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40 Fragen zur Geobotanik mit Antworten

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Gemischte Fragen zur Geobotanik mit Antworten

1. Einleitung

Katalog überwiegend selbstkonstruierter "Klausurfragen" zur Vegetationskunde und Pflanzenökologie, mit dem ich für die Klausur des G-Blocks "Geobotanik"  an der Ruhr-Universität-Bochum und später für meine mündliche Modulabschlußprüfung im Master of Education gelernt habe. Die Literatur, welche ich für die Recherche der Antworten verwendet habe, ist unter 3. aufgeführt. Für die Richtigkeit dieser Antworten übernehme ich keine Garantie, stehe jedoch für Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. zur Verfügung.

 

2. Fragenkatalog mit Antworten

1. Nennen Sie drei typische Ersatzgesellschaften des Waldes in Mitteleuropa! Wie kommen solche Ersatzgesellschaften zustande?

Mögliche Antworten:

  • Glatthaferwiesen
  • Montane Goldhaferwiesen (Harz)
  • Calluna-Heiden (z.B. Lüneburger Heide)
  • Mesobrometen (Kalk-Halbtrockenrasen)

Zurückdrängung des Waldes durch Rodung. Anschließend Mahd, Umbruch oder Beweidung, außerdem (bei Heideflächen) regelmäßiges Abplaggen und Abbrennen.

 

2. Wie läßt sich die dominante Rolle der Rotbuche in Mitteleuropa erklären?

Die Rotbuche zeigt gute Wuchsleistungen auf Böden unterschiedlichster pH-Werte, sofern ansonsten mesophile Bedingungen herrschen. Sie ist als Schattbaumart in der Lage, sich im eigenen Bestand oder unter Pionierhölzern zu verjüngen. Auf montanen und subalpinen Standorten kann sie sich durch Säbelwuchs gegen Geröllwurf und Wind behaupten.

 

3. Welche Standortbedingungen zeigen Ihnen folgende Pflanzenarten an?

  • Primula veris -  Basophyt, eher trockenheitsliebend
  • Mercurialis perennis -  Basophyt
  • Luzula luzuloides  - Säurezeiger, nicht säureliebend
  • Carex remota -  Feuchte, verdichtete Böden
  • Salicorina europea agg.  - "Echter" Halophyt

 

4. Nennen Sie 3 Merkmale der Gattung Carex!

Mögliche Antworten:

  • Stengel dreikantig, markig
  • Stengel ohne Knoten
  • Frucht von Schlauch eingehüllt
  • Tragblätter überragen nur selten den Blütenstand

 

5. Nennen Sie eine typische montane Grünlandgesellschaft des Harzes und Ihre Charakterarten! Welcher Aspekt ist hier Anfang Juni zu erwarten?

Die Bärwurz-Rotschwingel-Ges. ist in montanen Harzlagen typisch, zum Beispiel im NSG "Bergwiesen" bei St. Andreasberg. Anfang Juni ist für diese Gesellschaft vom Polygonum-bistortae-Aspekt auszugehen.

 

6. Warum überaltern Calluna-Heiden häufig bei den heute üblicherweise durchgeführten Naturschutzmaßnahmen? Welche Maßnahmen wären zusätzlich notwendig?

Durch Beweidung allein erfolgt keine ausreichende mechanische Schädigung und anschließende Naturverjüngung von Calluna vulgaris. Nötig wäre stattdessen regelmäßiges Abplaggen von Heideflächen, d.h. Abtragung von Heidebodensoden. Anschließend Keimung kleiner Calluna-Pflanzen auf den vegetationsfreien, geschädigten Stellen.

 

7. Nennen Sie drei Zeigerpflanzen, welche auf einen erhöhten Stickstoffeintrag am Standort schließen lassen!

Mögliche Antworten z.B.:

  • Urtica dioica
  • Geum urbanum
  • Impatiens noli-tangere
  • Cirsium arvense
  • subalpin: Veratrum album (z.B. in Lägerfluren)

 

8. Was verstehen Sie unter dem Begriff "Orobiom"?

Unter einem Orobiom versteht man die Abwandlung eines bestimmten Zonobioms mit zunehmender Meereshöhe. Neben den Arten können sich Lebensform- und Wuchsformenspektrum ändern.

 

9. Welches Orobiom tritt in den subalpinen Lagen des tropischen Zonobioms auf verschiedenen Kontigenten konvergent auf?

Wollkerzenschopfbaumformationen

 

10. Welches Lebensformenspektrum kennzeichnet die temperate Zone (Angaben in %)?

 

11. Definieren Sie die Begriffe "Flora" und "Vegetation"!

Flora: Gesamtheit der Pflanzensippen in einem Untersuchungsgebiet.

Vegetation: Gesamtheit der Pflanzengesellschaften in einem Untersuchungsgebiet.

 

12. Welche Rolle spielen sog. Hilfspigmente für die Photosynthese?

Hilfspigmente wie Carotinoide absorbieren das Sonnenlicht in einem Bereich um 500 nm und sind damit in der Lage, die "Grünlücke" aussserhalb des Absorptionsspektrums der Chlorophylle a und b teilweise auszugleichen, obschon ihre energetische Effizienz geringer ist als jene der Chlorophylle.

 

13. Welches für hochmontane und subalpine Standorte typisches Phänomen haben sie auf dem Kahlen Asten bei Picea abies beobachten können? Wie kommt dieses Phänomen zustande?

Kindelbildung. Zweige einer bis zum Boden beasteten Fichte werden im Winter durch Schnee auf den Boden gedrückt , bewurzeln, schließlich entsteht ein Ableger ("Kindel").

 

14. Können Pflanzen die von der Erdoberfläche abgegebene Strahlung für die Photosynthese nutzen?

Nein, da die Erde ausschließlich langwellige Strahlung im Bereich von 3000 bis 100000nm abgibt. Pflanzen können nur sichtbares Licht im Bereich von 380 bis 780nm für die Photosynthese nutzen.

 

15. Welche Kraft verleiht Pflanzen die Fähigkeit, Wasser aus dem Boden aufzunehmen?

Die Saugspannung. Ist das Wasserpotential innerhalb einer Pflanze niedriger als jenes im Boden, so dringt Bodenwasser in die Pflanze ein, da es einen Ausgleich des osmotischen Konzentrationsgefäles zwischen Boden und Pflanze anstrebt.

 

16. Definieren Sie die Begriffe "Charakterart" und "Trennart"!

Charakterart: Sippe, deren natürliches Vorkommen vorwiegend auf eine Pflanzengesellschaft beschränkt ist, oder die hier jedenfalls ihren Verbreitungsschwerpunkt besitzt.

Trennart: Trennarten können zwar in mehreren Pflanzengesellschaften vorkommen, ihr Vorkommen, bzw. Fehlen ermöglicht es jedoch, nach Charakterarten eingeteilte Assoziationen in Varianten bzzw. Subassoziationen einzuteilen. Diese Einteilung kann für alle syntaxonomischen Rangstufen angewendet werden, zum Beispiel auch für die Einteilung von Verbänden in Unterverbände.

 

17. a) Was verstehen Sie unter Epiphyllen?

Unter Epiyphyllen versteht man Pflanzen, die an der Oberfläche von Blättern wachsen (z.B. Lebermoose, Laubmoose oder Arten der Gattung Selaginella).

b) Welche Bedingungen müssen gegeben sein, damit Epiphylle auf einem Blatt gedeihen können?

  • Langlebigkeit des Blattes
  • Benetzbarkeit des Blattes
  • ausreichende Beleuchtung

 

18. Welcher Stoffwechselweg ermöglicht es Pflanzen, an trockenen Standorten übermäßigem Wasserverlust durch Transpiration zu entgehen? Bei welchen Pflanzenfamilien ist dieser Weg häufig anzutreffen?

Der CAM-Stoffwechselweg. Nächtliche Aufnahme von CO2 durch die Stomata, Bindung an PEP, Fixierung als Oxalacetat und schließlich als Malat. Tagsüber Stomata geschlossen, Transport des Malats zum Chloroplasten, Mobilisierung des CO2s und schließlich seine Einspeisung in den Calvin-Zylklus. Häufig bei Cactaceaen und Crassulaceaen.

 

19. Welches Orobiom des nemoralen Zonobioms ist auf der folgenden Abbildung zu erkennen?

Krummholz, hier Rhododendro hirsuti - Pinetum mugi.

 

20. Kennzeichnen Sie das boreale Zonobiom im Hinblick auf seine zonale Formation! 

Borealer Nadelwald und Hochmoore; Orobiom: Gebirgstundra

 

21. Kennzeichnen Sie die im Folgenden getroffenen richtigen Aussagen zum Lebensraum Hochmoor!

a) Aufgrund der schlechten Kohlenstoffverfügbarkeit im Hochmoor treten Pflanzen mit CAM-Stoffwechsel hier vergleichsweise häufig auf.

b) Sphagnum magellanicum tritt im Harz als Charakterart der Hochmoore auf.

c) Hochmoore sind vorwiegend in humiden Gebieten zu finden, da sie ihr Moorwasser ausschließlich aus Niederschlägen beziehen.

d) Molinia caerulea ist in teilweise abgetorften Mooren ein typischer Störungszeiger.

e) Die Hochmoore des Harzes zählen heute zu den am besten erhaltenen Mitteleuropas

f) Bei fortschreitender Sukzession bilden sich aus Hochmooren Rostseggenrasen als Klimaxgesellschaft

g) Hochmoore im niederschlagsreichen Zwischenharz sind heute einer der bedeutendsten Laichplätze des Auerhahns.

 

Richtige Antworten: b), c), d) und e)

 

22. Was verstehen Sie unter einem Chalkophyten?

Unter einem Chalkophyten versteht man eine schwermetalltolerante Pflanzensippe (Anderer Ausdruck: Metallophyt).

 

23. Was ist Podsol?

Beim Podsol handelt es sich um einen sauer reagierenden Bodentyp, der sich oftmals im borealen Zonobiom herausbildet, aber z.B. auch in den norddeutschen Heidegebieten vorkommt. Unter einer reichlichen Rohhumusauflage findet man einen bleichen Auswaschungshorizont und darunter einen Anreicherungshorizont, in welchen sich Eisen-und Aluminiumhydroxide im Laufe der Zeit verlagern.

 

24. a) Worauf beruht die schlechte Eisenverfügbarkeit in basisch reagierenden Böden und welche Strategie haben Pflanzen entwickelt, sie zu verbessern?

In einem alkalischen Milleau liegt Eisen nicht als Fe2+ oder Fe3+-Ion vor. Stattdessen bildet sich Eisenhydroxyd und aus diesem wasserunlösliches Eisenoxid. Basophyten können Chelatbildner ausscheiden, um Fe3+ als Chelatkomplex in Lösung zu halten.

b) Welche Probleme können Acidophyten bei Aufkalkung ihres Standortes erlangen?

Acidophyten wie Deschampsia flexuosa laufen im Alkalischen Gefahr, an Eisenchlorose zu leiden.

 

25. Wodurch unterscheiden sich homoihydre und poikilohydre Pflanzen?

Homoihydre Pflanzen: Wasseraufnahme meist über die Wurzel, verfügen über eine Vakuole, verhältnismäßig unabhängig vom Wassergehalt der Umgebung.

Poikilohydre Pflanzen: Wasseraufnahme durch die Wurzel und über Quellung, keine Vakuole, Zellwand ohne Cutin und Suberin, erlangen keine irreversiblen Schäden durch Austrocknung, Abhängig vom Wassergehalt der Umgebung.

 

26. Wie schützt das Borstgras Nardus stricta im Winter seine Erneuerungsknospen?

Nardus stricta bildet um seine Erneuerungsknospen einen dichten Horst abgestorbener Blätter. Auf diese Weise erreicht es Gefrierverzögerung durch Abschirmung.

 

27. Welche Parameter beeinflussen die Wärmeleitfähigkeit des Bodens?

Die Wärmeleitfähigkeit steigt mit der Bodenfeuchtigkeit.

 

28. a) Durch welche Eigenschaften beeinflußt der Boden die Zusammensetzung der Vegetation?

Der Boden beeinflußt die Zusammensetzung der Vegetation durch Nährstoffgehalt, Wasserversorgung, Durchlüftung und pH-Wert.

b) Wie können Pflanzen Einfluß auf die Bodenentwicklung nehmen?

Pflanzen können die Bodeneigenschaften durch Förderung der Verwitterung, Abgabe von H+-Ionen, mechanische Lockerung und die Qualität der abgegebenen Streu beeinflussen.

 

29. Wie ermitteln Sie die erforderliche Flächengröße für eine pflanzensoziologische Aufnahme nach Braun-Blanquet?

Mit einer Minimumarealkurve. Zurnächst wird eine Fläche von geringer Größe (z.B. 1qm) abgesteckt, alle vorkommenden Pflanzensippen werden ausgezählt und notiert. Die Auszählungfläche wird danach solange schrittweise vergrößert, bis sich die Artenzahl bei weiterer Vergrößerung nur noch sehr geringfügig ändert. Die nun erreichte Fläche bezeichnet das Minimumareal für eine Vegetationsaufnahme nach Braun-Blanquet für diesen Vegetationstyp.

 

30. Nennen Sie eine Besonderheit urbaner Wälder!

In urbanen Wäldern ist vermehrt mit Neophyten zu rechnen. Beispiel: Acer negundo

 

31. Unter welchen Bedingungen ändert sich die Wuchsform einer Pflanzensippe?

Die Wuchsform einer Pflanzensippe ist genetisch determiniert und kann sich nicht ändern (im Gegensatz dazu ist die Änderung der Lebensform u.U. möglich).

 

32. a) Was versteht man unter einem Apophyten?

Unter einem Apophyten versteht man eine ursprünglich indigene Pflanzensippe, welche ihr Areal zumindest teilweise auf anthropogen beeinflußte Standorte ausgedehnt hat und dort ihren rezenten Verbreitungsschwerpunkt besitzt.

b) Welchen Apophyten haben Sie als Bestandteil der Dorfflora im Exkursionsgebiet Harz kennengelernt?

Chenopodium bonus-henricus

 

33. Welche anatomischen Besonderheiten kann man bei Sippen des Tropischen Tieflandregenwaldes finden? Nennen Sie drei Beispiele!

Mögliche Antworten:

  • Kauliflorie
  • Träufelspitzen
  • Schüttellaub
  • Brettwurzeln
  • Keine Knospenbildung, stattdessen erscheint zuerst die Blattspitze

 

34. Charakterisieren Sie das arktische Zonobiom im Hinblick auf sein Lebensformenspektrum (Angaben in %)!



35. Wie kann man nährungsweise das Wasserpotential des Bodens bestimmen?

Mit der SCHOLANDER-Bombe. Ermittelt man anhand eines Blattes oder Zweiges unter Trockenstress das Wasserpotential des Bodens, da die Pflanze genau dann zu welken beginnt, wenn ihr Wasserpotential so negativ wird wie das des Bodens.

 

36. Warum stellt die Grünlücke des Absorptionsspektrums der Chlorophylle im Hinblick auf das Spektrum des Sonnenlichtes ein Paradoxon da?

λmax des Sonnenlichtes bei ca. 500nm (grünes Licht).

 

37. Nennen Sie die zonale Formation des meridionalen Zonobioms und sein typisches Orobiom!

Zonale Formation: Hartlaubwälder

Orobiom: Igelpolsterfluren

 

38. a) Was verstehen Sie unter einem Plutonischen Gestein?

Bei einem Plutonischen Gestein handelt es sich um einen Magmatit, welcher in großen Tiefen der Erdkruste erstarrt (Beispiel: Granit).

b) Woran kann man ein Plutonisches Gestein im Gelände erkennen?

Plutonite sind grobkörnig, d.h. sie bilden große Kristalle, da sie aufgrund der hohen Umgebungstemperaturen nur langsam auskühlen.

 

39. Wie hat sich die zonale Vegetation des Mittelmeerraumes durch das Eingreifen des Menschen verändert?

Vor der neolithischen Revolution waren im Mittelmeerraum Steineichenwälder (Quercetum ilicis) mit reichhaltiger Krautschicht verbreitet. Durch Übernutzung seit Beginn der Landwirtschaft haben sich an vielen Stellen niedrigere Hartlaubgehölzformationen oder als Niederwald genutzte Steineichenwälder (Maccie) als Ersatzgesellschaft herausgebildet. Bei Brand und Überweidung können diese zu offenen Gesellschaften (Garrigue) weiterdegradieren. Hier findet man dann vorwiegend Geophyten und Therophyten.

 

40. Wie kommt das pflanzliche Wasserpotential zustande?

Das pflanzliche Wasserpotential Ψ ist die Differenz aus dem osmotischen Potental Π und dem Turgordruck p. Es ergibt sich daher: Ψ=p-Π.

 

3. Literatur

ELLENBERG, Heinz: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht, Stuttgart 1996.

HOFMEISTER, Heinrich: Lebensraum Wald, Remagen 2004.

WALTER, Heinrich  & BRECKLE, Sigmar-Walter: Vegetation und Klimazonen, Stuttgart 1999.

 

4. Weiterführende Links

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Zuletzt aktualisiert am Montag, den 27. August 2012 um 02:02 Uhr