Christopher Schwerdts Molch- und Salamanderseite!

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Cynops - Asiatische Feuerbauchmolche

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Einführung in die Biologie der Molchgattung Cynops (TSCHUDI 1838) sowie Anmerkungen

zur Haltung und Nachzucht im Aquarium

1. Einleitung

Die asiatischen Feuerbauchmolche der Gattung Cynops sind in Europa vor allem als Heimtiere bekannt. Dem entsprechend hat es in den letzten Jahrzehnten einige interessante Publikationen zu diesen asiatischen Salamandriden gegeben (z.B. BACHHAUSEN 1998, BACHHAUSEN 2003a,b & c, FRANZEN & FRANZEN 2005). Ihr inhaltlicher Schwerpunkt liegt meist in Hinweisen zu Haltung und Nachzucht, außerdem in Anmerkungen zu Morphologie und Verhalten.

Unsere Kenntnisse über Systematik, Verbreitungsgebiete und Phänologie der einzelnen Cynops-Arten sind unterschiedlich und im allgemeinen für die japanischen Arten besser untersucht (FRANZEN & FRANZEN 2005). Der Sammlung und Aufbereitung feldherpetologischer Kenntnisse stehen enorme sprachliche und räumliche Barrieren gegenüber. Immerhin zu inneren und äusseren Systematik der Gattung sind mittlerweile eine Anzahl deutsch- und englischsprachiger Puplikationen verfügbar (z. B. SCHOLZ. 1995, SCHOLZ 2002, ZHANG et al. 2008). Aufgabe des vorliegenden Berichtes ist es, einen Überblick zur akutuellen Systematik, Morphologie, Verhalten, Haltung und Nachzucht von Cynops zu geben. Eine Auswahl für die Erforschung der Gattung relevanter Literatur soll in kompakter Form zusammengefasst und, soweit möglich, durch eigene Beobachtungen und Erfahrungen im langjährigen Umgang mit Gattungsvertretern ergänzt werden.

2. Äussere und innere Systematik

Die Gattung Cynops zählt zur Familie der echten Salamander und Molche, den Salamandridae. Gemeinsam abgeleitete morphologische Merkmale der Familie sind  opisthocoele Wirbel und ihre charakteristische Bezahnung (SCHOLZ 2002). Unter opisthocoelen Wirbeln versteht man Wirbel, welche zur Massenersparniss auf der Rückseite konkav ausgehöhlt sind. Die Munddachbezahnung der Salamandriden verläuft wie ein auf dem Kopf stehendes V, daher läuft sie  von distal nach proximal zusammen und die Zahnleisten sind an der Kopfspitze am weitesten voneinander entfernt (Längszahnmolche). Schwesterngruppe der Salamandriden sind nach SCHOLZ (2002) die Ambystomatidae (Querzahnmolche).

Schon relativ früh wurde klar, dass die nächsten Verwandten von Cynops nicht unter den europäischen Wassermolchen der ehemaligen Gattung Triturus zu suchen sind. Dies wurde zurnächst aufgrund von Konvergenzen in äusser Gestalt und im Balzverhalten angenommen (vgl. FRANZEN & FRANZEN 2005). Sowohl morphologische (z.B. SCHOLZ 1995 & 2002) als auch molekulargenetische Studien (z.B. ZHANG et al. 2008) stellen die Feuerbauchmolche heute in die Nähe der asiatischen Gattungen Pachytriton, Laotriton und Paramesotriton. Die Gattung Laotriton ist hierbei monotypisch. Ihr einziger Vertreter Laotriton laoensis wurde früher zu Paramesotriton gestellt (Paul BACHHAUSEN, mdl. Mitteilung).

SCHOLZ (2002) nennt als Apomorphie für die Gruppe Pachytriton, Paramesotriton und Cynops die eigenständige schwarze Bauchzeichnung dieser Gattungen.  Paramesotriton wird weiterhin Cynops als Schwesterngruppe gegenübergestellt. Dies wird mit dem fünfeckigen Rumpfquerschnitt beider Taxa begründet sowie mit der Beschaffenheit ihrer Neuralleiste. Die Neuralleiste entsteht während der Ontogenese aus dem Ektoderm und ist Vorläuferin des Neuralrohrs der Chrodaten. Sie wird bei den beiden genannten Taxa kräftig und hoch ausgebildet und besitzt weiterhin breite Dreiecksflächen. Die Monophylie von Cynops wird schließlich wiederum mit einem Zeichnungsmerkmal begründet: Die Ventralfarbe erstreckt sich bis in den Mundwinkelboden, wo ein charakteristischer Mundwinkelfleck ausgebildet wird.

Die von SCHOLZ (1995 & 2002) aufgestellte Phylogenie der Gruppe um Cynops wird durch molekulargenetische Studien teilweise gestüzt. ZHANG et al. (2008) untersuchten vollständige mtDNA-Sequenzen der Salamandridae. Sie postulieren ebenfalls die Monophylie der Gruppe Pachytriton-Paramesotriton-Cynops, stellen allerdings Paramesotriton (incl. Paramesotriton respekt. Laotriton laoensis) Pachytriton als Schwesterntaxon gegenüber.

Abb. 1: Die nahe Verwandtschaft der ostasiatischen Molchgattungen Paramesotriton und Pachytriton mit Cynops ist sowohl molekulargenetisch als auch morphologisch gut begründet. Hier: Paramesotriton deloustali, Ventralansicht. Foto: Paul Bachhausen.

Bezüglich der inneren Systematik von Cynops ist es sinnvoll, vor Analyse der systematischen Literatur zurnächst festzustellen, welche Taxa derzeit anerkannt werden. Aktuell ist dabei von 8 Arten auszugehen (Vgl. BACHHAUSEN 2003a, FRANZEN & FRANZEN 2005, ZHANG et al. 2008, WU et alt. 2010). Es sind dies:

  • Cynops chenggongensis KOU & XING 1983
  • Cynops cyanurus LIU et al. 1962
  • Cynops ensicauda HALLOWELL 1861
  • Cynops fudingensis WU et al. 2010
  • Cynops orientalis DAVID 1873
  • Cynops orphicus RISCH 1983
  • Cynops pyrrhogaster BOIE 1826
  • Cynops wolterstorffi BOULENGER 1905

Eine neunte Art, Cynops shataukokensis FREYTAG & EBERHARD  1977, wird derzeit nicht mehr als valide angesehen und gilt gemeinhin als Synonym von Cynops pyrrhogaster (FRANZEN & FRANZEN 2005, Paul BACHHAUSEN, mdl. Mitteilung).

Innerhalb der Gattung Cynops werden heute in der Regel die beiden japanischen Arten Cynops ensicauda und Cynops pyrrhogaster den übrigen, auf dem chinesischen Festland verbreiteten Arten als Schwesterngruppe gegenübergestellt (ZHANG et al. 2008, WHU et al. 2010). Die chinesischen Gattungsvertreter stellen nach den genannten Autoren folglich ein Monophylum dar, in welchem wiederrum zwei Schwesterntaxa postuliert werden: Eine westchinesische Gruppe um Cynops cyanurus als Schwestergruppe der ostchinesischen Arten Cynops orientalis, Cynops orphicus und der erst 2010 neu beschriebenen Art Cynops fudingensis. Die genannten Arten werden unter Punkt 3. einzeln vorgestellt. Dabei soll jedoch auch auf Unterarten sowie morphologisch, biochemisch und zum Teil auch verhaltensbiologisch differenzierte Lokalformen eingegangen werden, wie sie beispielsweise bei Cynops pyrrhogaster zahlreich auftreten.

3. Beschreibung der Arten und Formen

3.1 Cynops pyrrhogaster BOIE 1826

Charakteristik: Mittelgroßer, robuster Wassermolch, welcher zwei Unterarten sowie zahlreiche morphologisch und biochemisch differenzierbare Lokalformen ausbildet (vgl. unten). Haut grob gekörnt, Parotiden stark ausgebildet. Männchen mit Schwanzsaum und häufig mit langem, Weibchen gelegentlich mit sehr kurzem Schwanzfaden. Bauchfärbung uneinheitlich, jedoch meist schwarze Flecken und Linien verschiedener Ausprägung auf orangenem bis dunkelrotem Grund. Rotanteile der Bauchfärbung im Alter verblassend (Altersmelanismus).

Verbreitung: Auf den Japanischen Hauptinseln Honshu, Shikoku, Kyushu sowie einigen kleineren Inseln.

Innere Systematik: Derzeit sind zwei Unterarten beschrieben. Neben der Nominatform ist dies Cynops pyrrhogaster sasayamae MERTENS 1969 aus dem Kinki-Gebiet von Honshu. Daneben existieren, wie bereits erwähnt, mehrere Lokalformen, welche in Zukunft möglicherweise in den Unterart- oder sogar Artrang erhoben werden könnten (vgl. FRANZEN & FRANZEN 2005). Die Unterarten und Formen werden im Folgenden vorgestellt.

3.1.1 Hiroshima-Form

Verbreitung: Shikoku, Kyushu, Südwest-Honshu. Daneben noch auf den Oki-Inseln, nördlich des Südwest-Endes von Honshu.

Beschreibung: Oberseite dunkel. Männchen mit bläulicher oder gräulicher Schwanzfärbung ähnlich Tohoku-Form. Bauchseite rot und häufig mit wenigen rundlichen Flecken, welche irregulär verteilt sind. Die Bauchfleckung kann auch gänzlich fehlen (BACHHAUSEN 2003a). Der Schwanzfaden beim Männchen ist deutlich ausgebildet.

3.1.2 Cynops pyrrhogaster sasayamae MERTENS 1969

Verbreitung: Kinki Region, West-Honshu.

Charakteristik: Bauchseite häufig mit rot-schwarzer, verworrener Netzzeichnung, seltener mit zwei geschwungenen und verschnörkelten roten Linien. Oberseite schokoladen- bis dunkelbraun. Männchen während der Paarungszeit häufig mit blauer Färbung auf dem Schwanz, seltener auch auf dem Körper. Es kommen nach eigener Beobachtung auch Weibchen mit einigen gelben, grauen oder blauen Flecken auf den Körper und Schwanzflanken vor. Der Schwanzfaden ist deutlich ausgebildet. Auch Weibchen können einen (sehr kurzen) Schwanzfaden besitzen. Die terrestrischen Jungtiere zeichnen sich häufig durch einen hellen Rückenstrich aus.

Abb. 2: bei Cynops pyrrhogaster sasayamae legt das Männchen während der Balz einen Hinterfuß auf den Rücken und später auch auf den Hals des Weibchens. Foto: Chr. Schwerdt.

Besonderheiten: Das Paarungsverhalten von Cynops pyrrhogaster, welches im einfachsten Falle jenem von Mesotriton alpestris ähnelt, ist bei dieser Unterart relativ stark abgewandelt (vgl. Abbildung 2).

Anmerkung: Dies ist die terraristisch bedeutsamste Form von Cynops pyrrhogaster, welche nach zeitweisem Importverbot (BACHHAUSEN 2003a) in den letzten Jahren wieder mehrfach in großen Stückzahlen im Zoohandel aufgetaucht ist.

3.1.3 Atsumi-Form

Verbreitung: Atsumi Halbinsel (Süd-Honshu).

Charakteristik: Relativ kleine Form (BACHHAUSEN 2003a). Roter Rückenstrich (ähnlich wie bei Cynops pyrrhogaster sasayamae-Jungtieren) sowie zwei Reihen roter Flecken und Punkte entlang der Flanken. Bauchseite unregelmäßig gefleckt ähnlich der Hiroshima-Rasse. Männchen ohne blaue Brunftzeichnung. Schwanzfaden deutlich ausgeprägt.

Besonderheiten: Nach FRANZEN & FRANZEN (2005) ausschließlich nachtaktiv und daher von anderen Lokalformen der Art ethologisch isoliert.

Anmerkung: Diese Form ist möglicherweise bereits ausgestorben (BACHHAUSEN 2003a).

3.1.4 Kanto-Form ("Kanto-Rundschwanz")

Verbreitung: Kanto-Ebene, Südost-Honshu.

Charakteristisch: Robuste, gedrungen wirkende Form mit abgerundetem Kopf und in beiden Geschlechtern relativ kurzem Schwanz, welcher beim Männchen darüber hinaus noch relativ hoch und im Vergleich mit den anderen Formen relativ abgerundet ist. Ein Schwanzfaden fehlt, der Schwanz kann jedoch im Widerspruch zum gelegentlich gebrauchten Trivialnamen mit einer sehr kurzen Spitze in der Mitte des Schwanzendes versehen sein. Oberseite dunkelgrau bis braungrau. Die Ventralseite zeichnet sich durch eine wellenförmig verlaufende, orangerote Zone in der Bauchmitte aus.

Abb. 3.: Pärchen der Nord-Kanto Form von Cynops pyrrhogaster. Diese Form ist durch zahlreiche morphologische Besonderheiten charakterisiert. Auffällig ist insbesondere ihr hoher, abgerundeter und relativ kurzer Schwanz. Sie wird in Deutschland leider nur wenig gehalten und meines Wissens auch wenig nachgezüchtet. Foto: Chr. Schwerdt

Besonderheiten: Auch diese Form zeigt ein vom "Standardmuster" abgewandeltes Paarungsverhalten. Es kommt zu einem sogenannten "Paarungsbiß", d.h. das Männchen packt das Weibchen nach Absetzen der Spermatophore für einige Sekunden im Kopfbereich. Im Gegensatz zur Schilderung von BACHHAUSEN (2003c) wurde dieses Verhalten bei meinen Tieren auch nach nicht erfolgreichen Paarungsversuchen gezeigt.

3.1.5 Süd-Kanto-Form (Kanangawa-Form)

Verbreitung: Südlicher und westlicher Teil der Kanto-Ebene (südlich von Tokio), Südost-Honshu.

Charakteristik: Ähnlich Kanto-Form, jedoch mit ausgeprägtem Schwanzfaden und prozentual zur Körpergröße etwas längerem Schwanz (BACHHAUSEN 2003c).

3.1.6 Tohoku-Form

Verbreitung: Nord-Honshu.

Chrakteristik: Relativ große Form (BACHHAUSEN 2003a). Kopf im Gegensatz zur geographisch benachbarten Nord-Kanto-Form relativ spitz zulaufend. Schwanz relativ lang, mit deutlich ausgeprägtem Schwanzfaden. Blaurote Brunftzeichnung auf dem Schwanz der Männchen schwach ausgebildet. Oberseite braungrau. Bauchfärbung ähnlich den Kanto-Formen.

Abb. 4: Etwa drei Jahre altes Pärchen der Tohoku-Form von Cynops pyrrhogaster aus dem Bestand des Verfassers. Das Männchen zeigt eine charakteristische bläuliche Brunftfärbung auf dem Schwanz, welche in ihrer Intensität allerdings nicht an jene von C. p. sasayamae heranreicht. Foto: Chr. Schwerdt.

3.2 Cynops ensicauda HALLOWELL 1861

Charakteristik: Mittelgroßer bis großer, robust wirkender Wassermolch. Adulte Weibchen bis 18cm Gesamtlänge (FRANZEN & FRANZEN 2005). Männchen erheblich kleiner. Oberseite dunkelbraun bis schwarz, je nach Unterart mit heller Körnung oder Flecken unterschiedlichen Charakters. Unterseite orange mit  schwarzen Flecken oder mit zwei mehr oder weniger unterbrochenen schwarzen Linien. Parotiden weniger stark hervortretend als bei Cynops pyrrhogaster. Haut weniger rauh als bei Cynops pyrrhogaster, jedoch nicht so glatt wie bei Cynops orientalis.

Verbreitung: RyuKyu-Archipel (Inselgruppen von Amami und Okinawa).

Innere Systematik: Derzeit werden zwei Unterarten unterschieden. Cynops ensicauda ensicauda HALLOWELL 1861 von der Amami Inselgruppe und Cynops ensicauda popei INGER 1947 von der weiter südlich gelegenen Okinawa-Inselgruppe. Vorstellung der beiden Unterarten in 3.2.1 und 3.2.2.

3.2.1 Cynops ensicauda ensicauda HALLOWELL 1861

Verbreitung: Amami-Inselgruppe.

Abb. 5: Cynops ensicauda ensicauda (1,1). Foto: Chr. Schwerdt.

Charakteristik: Von den Parotiden aus verlaufen bei den meisten Exemplaren zwei gelbe oder orangene Längsstreifen parallel zur Wirbelsäule an den Rückenseiten entlang. Diese Längstreifen können unterbrochen sein, wie es bei dem oben abgebildeten Paar der Fall ist. An den Flanken ist bei vielen Exemplaren eine weiße bis gräuliche feine Körnung auf schwarzem bis dunkelbraunem Grund ausgeprägt. Männchen während der Paarungszeit mit silbrig-bläulicher Schwanzfärbung. Schwanzende zugespitzt, aber ohne Faden.

Anmerkungen: Über die morphologischen Merkmale hinaus liegt zwischen beiden Unterarten auch eine biochemische Differenzierung vor (vgl. FRANZEN & FRANZEN 2005). Über eine verhaltensbiologische Differenzierung der beiden Formen scheint hingegen bisher nichts bekannt geworden zu sein.

3.2.2 Cynops ensicauda popei INGER 1947

Verbreitung: Okinawa-Inselgruppe

Abb. 6: Etwa ein Jahr altes Jungtier von Cynops ensicauda popei. Man beachte die silbrigen Flecken an der Flanke und die roten, unterbrochenen, von der Parotide ausgehende Linie. Foto: Paul Bachhausen.

Charakterisik: Von den Parotiden aus verlaufende Längstreifen häufig dunkelorange bis rot, unterbrochen oder auch fehlend. Oberseite meist schwarz. Flanken häufig mit unregelmäßig geformten und unregelmäßig verteilten silbrigen Flecken bedeckt. Diese Flecken können im Alter an Kontrast verlieren (FRANZEN & FRANZEN 2005). Brunftfärbung auf dem Schwanz beim Männchen fehlend.

3.3 Cynops orientalis DAVID 1873

Abb. 7: Cranialansicht eines adulten Männchens von Cynops orientalis. Man beachte die in der Schnauzenregion gehäuften, hellgrauen Rezeptorgruben, welche bei dieser Art üblicherweise gut erkennbar sind. Foto: Chr.Schwerdt.

Charakteristik: Kleiner, jedoch gedrungen wirkender Wassermolch. Gesamtlänge höchstens 10cm (FRANZEN & FRANZEN 2005), meist jedoch darunter. Oberseite schwarz oder grau, Schwanz zuweilen dunkelgrau und oberseits mit einer Reihe rundlicher schwarzer Flecken. Schwanz weiterhin relativ kurz, Schwanzende stumpf. Verwaschene rötliche oder orangene Flecken auf den Flanken kommen selten vor. Bauchseite orange bis rot und mit unregelmäßig verteilten, dunklen Flecken, die selten auch so verwachsen sein können, dass nur eine rote Line in der Bauchmitte übrig bleibt, welche in Richtung der Körperflanken zahlreiche Ausbuchtungen und Schnörkel ausbildet. Kopfbereich mit einer Anzahl regelmäßig verteilter, hellgrauer Rezeptorgruben. Parotiden schwach ausgebildet. Haut relativ glatt.

Verbreitung: Ostchina, vor allem in den Provinzen Zhejiang und Anhui. Eine aktuelle Verbreitungskarte liefern WU et al. (2010).

Innere Systematik: Derzeit sind keine Unterarten beschrieben. FRANZEN & FRANZEN weisen allerdings auf eine gewisse Variabilität der innerartlichen Färbungsparameta hin. Nach eigenen Beobachtungen sind die Tiere jedoch in der Lage, die Farbe ihrer Oberseite innerhalb kurzer Zeit zu wechseln und damit oberseits entweder schwarz oder gräulich zu erscheinen. Dieses Phänomen wird von Paul BACHHAUSEN (mdl. Mitteilung) bestätigt.

WU et al. (2010) stellten mithilfe von mtDNA-Analysen fest, dass die von ihnen untersuchten Cynops orientalis-Populationen eine beachtliche molekulare Variabilität aufwiesen. Die genetische Differenz innerhalb der Artvertreter war höher als jene zwischen Cynops orientalis und Cynops fudingensis. Cynops orientalis ist somit möglicherweise paraphyletisch.

3.4 Cynops orphicus RISCH 1983

Charakteristik: Kleiner bis mittelgroßer Wassermolch, höchste bekannte Gesamtlänge nach BACHHAUSEN (2003a) 11,59cm bei einem adulten Weibchen. Oberseite  braun, Ventralseite dunkel mit einem zentralen orangenen Band, das zu den Flanken hin zahlreiche schnörkelige Ausläufer bildet. Diese Bauchzeichnung konnte ich auch bei einigen Exemplaren von C. orientalis beobachten (vgl. oben).

Verbreitung: Süd-China: Umgebung von Dayang, Shantou Region, Provinz Guangdong (BACHHAUSEN 2003a).

Innere Systematik: Unklar. In der untersuchten Literatur habe ich nichts über Unterarten oder Lokalformen dieser Art gefunden. WU et al. (2010) untersuchten Vertreter dieser Art von zwei Standorten. Ihr Ergebnis stützt die Monophylie der Art, jedoch ist die Systematik der Gruppe Cynops orientalis-Cynops orphicus-Cynops fudingensis aufgrund der möglichen Paraphylie von C. orientalis noch nicht abschließend geklärt (vgl. oben).

3.5 Cynops fudingensis WU et al. 2010

Charakteristik: Kleiner Wassermolch. Gesamtlänge für gewöhnlich geringer als 10cm (WU et al. 2010). Oberseite bräunlich-gelb mit einer hellen, meist orangenen  Rückenlinie. Unterseite orange, im Unterschied zu den beiden vorangegangenen Arten fleckenlos oder mit wenigen Flecken z.B. in der Kehlregion. Schwanz gelegentlich mit einigen unregelmäßigen dunklen Flecken. Haut rauher als bei Cynops orientalis. Parotiden schwach ausgebildet.

Verbreitung: Südost-China. Umgebung von Fuding, Provinz Fujian.

Innere Systematik: Derzeit sind keine Unterarten beschrieben. Zur Ergotaxonomie der Gruppe Cynops orientalis-Cynops orphicus-Cynops fudingensis vgl. 3.3 und 3.4.

3.6 Cynops cyanurus LIU et al. 1983

Charakteristik: Mittelgroßer, robuster Wassermolch. Gesamtlänge bis etwa 12cm. Oberseite grau oder graublau, oft mit orangener oder roter Mittellinie. Eine Reihe roter Flecken parallel zur Rückenlinie kann vorkommen, aber auch fehlen oder auf wenige Flecken reduziert sein. Unterseite orange bis rot, mit unregelmäßigen schwarzen Flecken und Linien bedeckt, welche auch verbunden sein können. Schwanzende rundlich. Männchen mit einer charakteristischen, bläulich-silbrigen Brunftzeichnung auf dem Schwanz, von der in der unteren Schwanzhälfte eine Reihe dunkler Flecken abgesetzt ist.

Verbreitung: Gebirgsregionen der südwestchinesischen Provinzen Guizhou und Yunnan (FRANZEN & FRANZEN 2005).

Abb. 8: Gruppe Cynops cyanurus nicht bestimmter Unterart. Man beachte die variable Färbung der Oberseite sowie die beim linken Exemplar besonders gut erkennbare, für die Art typische orangene Rückenlinie. Foto: Chr.Schwerdt, 21.08.10. Besitzer der Tiere: Paul Bachhausen.

Innere Systematik: Von Cynops cyanurus sind zwei Unterarten bekannt. Neben der Nominatform ist Cynops cyanurus yunnanensis YANG 1983 aus Nordost-Yunnan beschrieben (BACHHAUSEN 2003a). Nach FRANZEN & FRANZEN (2005) ist der Status dieser Unterart in Abgrenzung zur Nominatform allerdings umstritten. Genaue Gründe hierfür werden von den Autoren nicht angegeben.

3.7 Cynops chenggongensis KHOU & YING 1983

Charakteristik: Die Art ähnelt Cynops cyanurus , unterscheidet sich von letzterem allerdings durch einige morphologische Merkmale, vor allem durch eine stets vorhandene Reihe roter Flecken parallel verlaufend zur bei dieser Art nur undeutlich ausgebildeten Rückenleiste (FRANZEN & FRANZEN 2005). Insgesamt erscheinen diese, in der Erstbeschreibung angeführten Merkmale aber recht schwammig und der Status der Verwandtschaftsbeziehung zwischen Cynops chenggongensis und Cynops cyanurus entbehrt einer abschließenden Klärung.

Verbreitung: West-China, Provinz Yunnan.

Innere Systematik: Derzeit sind vermutlich keine Unterarten beschrieben.

3.8 Cynops wolterstorffi BOULENGER 1905

Charakteristik: Großer, robuster Wassermolch mit einer starken Neigung zur Pädomorphose. Morpholgie sonst im wesentlichen ähnlich Cynops cyanurus (FRANZEN & FRANZEN 2005).

Verbreitung: Endemisch im Kunming-Lake, Provinz Yunnan, West-China, jedoch möglicherweise bereits ausgestorben (vgl. BACHHAUSEN 2003a, FRANZEN & FRANZEN 2005).

Innere Systematik: Die innere Systematik dieser auf ein extrem kleines Verbreitungsgebiet beschränkten Art wird vermutlich ebensowenig zu klären sein wie ihre phylogenetische Beziehung zu Cynops cyanurus. Dies liegt vor allem daran, dass sie wahrscheinlich 1979 zum letzten Mal nachgewiesen wurde (vgl. oben).

4. Haltung

4.1 Vorbemerkungen

Die Haltung von adulten Feuerbauchmolchen ähnelt grundsätzlich der anderer primär stillgewässerbewohnender Molche, wie zum Beispiel dem Apuanischen Bergmolch, Mesotriton alpestris apuanus. Allerdings leben die Jungtiere der meisten Cynops-Arten nach der Metamorphose eine Zeit lang an Land. Dieser Lebensabschnitt dient der Artverbreitung, da es den terrestrischen Jungtieren möglich ist, bis zur Geschlechtsreife potentielle neue Fortpflanzungsgewässer zu erschließen. Für den Molchfreund ergibt sich daraus, dass juvenile und adulte Feuerbauchmolche jeweils anders zu halten sind. Diese Haltungsanforderungen und ihre Umsetzung werden in den Abschnitten 4.2 und 4.3 vogestellt. Abschnitt 5 beschäftigt sich dagegen mit allen Aspekten, welche die Nachzucht von Cynops betreffen.

Für manchen Leser wird sich an dieser Stelle jedoch zuerst noch eine andere wichtige Frage stellen: Wie bekommt man Feuerbauchmolche?

Baumärkte und Zoohandel sind, wie ich bereits öfter feststellen mußte, mit der Haltung dieser Tiere oft vollkommen überfordert. Die angebotenen Molche, meistens handelt es sich um Cynops orientalis, stammen darüber hinaus meist aus Massenimporten, sind geschwächt und/oder mit Parasiten belastet (vgl. auch FRANZEN & FRANZEN 2005).

Eine Alternative ist der Bezug von einem Züchter. Züchterverzeichnisse findet man zum Beispiel auf der Homepage der AG Urodela. Darüber hinaus lohnt sich für jeden Molchfreund eine Mitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT e.V.). Mit der Mitgliedschaft erhält man nicht nur Zugriff auf eine breite Literaturbasis, sondern auch auf das Online-Anzeigenjournal der DGHT, wo gelegentlich seriöse Liebhaber Nachzuchten von Cynops anbieten. Eine weitere interessante Anlaufstelle ist das Molch-Register zur Gattung Cynops, welches von Paul Bachhausen verwaltet wird und der Vernetzung von Herpetologen, Haltern und Züchtern dient, welche sich mit dieser Gattung beschäftigen.

In der Regel wird man von einem Züchter terrestrisch, d.h. ausserhalb des Wassers lebende Jungtiere bekommen. Der erste Abschnitt des Haltungsberichtes beschäftigt sich daher mit ihrer Aufzucht und ihrem Übergang zum Wasserleben.

4.2 Juvenile Feuerbauchmolche

Wie bereits erwähnt, sind die Jugendstadien der in Europa gehaltenen Cynops-Arten überwiegend landlebend. Eine Ausnahme stellen in dieser Hinsicht einige Populationen von Cynops cyanurus dar, welchee ähnlich wie z.B. Mesotriton alpestris apuanus in der Regel auf einen terrestrischen Lebensabschnitt verzichten. Für die anderen Arten empfielt es sich allerdings, vor Erhalt einer Gruppe von Nachzuchttieren ein Aqua-Terrarium einzurichten. Abbildung 8. zeigt ein solches Aqua-Terrarium, welches ich für die Aufzucht meiner Nachzuchten von Cynops orientalis verwende.

Abb. 9: Aqua-Terrarium für die Aufzucht juveniler Cynops orientalis. Land- und Wasserteil sind durch zwei größere Steine voneinander getrennt. Wie zu erkennen ist, halten sich die im Februar und März 2010 metamophorsierten Jungtiere bereits in beiden Bereichen auf. Foto: Chr. Schwerdt, 23.08.10.

Bei der Einrichtung der Jungmolch-Becken muß beachtet werden, dass die Jungtiere in den ersten Wochen bis Monaten nach der Metamorphose oftmals eine recht trockene, samtig anmutende "Landhaut" ausbilden. Während dieser Zeit halten sie sich aber nicht nur in relativ trockenen Bereichen auf, wie es z.B. bei den Jungmolchen von Lissotriton vulgaris überwiegend der Fall ist, sondern sind auch immer wieder in feuchten oder sogar nassen Beckenregionen zu finden. Daher sollte man im Aqua-Terrarium einen Feuchtigkeitsgradienten von nassen, sowie feuchten bis trockenen Bereichen aufbauen. Ich erreiche dies in Aufzuchtterrarien durch eine unterschiedlich hohe Drainageschicht aus Aquarienkies mittlerer Körnung (vgl. Abb. 8). Links ist die Schicht niedrig, so dass ein max. 2cm tiefer Wasserteil gebildet wird. Durch einige Pflanzen wie Javamoos oder Wasserpest schafft man hier Strukturen, sodass die Molche sich im Wasser verstecken können. Vor allem aber dienen ihnen die Pflanzen zum festhalten und ausruhen, da sich Jungmolche, auch wenn sie das flache Wasser aufsuchen, oftmals als wenig geschickte Schwimmer erweisen.

Zur Mitte hin wird die Kiesschicht langsam höher und mit Hilfe eines rundlichen, aber rauhen und daher gut kletterbaren, sowie eines flachen Steines ist den Jungmolchen ein bequemes Wechseln zwischen Land-und Wasserteil möglich. Kurz hinter den Steinen ist der Kies noch sehr feucht, nach rechts hin wird er trockener. An Land verbergen sich die Molche unter einem Korkstück, sind aber auch tagsüber regelmäßig zu sehen.

Während der Aufzucht der juvenilen Molche wird man in der Regel beobachten, dass sie mit zunehmender größe feuchtere Beckenbereiche sowie den Wasserteil immer häufiger aufsuchen. Nach eigener Erfahrung geschieht das zunächst überwiegend nachts, ab etwa fünf Monaten nach der Metamorphose auch zunehmend tagsüber und auch zeitlich ausgedehnter. Es bietet sich dann auch an, die Molche im Wasserteil zu füttern, womit wir beim nächsten Aspekt ihrer Pflege angekommen wären.

Grundsätzlich versuche ich, bei der Fütterung meiner Molche möglichst große Abwechslung an Futtertieren zu bieten. Cynops sind ähnlich wie unsere heimischen Tritonen Nahrungsgeneralisten, welche eine breite Palette insbesondere von Invertebraten erbeuten.

Ich füttere meine landlebenden Jungtiere von Cynops im Wechsel überwiegend mit folgenden Organismen:

  • Jungtiere der Kellerassel Porcellio scaber
  • Jungtiere der Mauerassel Oniscus asellus
  • Jungtiere und später auch Adulti von Philoscia muscorum
  • Blattläuse
  • Ofenfischchen

Die meisten dieser Futtertiere sammle ich in dem Hausgarten meiner Eltern. Asseln lassen sich hervorragend durch das Auslegen von Weißtorfsoden anlocken. Sobald sich die i.d.R. trocken bezogenen Soden durch Regen vollgesogen haben, erscheinen an ihrer Unterseite meistens nach kurzer Zeit zahlreiche dieser lichtscheuen Ranzenkrebse. Sie lassen sich dann z.B. mit einer Federstahlpinzette vom Torf absammeln und lebend in das Aquaterrarium der Jungmolche verbringen, wo die meisten von ihnen oft rasch gefressen werden. Einige Asseln jedoch enkommen dem ersten Ansturm der Molche, setzen sich meist im Kork fest und bilden somit eine potentielle Futterreserve für die nächsten Wochen.

Blattläuse sind über die Sommermonate an verschiedenen Zierpflanzen anzutreffen. Sie werden von Molchen geeigneter Größe ebenfalls sehr gerne gefressen. Ich sähe zu diesem Zweck einige Samen der Kapuzinerkresse Tropaeulum majus in einen Kübel und verbringe ihn an einen sonnigen Standort. Bei milden Temperaturen und regelmäßiger Wässerung erweist sich diese Pflanze als rasch keimend und schnellwüchsig. Die Jungpflanzen werden in der Regel nach 1-2 Wochen von Blattläusen befallen, welche sich an den Stengeln sowie Blattunterseiten in dichten Kolonien festsetzen. Für die Pflanze ergibt sich dadurch ein Fitnessnachteil, trotzdem wächst sie in der Regel schnell weiter und blüht auch. Es bietet sich für unsere Molche nun an, mit Läusen besetzte Stengelabschnitte oder Blätter in den Landteil des Aqua-Terrariums zu verbringen. Dort erscheinen dann meist schnell die Jungmolche und fressen sie gierig.

Auch Ofenfischchen werden gerne gefressen. Man kann sie im Futtertierhandel beziehen (z.B. www.Kerf.de). Sie haben allerdings den großen Nachteil, durch ihre schnellen, aber unbeholfenen Bewegungen oft nach kurzer Zeit in den Wasserteil des Beckens zu gelangen und dort zu etrinken. Da sie dann, wenn sie nicht z.B. durch Posthornschnecken verwertet werden, vergammeln, muß man den Wasserteil regelmäßig auf ertrunkene Ofenfischchen kontrollieren und diese ggf. entfernen.

FRANZEN & FRANZEN (2005) empfehlen ausserdem Fruchtfliegen (Drosophila) und Microheimchen als Futtertiere. Auch bei diesen, bes. den Microheimchen, besteht jedoch das Risiko, dass sie im Wasserteil des Behälters verenden und in der Folge das Wasser belasten. An dieser Stelle ist es daher sinnvoll, auf Reinigung und Wartung von Aquaterrarien für Jungmolche einzugehen. Hierbei gilt, wie auch bei der Haltung von adulten Molchen selbstverständlich, dass nicht gefressene Futterreste spätestens nach einigen Stunden abzusaugen sind. Aufgetaute rote Mückenlarven (vgl. unten) oder ins Wasser gefallene Ofenfischchen z.B. können recht schnell gammeln (vgl. oben). Weiterhin führe ich bei meinen Aufzuchtbecken einen wöchtentlichen Teilwasserwechsel durch, um Stoffwechselentprodukte wie Nitrate aus dem Wasser zu entfernen.

Dafür überspüle ich zunächst den Landteil mit einer kleinen Gießkanne, so dass z.B. Molchkot in den Wasserteil gespült wird, wo er anschließend abgesaugt werden kann. Schließlich wird mit Frischwasser wieder aufgefüllt. Natürlich muß bei dem Vorgang darauf geachtet werden, das die Molche nicht verletzt werden oder in Panik geraten. Man sollte sie nach einem Wasserwechsel vorsichtshalber noch eine Weile beobachten. Nitrate und andere organische Verbindungen, welche durch die Stoffwechselaktivität der Molche und den Abbau von Futterresten entstehen, werden außerdem durch die Pflanzen im Behälter abgebaut.

Will man Molchbecken bepflanzen, benötigt man allerdings auch eine gewisse Beleuchtung. Auf Abb.8. ist  eine Aufliegeleuchte zu erkennen, wie sie normalerweise für Vogelspinnenterrarien verwandt wird. Als Leuchtmittel dient eine 8w-Energiesparlampe, welche wenig Wärme, aber ein für Pflanzenwachstum geeignetes Licht abgibt. Backofenbirnen sollten hingegen vermieden werden, da sie mehr Wärme erzeugen, welche von den Molchen nicht geschätzt wird.

Sieht man die Molche nach und nach auch häufiger tagsüber im Wasserteil, so kann man sie auch dort füttern. Als Futterorganismen bieten sich hier verschiedene limnische (süßwasserbewohnende) Invertebraten an, welche lebend oder als Frostfutter angeboten werden können. Ich verwende dazu je nach Verfügbarkeit kleine Bachflohkrebse (Gammarus fossarum), lebende Schwarze Mückenlarven, lebende Rote Mückenlarven, Cyclops und Daphnia pulex. Sind solche Organismen nicht verfügbar, kann man auf gefrorene Rote Mückenlarven zurückgreifen. Von diesen sollte man bei wenigen kleinen Molchen jedoch keinesfalls einen ganzen Würfel ins Wasser geben. Vielmehr bietet es sich an, den Würfel mit einer langen Pinzette ein paar mal im Wasserteil zu schwenken, sodass einige Mückenlarven ins Wasser abgegeben werden, jedenfalls nur so viele, wie von den Molchen auch tatsächlich gefressen werden. Die genaue Menge des benötigten Frostfutters ist hier natürlich von Größe und Anzahl der Jungtiere abhängig und muß von jedem Pfleger erst durch Beobachtung ermittelt werden.

Sobald Jungtiere von Cynops mit fortschreitender Zeit und Wachstum die allermeiste Zeit des Tages im Wasser anzutreffen sind, kann man sie allmählich an ein Leben im Aquarium gewöhnen. Dazu erhöht man den Wasserstand im Aquatterarium langsam, behält aber das Korkstück und bringt mehr Pflanzen ein, damit den Molchen Halt an der Wasseroberfläche und ein trockener Platz zum Ausruhen weiterhin zur Verfügung stehen. Während dieser Zeit, aber auch bereits vorher muß schließlich noch an eine geeignete Ausbruchssicherung des Behälters gedacht werden. Ich verwende dazu Streifen aus durchsichtigem Klebeband, welche auf die Beckenkanten geklebt werden und von ihnen aus mindestens 5cm nach innen reichen (vgl. Abb. 9). Prinzipiell sind aber auch entsprechende Glasstege denkbar.

Abb. 10: Streifen aus durchsichtigem Klebeband können als Ausbruchssicherung in Molchbecken dienen. Foto: Chr. Schwerdt.

Solange sich Feuerbauchmolche wohlfühlen, ist ihre Tendenz, das Becken zu verlassen, gering. Allerdings können sie durch Eingriffe oder Hantieren am Behälter kurzzeitig verunsichert werden und am Glas emporklettern, sodass eine Sicherung gegen Entkommen als Vorsichtsmaßnahme keinesfalls überflüssig ist. Dies gilt selbstverständlich auch für ältere Exemplare, auf deren Haltung ansonsten im Folgenden eingegangen werden soll.

4.3 Semiadulte und adulte Exemplare

Wie bereits in Abschnitt 4.3 erleutert, halten sich adulte Feuerbauchmolche meistens das ganze Jahr über im Wasser auf. Sobald man daher Nachzuchten behutsam an ein aquatisches Leben gewöhnt hat(vgl. 4.2), bietet es sich an, sie in einem Aquarium zu halten. Ein Aquarium für adulte Cynops ensicauda ensicauda ist unten abgebildet (Abb.10), an diesem Beispiel lassen sich die wesentlichen Merkmale eines typischen Cynops-Behälters für aquatile Molche erkennen.

Abb. 11.: Aquarium für 1,2 semiadulte Cynops ensicauda ensicauda. Man beachte die üppige Bepflanzung insbesondere mit Echinodorus bleheri, welche es den relativ massigen Tieren ermöglicht, sich auf den breiten Blättern an der Wasseroberfläche auszuruhen. Die Abdeckung ist in diesem Falle geschlossen, kann aber bei weniger wärmeliebenden Arten (z.B. Cynops pyrrhogaster) auch geöffnet werden. Eine Absicherung gegen Ausbruch ist ohnehin obligatorisch (vgl. oben). Foto: Chr. Schwerdt.

Wichtig für die Beckeneinrichtung sind vor allem eine großzügige Bepflanzung und entsprechende Beleuchtung. Die Molche verbringen nach eigener Erfahrung einen großen Teil des Tages und auch der Nacht damit, in den Pflanzen zu ruhen, auch gerade direkt an der Wasseroberfläche. Daher sind für die Bepflanzung von Feuerbauchmolch-Aquarien vor allem Pflanzen geeignet, welche einen gewissen Auftrieb besitzen. Es kann sich dabei um frei schwimmende Pflanzen handeln (z.B. Wasserpest, Elodea oder Hornkraut, Ceratophyllum). Sehr zu empfehlen sind auch im Sand wurzelnde Arten, welche schnell bis zur Wasseroberfläche vorstoßen um dort möglichst viel Blattfläche dem Licht zu exponieren. Als Beispiele möchte ich hier die Breitblättrige Amazonasschwertpflanze Echinodorus bleheri und die Vallisnerie Vallisneria cf americana. Der Lichthunger der genannten Arten läßt sich in der Regel mit je nach Beckengröße 1-2 Tageslichtröhren stillen. Auf die optimale Beleuchtungszeit soll noch in anderem Zusammenhang näher eingegangen werden (Abschnitt 5.1).

Weiterhin ist es ratsam, in den Becken für Feuerbauchmolche ein schwimmendes Stück Kork auf dem Pflanzenteppich auf der Wasseroberfläche zu platzieren. Die Molche sind zwar selten auf dem Kork anzutreffen, suchen aber dafür häufiger Deckung im Pflanzengewirr unter dem Kork. Cynops ensicauda neigt zudem gelegentlich dazu, sich als relativ wärmeliebender Molch auf der Korkinsel zu sonnen, d.h. Strahlungswärme der Beleuchtung zu absorbieren. Dieses Verhalten ist vor allem bei Wassertemperaturen unter 20°C zu beobachten und dient vermutlich der Thermoregulation.

Ist das Becken reichlich bepflanzt, so nehmen die Pflanzen zudem größere Mengen Stoffwechselendprodukte der Molche auf. Gerade der Nitratwert kann dann stark absinken, bis unter 1mg/l. Zur mechanischen Reinigung und Vergrößerung der biologischen Oberfläche von Molchbecken lassen sich handelsübliche Innen-und Aussenfilter verwenden. Dabei ist allerdings darauf zu achten, dass die erzeugte Strömung möglichst gering bleibt, da es sich bei unseren Pfleglingen um Stillwasserbewohner handelt. Eine Verringerung der Wasserbewegung kann zum Beispiel durch eine Schaumstoffpatrone für Innenfilter passieren, die man mit Hilfe eines Kabelbinders über dem Filterausströmer befestigt.

Prinzipiell kann auf eine Filterung allerdings auch verzichtet werden, wie es zum Beispiel FRANZEN & FRANZEN (2005) vorschlagen. Ich betreibe sowohl filterlose Cynops-Aquarien als auch solche mit Filter. Nicht umhin allerdings kommt man um einen regelmäßigen Wasserwechsel, mit dem Nitrate und Phosphate, welche durch die Pflanzen ja nur mehr oder weniger dauerhaft gebunden werden, aus dem Aquarium entfernt werden können. Ich tausche daher vorsichtshalber pro Woche etwa ein Viertel des Beckeninhaltes gegen Frischwasser aus.

Phosphat und Nitrat gelangen durch das Futter ins Becken, womit wir beim nächsten wichtigen Aspekt angekommen wären. Aufgrund der i.d.R. vollaquatischen Lebensweise adulter Feuerbauchmolche wird sich das verabreichte Nahrungsspektrum von dem juveniler Exemplare unterscheiden. Ich verwende möglichst abwechselnd folgende Futtertiere:

  • Rote Mückenlarven (lebend aus der Regentonne oder gefroren)
  • Schwarze Mückenlarven (lebend aus der Regentonne oder gefroren)
  • Landasseln wie Porcellio scaber, welche ins Wasser geworfen werden, untergehen und von den Molchen in der Regel rasch erbeutet werden
  • Gammarus pulex, welche in einem nahen Bach gefangen werden und sich auch eine Zeit lang in den Becken halten
  • Kleine oder kleingeschnittene Regenwürmer
  • Im Gartenteich gefangene Cyclops und Daphnia pulex

FRANZEN & FRANZEN (2005) empfehlen als weitere Futtertiere zudem noch Tubifex und Enchytraeen, mit denen ich aber kaum Erfahrungen habe. Schließlich leben in meinen Becken auch noch Garnelen (Neocaridina heteropoda und Caridina spec.), welche allerdings nur selten durch die Molche erbeutet werden. Allerdings helfen sie, ähnlich wie Turmdeckelschnecken dabei, dass z.B. nicht gefressenes Frostfutter abgebaut wird. Dieses sollte allerdings ohnehin spätestens nach einigen Stunden abgesaugt werden.

Sind Feuerbauchmolche abwechslungsreich und hochwertig ernährt, so ist auch bereits eine wichtige Bedingung für ihre erfolgreiche Nachzucht erfüllt. Hier ist allerdings noch weiteres zu beachten. Außerdem spielen besonders Temperaturverlauf und Beleuchtungsdauer über das Jahr eine Rolle (vgl. 5.1).

5. Nachzucht

5.1 Stimulation der Fortpflanzung

Alle Arten der Gattung Cynops sind in der Natur einem Jahreszeitenklima ausgesetzt, und unterliegen daher in ihren Habitaten mehr oder weniger starken Schwankungen der abiotischen Umgebungsparameta Feuchtigkeit, Licht und Temperatur. Am schwächsten wirkt sich dieser Umstand auf Cynops ensicauda aus, welcher auf den  subtropischen und ganzjährig humiden Ryukyu-Inseln vorkommt (vgl. oben). Mit verhältnismäßig starken jahreszeitlichen Schwankungen muß hingegen Cynops pyrrhogaster im Norden Japan mit kalten Wintern und heißen Sommern auskommen. Daraus läßt sich folgern, dass die Jahreszeiten dass Verhalten von Cynops-Arten beeinflussen, wie dies auch bei unseren heimischen Molcharten der Fall ist. Diese überwintern in frostfreien Verstecken und schreiten im Frühjahr mehr oder weniger kollektiv zur Fortpflanzung, sobald die Nachtemperaturen deutlich ansteigen. Dieser Rythmus wird von Feuerbauchmolchen, selbst von den  nördlichen Cynops pyrrhogaster-Formen allerdings selten entsprechend streng durchgeführt, was sich auch auf ihre Haltung und Nachzucht im Aquarium auswirkt. Die von mir gehaltenen Cynops pyrrhogaster, ensicauda und orientalis leg(t)en in der Regel das ganze Jahr über Eier, mit Ausnahme der Sommermonate. Der Schwerpunkt von Paarungsaktivitäten und Eiablage liegt dabei in den Monaten Oktober bis Dezember. Für Cynops ensicauda wird dieser Eiablageturnus wohl jenem im natürlichen Habitat gleichen, da die Durchschnittstemperaturen auf den Amami-Inseln selbst in den kältesten Monaten über 15°C betragen und sich fortpflanzende Molche in den Laichgewässern ganzjährig, ausser im Hochsommer, anzutreffen sind (Paul Bachhausen, mdl. Mitteilung).

Cynops ensicauda ist somit als echter Winterlaicher anzusehen. Ein Temperaturverlauf, welcher sich im Sommer zwischen 20-26°C und im Winter zwischen 15-20°C Wassertemperatur bewegt, kommt den mittleren Temperaturen in seinem Habitat nahe und wird die Tiere ab Herbst zu Fortpflanzungsaktivitäten stimulieren. Die Temperaturabsenkung kann mit einer Absenkung der Beleuchtungsdauer verbunden werden, was bei dieser subtropischen Art allerdings nicht so wesentlich ist, da in ihrem Verbreitungsareal die Schwankungen der Tageslänge relativ gering sind.

Cynops pyrrhogaster ist in seinem Verbreitungsgebiet teilweise erheblich stärkeren Temperaturschwankungen ausgesetzt. Im Verbreitungsgebiet der Tohoku-Form dieser Art, Nordost-Honshu, sinken die Durchschnittstemperaturen in den kältesten Monaten Januar und Februar bis auf den Gefrierpunkt. Die Tiere schreiten dann vermutlich entsprechend den heimischen Arten der ehemaligen Sammelgattung Triturus im Frühjahr zur Fortpflanzung.

Es ist daher prinzipiell möglich, Cynops pyrrhogaster aus Mittel-und Nord-Honshu zumindest von Januar bis Februar in einer mit Moos und feuchter Küchenrolle gefüllten Box im Kühlschrank bei 5°C zu überwintern. Dies ist vor allem für solche Halter zu empfehlen, die über keinen kühleren oder unbeheizten Raum verfügen. Eine Kühlschranküberwinterung verbunden mit einer dem Jahresverlauf angepassten Beleuchtungsdauer führt in der Regel zu einer erfolgreichen Gonadenreifung und im folgenden Frühjahr zu entsprechenden Fortpflanzungsaktivitäten der Molche. Nach eigenen Erfahrungen ist es aber auch für die nördlichste aller Cynopsarten über Jahre hinweg vollkommen ausreichend, die Beleuchtungsdauer von Dezember und Februar auf 6 Stunden herunterzufahren sowie eine Temperatur anzubieten, die zwischen 15-17°C schwankt, um langlebige und vitale Tiere zu erhalten, die sich regelmäßig vermehren. Selbiges gilt für Cynops orientalis, der hinsichtlich der klimatischen Bedingungen im natürlichen Lebensraum zwischen den beiden bereits genannten Arten angesiedelt werden dürfte.

5.2 Fortpflanzungsverhalten

Über das Fortpflanzungsverhalten der Cynops-Arten ist bereits im systematischen Teil etwas gesagt worden, sofern bei einzelnen Formen in dieser Hinsicht spezifische Besonderheiten bestehen (vgl. dazu vor allem Abb. 2.). Allgemein kann gesagt werden, dass eine innere Befruchtung mit Hilfe von Spermatophoren erfolgt, welcher ein Balzritual vorhergeht, dass dem unseres heimischen Bergmolches Mesotriton alpestris im Wesentlichen ähnelt. Zunächst folgt das Männchen einem Weibchen, für das es sich interessiert und prüft dessen Fortpflanzungsbereitschaft nochmals ausgiebig durch Beriechen ihrer Kloake. Bleibt es weiterhin interessiert, folgt es dem Weibchen und versucht, es zu überholen. Gelingt dies, so schiebt es sich i.d.R. mehr oder weniger quer vor das Weibchen und wedelt diesem mit dem Schwanz Duftstoffe (Pheromone) zu, welche es stimulieren und ebenfalls in Fortpflanzungsstimmung bringen sollen (vgl. Abb. 3.). Flüchtet das Weibchen nicht und beriecht seinerseits das Männchen, so wendet dieses sich scheinbar ab, wird aber vom Weibchen verfolgt. Dieses hält mit seiner Schnauze von nun an Kontakt zur Kloake des Männchens. Nach einer kurzen Strecke setzt dieses schließlich eine Spermatophore ab, welche dann, allerdings nicht immer, vom Weibchen aufgenommen wird. Wendet sich des Weibchen ab, kann der soeben geschilderte Vorgang ganz oder entsprechend teilweise wiederholt werden.

Verläuft hingegen die Aufnahme der Spermatophore durch das Weibchen erfolgreich und kommt es in der Folge zu einem Befruchtungsvorgang, so ist bereits nach etwa 48 Stunden mit der Ablage erster Eier zu rechnen.

5.3 Eiablage und Eientwicklung

Auch die Prozedur der Eiablage bei Cynops-Arten ähnelt jener bei Mesotriton alpestris. Die Eier werden von den Weibchen einzeln in Wasserpflanzen gefaltet. Bei der Auswahl dieser Pflanzen zeigen sich die Molche nicht wählerisch; Bisher konnte ich Eiablagen in Vesicularia dubia, Elodea spec. Vallisneria americana und vor allem gerne auch in den Blattspitzen von Echinodorus bleheri beobachten. Manchmal verrenken sich  Cynops-Weibchen abenteuerlich, wenn sie Eier an besonders exponierten Stellen platzieren wollen (Abb.11.).

Abb. 12: Weibchen von Cynops pyrrhogaster sasayamae faltet ein Ei in eine Blattspitze von Echinodorus bleheri. Es ist durchaus nicht ungewöhnlich, dass Feuerbauchmolche während der Eiablage ungewöhnliche Positionen einnehmen. Foto: Chr. Schwerdt.

Über die Anzahl abgelegter Eier pro Weibchen lassen sich nur schwer Angaben machen. Adulte Weibchen der Tohoku-Form von Cynops pyrrhogaster legten bei Paul Bachhausen pro Saison etwa 30 Eier. Im Winter 2009/2010 erhielt ich von drei Cynops orientalis - Weibchen mindestens 47 Eier. FRANZEN & FRANZEN  (2005) sprechen von mehreren Dutzend bis mehreren Hundert abgelegten Eiern pro Weibchen und Saison. Letztlich ist die jeweilige Eizahl ihren Ausführungen nach vor allem von Zustand, Alter und  Art abhängig. Schließlich ist zu beachten, dass ein gewisser Anteil von Eiern in der Zeit nach ihrer Ablage von den adulten Tieren gefressen werden kann (Paul Bachhausen, mdl. Mitteilung, eigene Beobachtungen). Die Periode der Eiablage kann sich über Wochen, oder, im Extremfall, bes. bei Cynops orientalis, sogar über mehrere Monate hinziehen.

Zur Eizeitigung bei Cynops habe ich leider noch keine Daten notiert. FRANZEN & FRANZEN (2005) geben bei Zimmertemperatur einen Zeitraum von drei bis vier Wochen an.

5.4 Larvenaufzucht und Metamorphose

Steht eine Larve kurz vor dem Schlupf, so bewegt sie sich bereits im Ei und ihre charakteristischen Aussenkiemen sowie dunkle Längsstreifen auf dem Körper sind für jüngere Leute bereits mit bloßem Auge erkennbar. Frischgeschlüpfte Larven ernähren sich in den ersten Tagen noch endogen und sinken zu Boden, oder befestigen sich mit zwei Haftfäden an Pflanzen sowie Glasscheiben. In dieser Zeit sind sie je nach Art durch Kannibalismus älterer Larven und adulter Tiere besonders gefährdet.

Will man Feuerbauchmolche gezielt nachzüchten, was aufgrund von Artenschutzbelangen äusserst wünschenswert ist, sollte man daher Larven und Eier am besten in ein nicht zu kleines, bereits eingefahrenes und großzügig bepflanztes Aufzuchtaquarium verbringen (z.B. 60*30*30, 54l). Dieses Becken sollte nicht steril sein, sondern bereits mit einigen Zwerggarnelen, Gammarus oder Posthornschnecken besetzt. Werden diese gefüttert, so zerkleinern sie organisches Material, scheiden es aus und erlauben es so einer entsprechenden Einzellerfauna, ein Auskommen zu finden. Von dieser leben die Larven dann in den ersten 2-3 Lebenswochen. Gleichzeitig kann bereits feinstes Tümpelfutter, z.B. junge Daphnien, verfüttert werden, welches später die Hauptnahrung larvaler Cynops darstellt. Ab einer Größe von etwa 15mm können dann auch lebende oder gefrorene Rote Mückenlarven verabreicht werden. Dies beschleunigt das Wachstum der Larven erheblich und führt dazu, dass sie spät und mit einer beachtlichen Größe von je nach Art 3-6cm metamophorsieren. Die Umwandlung zum meist terrestrisch lebenden Jungmolch kündigt sich bereits etwa eine Woche durch morphologische Veränderungen der Larven an: Schwanzsaum und Kiemenäste werden reduziert, der Kopf wirkt nach und nach stärker abgesetzt (Vgl. Abb.12.). Außerdem verknöchern während dieser Zeit vorher knorpelige Schädelabschnitte, was freilich von aussen kaum sichtbar sein dürfte.

Abb. 13: Diese Larve von Cynops orientalis steht kurz vor Abschluß der Metamorphose. Die Kiemenäste sind bereits teilweise, der Schwanzsaum fast vollständig zurückgebildet. Man sollte solchen Exemplaren stets einen bequemen Ausstieg z.B. in Form einer Korkinsel bieten, damit sie nicht Gefahr laufen, bei einem vergeblichen Landgang in Panik geraten und zu ertrinken. Foto: Chr.Schwerdt.

Die Gesamtdauer der Larvenentwicklung ist ähnlich wie jene der Eizeitigung von der Temperatur und darüber hinaus natürlich auch von der Fütterung abhängig. In der letzten Novemberwoche 2009 geschlüpfte Cynops orientalis-Larven metamophorsierten bei mir zwischen Ende Februar und Mitte März 2010. Ist die Umwandlung zum terrestrischen Jungmolch ("Vollmolch") abgeschlossen und halten sich die juvenilen Cynops fast ausschließlich an Land auf, so können sie in ein Aufzuchtbecken umgesetzt werden, wie es unter Punkt 4.2 beschrieben worden ist.

Abb. 14: Spätestens wenn man seine Nachzuchten gemeinsam mit ihren Eltern beobachten kann, weiß man, dass es für jeden Amphibienfreund lohnt, sich mit den faszinierenden Feuerbauchmolchen der Gattung Cynops zu beschäftigen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Pflege Ihrer Molche! Foto: Chr.Schwerdt.

6. Glossar

Apomorphie, von einem Taxon, z.B. einer Art gegenüber seinem Vorfahren abgeleitetes bzw. neu erworbenes Merkmal. Eine Apomorphie der Säugetiere wäre zum Beispiel der Besitz von Milchdrüsen.

Invertebraten, Sammelbezeichnung für alle Tiere ohne Wirbelsäule.

Monophylum, Gruppe von Taxa (z.B. von Arten), welche auf eine gemeinsame Stammform zurückgeht. Seine Zusammengehörigkeit z.B. als Gattung muß durch den Besitz gemeinsam erworbener Merkmale (Apomorphien) begründet sein.

Morphologie, Methode und Teilwissenschaft von Ökologie und Systematik, welche sich mit der Untersuchung der Körperbeschaffenheit von Organismen beschäftigt.

Parotiden, am Hinterkopf gelegene "Ohrdrüsen" der Amphibien, welche alkaloidhaltige Sektrete sezernieren. Diese Sektrete dienen der Immun- und Feindabwehr.

MtRNA, DNA der Mitochondrien, welche meist in plasmidähnlichen Molekülen vorliegt, ausschließlich maternal vererbt wird und für systematische Untersuchungen verwendet werden kann. Mitochondrien sind Zellorganellen, die für den Energiehaushalt der Zelle von Bedeutung sind. An ihrer inneren Membran läuft der Citratcyclus ab.

Spermatophore, Kleines weißliches Samenpaket, dass während der Fortpflanzung höherer Molche vom Weibchen mit seiner Kloake aufgenommen wird und so eine innere Befruchtung ermöglicht.

Taxon, wissenschaftliche Bezeichnung für eine systematische Einheit, z.B. Art, Familie oder Ordnung.

7. Literatur

BACHHAUSEN, P. (1998): Der Chinesische Zwergmolch. Ein dankbarer Pflegling für die voll aquatische Urodelenhaltung. - Elaphe 6 (1): 13-16.

BACHHAUSEN, P. (2003a): Die Feuerbauchmolche der Gattung Cynops. Teil 1. Haltung und Arten. - Reptilia 38 7 (6): 61-72.

BACHHAUSEN, P. (2003b): Die Feuerbauchmolche der Gattung Cynops. Teil 2. Nachzucht und Molch-Register. - Reptilia 39 8 (1): 72-77.

BACHHAUSEN, P. (2003c): Beobachtungen zum Paarungsverhalten von Cynops pyrrhogaster aus der Kanto-Ebene. - Amphibia 2 (2): 7-10.

FRANZEN, M. & FRANZEN, U. (2005): Feuerbauchmolche. Pflege und Zucht. - Offenbach: Herpeton.

SCHOLZ, K.-P. (2002): Pädomorphe Merkmale im Kopfskelett von Salamandriden. Heterochronie als Folge von Lebenszyklusstrategien. - Bielefeld: Laurenti.

SCHOLZ, K.-P. (1995): Zur Stammesgeschichte der Salamandridae Gray 1825. Eine kladistische Analyse anhand von Merkmalen aus Morphologie und Balzverhalten. - Acta Biologica Benrodis 9: 25-75.

WU, Y., WANG, Y., JIANG., K., & HANKEN., J. (2010): A new newt of the genus Cynops (Caudata: Salamandridae) from Fujian Province, southeastern China. - Zootaxa 2346: 42-52.

ZHANG, P., PAPENFUSS, T.J., WAKE, M.H., QU, L., WAKE, D.B. (2008): Phylogeny and biogeography of the family Salamandridae (Amphibia: Caudata) inferred from complete mitochondrial genomes. - Molecular Phylogenetics and Evolution 49: 586 - 597.

8. Empfehlenswerte Internetadressen

Natürlich sind einige der folgenden Internetseiten auch im Kontext meines Berichtes zu Mesotriton alpestris apuanus erwähnt. Da aber nicht davon ausgegangen werden kann, dass jeder Leser diesen Bericht bereits kennt, sollen sie an dieser Stelle nochmals vorgestellt werden.

8.1 Paul Bachhausens Salamanderseiten

Die Standardseite zum Thema Cynops im Netz. Umfangreiche Informationen zur Systematik, Haltung und Nachzucht der Gattungsvertreter sowie ein ausführliches Literaturverzeichnis machen einen Besuch der Salamanderseiten unverzichtbar, wenn man sich ernsthaft mit Molchen beschäftigen möchte.

8.2 Fabian Immenkötters Molchseite

Fabian Immenkötters Molchseite bietet u.a. einen ausführlichen Bericht zur Haltung und Nachzucht der Sasayamae-Form von Cynops pyrrhogaster. Cynops pyrrhogaster sasayamae wird zwar nicht selten gehalten, aber relativ wenig gezüchtet, was an der auch im Vergleich mit den anderen Formen der Art äusserst langwierigen  Aufzucht der Jungtiere liegen dürfte. Es bleibt zu hoffen, dass Fabians reichlich illustrierter Erfahrungsbericht dennoch den ein oder anderen Interessierten dazu motivieren wird, sich mit diesem schönen Feuerbauchmolch zu beschäftigen.

8.3 Marco Rudolfs Molchkeller

Molchkeller.ag.vu

Diese Seite bietet eine ganze Reihe von gut illustrierten Erfahrungsberichten zu Haltung und Nachzucht verschiedenster Molch-und Salamanderarten, u. a. Cynops orientalis und Cynops pyrrhogaster. Ebenfalls findet man hier einen Überblicksbericht zur allgemeinen Systematik der Urodela. Der obige Link führt direkt zum Haltungsbericht Cynops pyrrhogaster.

8.4 AG Urodela

Die AG Urodela ist eine Arbeitsgemeinschaft der DGHT und organisatorische Plattform für viele Ökolologen, Systematiker, Herpetologen und Terrarianer, die sich mit Molchen beschäftigen. Sie ist außerdem Herausgeberin der zweimal jährlich erscheinenden Amphibia, einer herpetologischen Fachzeitschrift. Auf ihrer Homepage werden u.a. eine Artenliste aller beschriebenen Urodelen sowie Informationen zu Biologie, Haltung und Nachzucht einer Reihe von Arten geboten.


Hinweis: Bitte drigend von Anfragen zu Verkauf oder Versand von Molchen abzusehen, wenn kein expliziter Hinweis am Ende dieser Seite dazu angebracht ist! Ich habe jedes Jahr nur einige wenige Tiere abzugeben, erhalte aber extrem viele Anfragen, die ich nicht beantworten kann! Fragen zur Biologie oder Haltung werden hingegen gerne beantwortet. Gerne stelle ich auch Bilder für Publikationen zur Verfügung. Please no Requests for selling or shipping newts! I will only answer Requets to biology, keeping, breeding and using stuff from my site for publication.

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Zuletzt aktualisiert am Montag, den 24. September 2012 um 15:20 Uhr