schwarzbären und alle anderen Mitglieder des Waldökosystems, in dem sie leben. Sie bilden eine Lebensgemeinschaft (Biozönose). Mitglieder des Waldökosystems sind neben dem Schwarzbär zum Beispiel Schneeschuhhase, Waschbär und Weiß-Fichte. Sie wurden oben gemeinsam mit dem Schwarzbären abgebildet. Fragestellungen der Synökolgie beziehen sich auf die biotischen Wechselwirkungen zwischen Mitgliedern einer Lebensgemeinschaft wie zum Beispiel Prädation, Parasitismus und Konkurrenz. Prädation, Parasitismus und Konkurrenz wirken als biotische Faktoren auf die Organismen in einem Ökosystem. Die Frage, ob Schwarzbär und Waschbär innerhalb des Waldökosystems um Ressourcen wie z.B. Aas konkurrieren, wäre folglich eine mögliche Fragestellung aus dem Bereich der Synökologie. Fragestellungen der Synökologie können sich darüber hinaus auch auf die Wechselwirkungen zwischen einer Lebensgemeinschaft und abiotischen Habitatfaktoren beziehen, wenn  zum Beispiel nach dem CO2 - Umsatz aller Pflanzen einer Lebensgemeinschaft innerhalb einer Saison herausgefunden werden soll.

 

Ökosystemforschung

Ökologische Ebene: Ökosystem

Gegenstand der Ökosystemforschung ist die Entwicklung von Ökosystemen, zum Beispiel im Hinblick auf ihr Arteninventar. Zur Erklärung von Fragestellungen aus der Ökosystemforschung können alle innerhalb eines Ökosystems wirkenden biotischen und abiotischen Faktoren herangezogen werden. Eine Fragestellung aus der Ökosystemforschung wäre zum Beispiel, ob die Artenvielfalt im Lebensraum des Schwarzbären zu- oder abnimmt wenn dieser forstlich genutzt wird.

Man erkennt, dass sich alle Teilbereiche der Ökologie auf Wechselwirkungen beziehen, an denen entweder abiotische Faktoren, biotische Faktoren oder beide beteiligt sind. In den beiden folgenden Abschnitten wird der Einfluß von abiotischen und biotischen Faktoren auf Tiere und Pflanzen besprochen. Außerdem werden beispielhafte Wechselwirkungen vorgestellt und erläutert, an denen die jeweils vorgestellten Faktoren beteiligt sind.

2. Abiotische Habitatfaktoren

Wie bereits weiter oben erwähnt wurde, sind alle Tier- und Pflanzenarten in ihrem Lebensraum mit den abiotischen Habitatfaktoren Licht, Temperatur, Wasser, Relief, Bodenbeschaffenheit und Bodenreaktion (=pH-Wert des Bodens) konfrontiert. Diese Faktoren erfordern von Organismen Reaktionen in Form von morphologischen, physiologischen oder Verhaltensanpassungen.

Der Faktor Licht ermöglicht es Pflanzen, Photosynthese zu betreiben. Bei Photosynthese wird mit Hilfe der Chlorophylle, lichtabsorbierender Farbstoffe in den Chloroplasten der Pflanzen Lichtenergie in chemische Energie überführt. Diese chemische Energie wird später dazu verwendet, um aus den energiearmen Stoffen CO2 (Kohlenstoff-Dioxid) und H2O (Wasser) in zahlreichen Schritten energiereiche Kohlehydrate zu synthetisieren. Licht erwärmt weiterhin im zeitigen Frühjahr relativ dunklen Waldboden, sodass Frühblüher wie das Buschwindröschen günstige Wachstumsbedingungen vorfinden, um vor der Belaubung der Bäume austreiben zu können. Licht kann ausserdem über das Phytochromsystem die Keimung mancher Pflanzenarten auslösen. Solche Pflanzen werden als Lichtkeimer bezeichnet. Beispiele für Lichtkeimer unter den Nutzpflanzen sind Roggen und Kopfsalat.

Auch die Blüte von Pflanzen kann durch den Faktor Licht ausgelöst werden. Typisches Beispiel für eine solche Wechselwirkung sind Kurztags- und Langtagspflanzen. Bei Kurztagspflanzen wird die Blüte ausgelöst, wenn die Beleuchtungsdauer im Laufe des Jahres 10-14 Stunden unterschreitet. Dem entsprechend blühen Kurztagspflanzen in Mitteleuropa meistens im Herbst. Langtagspflanzen kommen hingegen nur dann zu Blüte, wenn die Beleuchtungsdauer im Laufe des Jahres je nach Art über 10-14 Stunden ansteigt. Beispiel für eine Kurztagspflanze ist eine Sippe des Tabaks, Nicotinana tabacum var. "Maryland Mammoth". Beispiel für eine Langtagspflanze ist der verwandte Dufttabak (Nicotiana sylvestris).

Der Faktor Licht beeinflußt neben Pflanzen auch Tiere. Insbesondere die Jahres- und Tagesaktivität verschiedener Arten ist von der Beleuchtungsdauer abhängig. Ein Beispiel für lichtgesteuerte Tageszeitaktivität ist das morgentliche Vogelkonzert im Frühjahr und Frühsommer. Es wird in der Regel vor Sonnenaufgang durch die Amsel eröffnet. Meisen und Buchfinken folgen erst später bei größerer Lichtintensität. Das Rotkehlchen hingegen singt unabhängig vom Faktor Licht gelegentlich auch nachts. Auch bei ihm wird die Gesangsaktivität durch Licht jedoch gefördert, wofür nach eigenen Beobachtungen häufig schon eine Straßenlaterne ausreichen kann. Bei winterlaichenden Amphibiengruppen wie zum Beispiel der bekannten asiatischen Molchgattung Cynops (Feuerbauchmolche) wird die Fortpflanzung neben absinkender Temperatur durch sinkende Tageslänge im Herbst ausgelöst. Hier liegt demnach eine Beeinflussung der Jahresaktivität durch den Faktor Licht vor.

Die Temperatur hängt zum Teil mit der Sonneneinstrahlung zusammen. Für alle biologischen Prozesse ist eine gewisse Mindesttemperatur erforderlich, da chemische Reaktionen stattfinden müssen. Wie schnell diese Reaktionen ablaufen, läßt sich mit Hilfe der RGT-Regel (Reaktionsgeschwindigkeit-Temperatur-Regel) feststellen. Die RGT-Regel besagt, dass sich die Reaktionsgeschwindigkeit verdoppelt, wenn die Temperatur um 10 K (Kelvin) steigt. Sie ist als Faustregel zu verstehen. Sinkt die mittlere Tages- und Nachttemperatur im Herbst, so laufen die Stoffwechselreaktionen wechselwarmer Tiere wie zum Beispiel Amphibien immer langsamer ab, sodass diese Artengruppen inaktiv werden und sich in der Regel in den Boden zurückziehen, wo sie vor Frost geschützt sind.

Eine weibliche Zauneidechse sonnt sich auf einem Ast im Wertachtal (Allgäu). Foto: Chr. Schwerdt, 17.06.11.

Um nach nächtlicher Abkühlung ihre Vorzugstemperatur von durchschnittlich 31°C zu erreichen, sucht die Zauneidechse in den Stunden nach Sonnenaufgang exponierte Plätze wie aus der Vegetation herausragendes Holz auf (vgl. Foto). Hat sie diese Temperatur erreicht, zieht sie sich wieder in die Vegetation zurück, um nicht zu überhitzen. Beide Verhaltensweisen dienen der Thermoregulation. Da ihre Körpertemperatur nun für Stoffwechselprozesse günstig ist, welche Aktivität ermöglichen, ist die Eidechse nach dem Sonnen in der Lage, in der Bodenvegetation Wirbellose zu jagen und effektiv zu verdauen. Thermoregulation ermöglicht also wechselwarmen Tieren, die in ihrem Lebensraum vorhandenen Ressourcen optimal auszunutzen.

Pflanzen können sich bei abfallender Temperatur im Herbst nicht einfach in den Boden zurückziehen wie Tiere. Frostemfindliche immergrüne Arten wie die Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) profitieren im Winter von einer geschlossenen Schneedecke, welche sie gegen Frost abschirmt. Das in den Alpen und Hochlagen der Mittelgebirge verbreitete Borstgras Nardus stricta umgibt seine Erneuerungsknospen mit einem dichten Horst abgestorbener Blätter und erreicht auf diese Weise Gefrierverzögerung durch Abschirmung. Bäume wie die Gemeine Fichte Picea abies sind nur in ihrer Jugend durch die Schneedecke gegen Frost abgeschirmt. Sie haben physiologische Mechanismen ausgebildet, um Kälteresistenz durch Abhärtung zu erreichen.

Der Beginn der Abhärtung wird durch die ersten kalten Nächte im Herbst ausgelöst. Die Zellsaftkonzentration in den Fichtennadeln verändert sich, da in zunehmendem Maße das Kohlehydrat Saccharose im Zellsaft akkumuliert wird. Durch diesen Anreicherungsvorgang sinkt der Gefrierpunkt des Zellsaftes und eine Schädigung durch Frost wird vermieden. Die Nadeln der Fichte ertragen in abgehärtetem Zustand Temperaturen von -40°C und darunter. Abgehärteter Zellsaft ist jedoch physiologisch weitgehend inaktiv, sodass bei Beginn der Vegetationsperiode im Frühjahr eine entsprechende Enthärtung erfolgen muss.

Wasser ist nur über dem Gefrierpunkt für Pflanzen im Boden verfügbar, weshalb sie an sonnigen Wintertagen bei laufender Transpiration bzw. aktivem Zellsaft Schäden durch Austrocknung erleiden können, sofern der Boden gefroren ist. Durch die Transpiration geht Wasser durch die Spaltöffnungen verloren, ohne aus dem gefrorenen Boden ersetzt werden zu können. Dieser Wassermangelzustand wird in der Geobotanik als Frosttrocknis bezeichnet. Schäden durch Frosttrocknis sind von direkten Frostschäden grundsätzlich zu unterscheiden.

Das Beispiel der Frosttrocknis zeigt, dass abiotische Faktoren zusammenwirken und die Verbreitung von Organismen im Hochgebirge limitieren können. Verwandte Organismen, welche Mittel- bzw. Hochgebirgslebensräume besiedeln, zeigen oftmals unterschiedliche Anpassungen, welche sich auf abiotische Faktoren beziehen, deren Einfluß sich mit zunehmender Meereshöhe verändert. Ein Zusammenhang, welcher an dieser Stelle am Beispiel mitteleuropäischen Feuersalamanders (Salamandra salamandra terrestris) und seines subalpin bis alpin verbreiteten Verwandten, dem Alpensalamander (Salamandra atra) eingehender demonstriert werden soll. Der Feuersalamander (linke Abbildung) besiedet waldreiche Landschaften mit eingestreuten Kleingewässern bis in die Hochlagen der Mittelgebirge. Er ist vorwiegend nachtaktiv und verläßt seine Verstecke bevorzugt bei hoher Luftfeuchtigkeit. Seine kiementragenden Larven werden von den Weibchen insbesondere in den Monaten März und April in langsamfließende Bachabschnitte oder vergleichbare Kleingewässer abgesetzt. Die durchschnittliche Anzahl von Larven pro Weibchen beträgt etwa 30.

In den Nordalpen fehlt der Feuersalamander. Er wird dort durch den Alpensalamander (rechte Abbildung) vertreten, welcher von etwa 800 m NN bis in die waldlose alpine Höhenstufe vordringt. Statt kiementragender Larven setzt der Alpensalamander zwei voll entwickelte, landlebende Jungtiere ab. Diese Fortpflanzungsstrategie wird von Herpetologen als Anpassung an den Lebensraum Hochgebirge interpretiert. Aufgrund des besonders schroffen Reliefs und hohen Gefälles der Alpen sind stehende Gewässer selten und Fließgewässer oftmals sehr reißend, sodass wasserlebende, kiementragende Larven ständig Gefahr laufen würden, abgedriftet zu werden.

Feuersalamander (links) und Alpensalamander (rechts) zeigen eine unterschiedliche Färbung sowie eine von einander abweichende Fortpflanzungsbiologie. Die Unterschiede können als Anpassungen an die Lebensräume Mittel- bzw. Hochgebirge interpretiert werden. Fotos: Chr. Schwerdt.

Bei verschiedenen Tierarten der Alpen, so zum Beispiel der Waldeidechse (Zootoca vivipara) oder der Kreuzotter (Vipera berus, vgl. Abbildung) ist weiterhin zu beobachten, dass im Vergleich mit Tieflandpopulationen der selben Art vermehrt Schwärzlinge (melanistische Exemplare) auftreten. Dieses Phänomen wird in der Ökologie als Bergmelanismus bezeichnet. Melanistische Kreuzottern werden im Alpenraum auch als Höllenottern bezeichnet und sind in der hochmontanen bis alpinen Höhenstufe der Nordalpen relativ häufig. Die schwarze Färbung führt dazu, dass mehr Sonnenlicht absorbiert und in Wärme überführt wird, wenn es auf die Körperoberfläche der Kreuzotter trifft. Sie erweist sich in den Alpen als günstig, weil hier auch im Sommer relativ kalte Nächte und große Temperaturschwankungen auftreten. Der Bergmelanismus kann daher als Anpassung von Populationen einer Tierart an den Lebensraum Hochgebirge gedeutet werden. Im Falle des Alpensalamanders ist jedoch derzeit noch unklar, ob seine ausnahmslos schwarze Färbung einen Fall von Bergmelanismus darstellt.

Melanistische Kreuzotter. Fundort: Zerstörtes und größtenteils aufgeforstetes Hochmoor im Allgäu. Foto: Chr. Schwerdt, 13.06.11.

Bisher ausgeblendet wurden die beiden Faktoren Bodenbeschaffenheit und Bodenreaktion. Bei einigen Tierarten ist zu beobachten, dass sie z. B. kalkhaltige Böden mit schwach saurer bis basischer Reaktion bevorzugen. Ein Beispiel wäre der oben bereits erwähnte Alpensalamander, welcher vorwiegend in den nördlichen Kalkalpen vorkommt und Gebiete mit sauer verwitterndem Silikatgestein eher selten besiedelt. Es ist allerdings keineswegs klar, ob diese Vorliebe der Art nicht doch auf den Faktor Wasser zurückzuführen ist, da die nördlichen Kalkalpen erheblich niederschlagsreicher als die silikatischen Zentralalpen sind. Der Alpensalamander bevorzugt jedenfalls für seine Aktivitätsphasen eine hohe relative Luftfeuchtigkeit von mindestens 85%. Eindeutig nachzuweisen und gut im Gelände zu demonstrieren ist hingegen die Vorliebe vieler Pflanzen für eine bestimmte Bodenbeschaffenheit oder Bodenreaktion. Das Wald-Schaumkraut (Cardamine flexuosa) bevorzugt zum Beispiel Gley, einen grundwasserbeeinflussten Bodentyp, welcher häufig am Grund kleiner Bachtälchen auftritt. Tritt das Wald-Schaumkraut gehäuft auf, können von seinem Vorkommen aus Rückschlüsse auf den Bodentyp getroffen werden. Chardamine flexuosa ist demnach eine Zeigerpflanze und da sie den Bodentyp Gley anzeigt, ist sie ein Gleyzeiger.

Kalkzeiger und Säurezeiger sind Pflanzen, die Vorlieben für eine bestimmte Bodenreaktion haben. Ein sehr gutes Beispiel für einen Säurezeiger ist die Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa). Sie zeigt ihre besten Wuchsleistungen auf Böden mit pH-Werten um 4 und ist demnach  ausgesprochen säureliebend (acidophil). Auf neutralen oder basisch reagierenden Böden ist die Wuchsleistung der Drahtschmiele hingegen stark reduziert. Das Wald-Bingelkraut Mercurialis perennis gedeiht hingegen nur bei pH-Werten über 6, da es unterhalb dieses Wertes nicht mehr in der Lage ist, Ammonium (NH4) aufzunehmen. Da Ammonium für die Pflanze ein überlebenswichtiger Nährstoff ist, kann das Wald-Bingelkraut auf stark sauer reagierenden Böden nicht existieren. Auf schwach sauer bis basisch reagierenden Böden auf Kalkgestein gedeiht es hingegen besonders gut. Mercurialis perennis ist daher ein typischer Kalkzeiger.

Das Waldbingelkraut Mercurialis perennis kommt in verschiedenen Laubwaldgesellschaften vor, die in der Regel auf Kalkgestein stocken. Foto: Chr. Schwerdt, 10.06.11.

3. Biotische Faktoren

Biotische Faktoren ergeben sich aus Wechselwirkungen zwischen Organismen und betreffen alle Mitglieder eines Ökosystems. Die biotischen Wechselwirkungen Prädation, Parasitismus und Konkurrenz wurden bereits oben erwähnt. Grundsätzlich ist bei Beschäftigung mit biotischen Wechselwirkungen zwischen Probiosen und Antibiosen zu unterscheiden. Probiosen sind biotische Wechselwirkungen zwischen zwei Arten, bei denen mindestens ein Partner von der Wechselwirkung profitiert und für keinen der beiden Partner ein negativer Effekt besteht. Bei Antibiosen besteht ein negativer Effekt für eine der beiden beteiligten Arten.

Wichtige und verbreitete Probiosen sind zum Beispiel Symbiose, Kommensalismus und Metabiose. Bei einer Symbiose besteht eine Wechselwirkung zwischen zwei Arten, die sich für beide Interaktionspartner vorteilhaft auswirkt. Ein besonders häufiges und bekanntes Beispiel für eine Symbiose ist die Bestäubung von Blüten durch Tiere. Beim Kommensalismus besteht eine Lebensgemeinschaft zwischen zwei artverschiedenen Organismen, welche keinem Interaktionspartner schadet, jedoch nur einem Interaktionspartner nützt. Der profitierende Interaktionspartner wird als Kommensale (lat: "Tischgenosse") bezeichnet, der nicht profitierende als Wirt. Ein gutes Beispiel für Kommensalismus sind Zünsler (Eine Gruppe von Schmetterlingen), die ihr komplettes Leben im Fell von Faultieren verbringen und dort von Hautschuppen der Faultiere und Cyanobakterien leben, welche das Fell ebenfalls besiedeln.

Eine Metabiose ist ein Verhältnis von zwei verschiedenen Arten, bei der eine Art von der anderen überaus stark abhängig ist, da sie ihr lebensnotwendige Ressourcen bereitstellt. Ein bekanntes Beispiel für eine Metabiose aus Mitteleuropa ist das Abhängigkeitsverhältnis der Vogelarten Hohltaube und Raufußkauz von den Bruthöhlen des Schwarzspechtes. Sind keine Schwarzspechthöhlen vorhanden, so mangelt es Raufußkauz und Hohltaube an Nistmöglichkeiten. Sie sind dann im Wesentlichen auf Nistkästen angewiesen.

Wichtige und verbreitete Antibiosen sind zum Beispiel Parasitismus, Konkurrenz und Prädation. Der Parasitismus ist eine biotische Wechselwirkung zwischen zwei artfremden Organismen, von der nur ein Organismus profitiert. Der profitierende Organismus wird als Parasit, der andere als Wirt bezeichnet. Im Gegensatz zum Kommensalismus erleidet der Wirt beim Parasitismus Schaden, indem ihm wichtige Ressourcen entzogen werden. Diese Ressourcen ermöglichen dem Parasiten Überleben und Fortpflanzung. Eine Wirt-Parasit-Beziehung wird auch als Parasitose bezeichnet. Bei Parasiten ist zwischen Hemiparasiten und Holoparasiten zu unterscheiden. Ein Hemiparasit oder Halbschmarotzer ist eine Pflanze, welche an einer anderen Pflanze parasitiert und ihr organische Stoffe, Wasser und Nährsalze entzieht. Dazu wächst sie mit speziellen Saugorganen, den Haustorien, in den Sproß oder die Wurzel des Wirtes ein und entnimmt ihm dann die benötigten Stoffe. Dieser Vorgang ist für den Wirt in den meisten Fällen mit einem Fitnessnachteil verbunden. Daneben ist der Hempiparasit aber noch in der Lage, Photosynthese zu betreiben und kann damit immerhin noch einen Teil seines Energiebedarfes selbstständig decken. Ein in Mitteleuropa verbreiteter Hemiparasit ist der Wiesen-Wachtelweizen (Melampyrum pratense), welcher mit seinen Haustorien an den Wurzel verschiedener Waldbäume oder an Heidelbeeren parasitiert.

Holoparasiten sind Pflanzen, die nicht mehr zur Photosynthese befähigt sind und dementsprechend kein Blattgrün besitzen. Wie die Hemiparasiten verfügen sie jedoch über Haustorien, mit denen sie dem Wirt alle benötigten Stoffe entziehen. Die unten abgebildete Blutrote Sommerwurz (Orobanche gracilis) ist ein Holoparasit, der mit seinen Haustorien in die Wurzeln von Lippenblütlern (z. B. Klee, Gattung Trifolium) einwächst.

Die Blutrote Sommerwurz ist ein typisches Beispiel für einen Holoparasiten unter den Blütenpflanzen. Foto: Chr. Schwerdt, 15.06.11.

Auch unter den Tieren sind Parasiten verbreitet. In der Zoologie wird jedoch jedoch nicht von Hemi- und Holoparasiten gesprochen. Bekannte Beispiele für  Parasiten unter den Tieren sind die Echten Bandwürmer (Eucestoda), welche erwachsene Tiere (Adulti) im Darm verschiedener Wirbeltiere leben und bei diesen Gewichtsverlust hervorrufen können, wenn sie massenhaft auftreten. Konkurrenz bezeichnet den Wettbewerb zwischen Lebewesen um Raum, Ressourcen wie Licht oder Nahrung oder Requisiten wie Brutmöglichkeiten. Konkurrenz kann zwischen artfremden Organismen oder innerhalb einer Art stattfinden. Bei Konkurrenz zwischen artfremden Organismen spricht man von interspezifischer, bei einer solchen zwischen Angehörigen einer Art von intraspezifischer Konkurrenz. Konkurrenz um Licht findet im Wald sowohl zwischen verschiedenen Waldbaumarten als auch zwischen Exemplaren einer einzigen Baumart statt. Zwischen den Bäumen im Wald herrscht folglich sowohl interspezifische, als auch intraspezifische Konkurrenz. Die Vogelarten Raufußkauz und Hohltaube, welche oben bereits erwähnt worden sind, stehen im Wettbewerb um die vom Schwarzspecht angelegten Bruthöhlen, auf die sie angewiesen sind. Sie stellen dem entsprechend ein Beispiel für interspezifische Konkurrenz unter verschiedenen Tierarten dar. Eine Singvogelart, das Braunkehlchen, nistet in feuchtem, extensiv genutztem Grünland. Jedes Männchen muß im Frühjahr eine erhöhte Position, z. B. die Spitze eine robusten Pflanze, im Gelände besetzen, um sein Revier erfolgreich zu behaupten. Die Männchen konkurrieren in der Brutperiode um diese Singwarten.

Die Prädation ist eine Räuber-Beute-Wechselbeziehung, welche sich meistens zwischen artfremden Organismen abspielt. Ein Interaktionspartner in der Räuber-Beute-Wechselbeziehung ist der Räuber oder Prädator. Der Räuber nutzt den anderen Interaktionspartner, die Beute, als Nahrung und tötet ihn dabei. Für die Beute hat dies zur Konsequenz, dass die fittesten Exemplare einer Beutepopulation überleben, da sie gegenüber dem Räuber erhöhte Entkommenschancen besitzen. Räuber haben auf eine Beutepopulation besonders dann Auswirkungen, wenn die Beuteorganismen unter Nahrungsknappheit leiden oder die Beschaffenheit des Lebensraumes ungünstig ist. Räuber besitzen verschiedene Jagdstategien. Man unterscheidet zum Beispiel Jäger, Lauerer und Sammler. Der Eisvogel ist ein Jäger (Sturzflugjäger), welcher sich von einer erhöhten Sitzwarte (Zweig) auf seine Beute, kleine Fische in einem unterhalb gelegenen Gewässer herabstürzt. Die heimische Gottesanbeterin Mantis religiosa ist ein Lauerer, welcher sich in der Vegetation aufhält, regunglos verharrt und auf vorbeikommende Insekten wartet. Watvögel (Limikolen), die im Schlickwatt herumlaufen und dabei ständig nach kleinen Wirbellosen stochern, sind Sammler.

Glossar

Herpetologe - Wissenschaftler, welcher sich mit der Biologie von Amphibien und Reptilien beschäftigt.

Literatur

Art. Kommensalismus, in: Lexikon der Biologie, Band 5 - Freiburg: Herder, S. 78-79.

Art. Melanismus, in: Lexikon der Biologie, Band 5 - Freiburg: Herder, S. 383.

ELLENBERG, Heinz (1996): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. - Stuttgart: Ulmer.

KRATOCHWIL, Anselm & SCHWABE, Angelika (2001): Ökologie der Lebensgemeinschaften. - Stuttgart: Ulmer.

NÖLLERT, Andreas & NÖLLERT, Christel (1992): Die Amphibien Europas. - Stuttgart: Kosmos.

Kontakt

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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 25. Juni 2014 um 11:47 Uhr