Christopher Schwerdts Molch- und Salamanderseite!

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Der Fadenmolch

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Der Fadenmolch

Lissotriton h. helveticus (Razuomowsky, 1789)

"Damit ist der Fadenmolch nach dem bunten Bergmolch die am weitetsten verbreitete Art unseres Raumes: An etwa 60% aller untersuchten Kleingewässer ist die Art vertreten."

Prof. Reiner FELDMANN, märkischer Feldherpetologe und Naturschützer 1985 über das Vorkommen des Fadenmolches im nördlichen Sauerland (In: FELDMANN, Reiner: Tiere der Heimatlandschaft, Iserlohn 1985, S.67.).

Typisches Männchen des Fadenmolches in Wassertracht. Man beachte die angeschwollene Kloake, den etwa 0,6 cm langen Schwanzfaden und die ungefleckte Flanke (vgl. Teichmolch!). Das Tier ist etwa 8,5 cm lang. Fundort: Altena-Nettenscheid, Frühjahr 2004. Foto: Chr. Schwerdt.

Typisches Weibchen des Fadenmolches in Wassertracht. Das Tier ist 9,2 cm lang und deutlich robuster als das oben abgebildete Männchen. Die Kloake hingegen ist deutlich kleiner, während der Schwanz länger ist. Besonders interessant ist ein weiteres, auf diesem Foto gut erkennbares Detail: Ein heller Fleck über dem Oberschenkel. Dieser Fleck findet sich oftmals bei Fadenmolchweibchen, hingegen niemals bei Teichmolchweibchen. Fundort: Altena-Nettenscheid, April 2007. Foto: Chr.Schwerdt

Typisch: Kleiner und vor allem im männlichen Geschlecht recht zierlicher Wassermolch, der niemals über 10 cm Gesamtlänge erreicht. Grundfarbe beige oder bräunlich. Die Männchen besitzen im Hochzeitskleid einen bis 1cm langen, dünnen Schwanzfaden. Rückenkamm und Schwanzsaum sind bis zu 4mm hoch und niemals gewellt

Beschreibung: Die Beschreibung des Fadenmolches erfordert besonders viel Sorgfalt, da seine Weibchen sehr leicht mit den Weibchen des Teichmolches zu verwechseln sind. Obschon der Teichmolch im Beobachtungsgebiet äusserst ungleichmäßig verbreitet ist und nicht immer gemeinsam mit dem Fadenmolch vorkommt, bedarf es hier einer präzisen Nennung der Unterscheidungsmerkmale. Daher möchte ich zunächst beide Geschlechter beschreiben, um dann nochmals die Unterschiede zwischen Teich-und Fadenmolchweibchen gesondert anzuführen.

Faden-und Teichmolche bastardieren auch gelegentlich (Martin SCHLÜPMANN, mündliche Mitteilung), doch konnte ich im Untersuchgungsraum bisher keine Bastarde feststellen.

Die Männchen des Fadenmolchen bleiben in der Regel in ihrer Gesamtlänge kleiner als 9cm. Der auffällige Schwanzfaden, welcher L. helveticus seinen deutschen Namen gab, ist vor allem in Wassertracht fast immer deutlich ausgebildet und gut zu erkennen. Wie bei den anderen Molcharten sind sie darüber hinaus aber auch durch ihre vergrößerte Kloake gut von den relativ massigen Weibchen zu unterscheiden. Eine weitere Eigentümlichkeit der Männchen sind die Hinterfüße, welche in Wassertracht mit auffälligen Schwimmhäuten (Schwimmfüße) versehen sind.

Vom Bergmolch lassen sich Fadenmolche wie auch Teichmolche leicht durch drei Längsfurchen auf dem Kopf unterscheiden. Der Teichmolch zeigt im Vergleich zum Fadenmolch mehr und rundlichere Flecken auf der Bauchseite, sowie eine weiße Kehle. Darüber hinaus haben Fadenmolchmännchen niemals einen gewellten Rückenkamm. Auch der Schwanzfaden der Fadenmolchmännchen kann dazu dienen, sie von jenen des Teichmolches zu unterscheiden. Für die schwierigere Unterscheidung von Faden- und Teichmolchweibchen seien hier nochmals einige Merkmale stichpunktartig angeführt:

Fadenmolchweibchen

  • Heller Fleck über den Hüften
  • zwei helle Ballen auf den Hinterfüßen
  • Kehle weißlich bis fleischfarben, meist ungefleckt

Teichmolchweibchen

  • Kein heller Hüftfleck
  • Keine hellen Fußballen
  • Kehle beige, meist gefleckt

Lebensraum & Jahresaktivität: Lebensräume und Populationsdynamik des Fadenmolches gleichen jenen des Bergmolches, mit dem er sehr oft gemeinsam anzutreffen ist (vgl Abschnitt "Häufigkeit und Verbreitung").

Die größten Fadenmolchpopulationen des Untersuchungsraumes finden sich in Waldrandlagen und kleinstrukturierter Kulturlandschaft. Vollschattige Gewässer in geschlossenen Waldgebieten werden eher gemieden, jedoch gibt es hier Ausnahmen (vgl. auch SCHLÜPMANN 2006). Als Laichgewässer werden verschiedenste Kleingewässertypen angenommen, wassergefüllte Wagenspuren auf Waldwegen werden jedoch im Vergleich zum Bergmolch nur selten aufgesucht. Die Landhabitate von L. helveticus entsprechen jenen von M. alpestris.

Verbreitung: Der Fadenmolch ist unter den europäischen Wirbeltieren eines der wenigen atlantischen Faunenelemente. Er bevorzugt Gebiete mit atlantischen und subatlantischen Klimabedingungen. Dementsprechend findet man ihn in Nordwest-Spanien, dem größten Teil Frankreichs, in Großbritannien, einem Teil der Benelux-Staaten, der Schweiz und im westlichen Deutschland. Die Ostgrenze seiner Verbreitung ist im Erzgebirge zu suchen, während im Nordosten die Elbe erreicht wird.

Populationen und Populationsgrößen in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde: Der Fadenmolch ist im Untersuchungsraum verbreitet nicht selten, bleibt jedoch in seiner Häufigkeit deutlich hinter dem Bergmolch zurück. Dies enspricht im Wesentlichen den Ergebnissen von SCHLÜPMANNS (2006) Erhebungen im nordwestlich gelegenen Hagener Raum. Bei den Zählungen an zwanzig Molchlaichplätzen 2009 wurden Fadenmolche an 17 von 20 untersuchten Fundpunkten nachgewiesen. Dies entspricht einer Stetigkeit von 85%. Hier ist der Fadenmolch mit dem Bergmolch gleichauf, was durch ähnliche Ansprüche beider Arten an Laichgewässer und Landhabitate mitbedingt wird (vgl. oben).

Ernährung: Im Wasser erbeuten Fadenmolche eine Vielzahl limnischer Invertebraten, darunter Cyclops spec., Daphnia spec., Asellus aquaticus, diverse Ephemeropteren, Gammarus pulex und Gammarus fossarum. Eine Vorliebe für Chironomiden-Larve wie beim Bergmolch beim Fadenmolch nicht zu beobachten. Dies hängt mit der tendenziell eher pelagischen Lebensweise unserer Art zusammen (Martin SCHLÜPMANN, mündliche Mitteilung). Häufig hingegen werden auf das Wasser gefallene Insekten verschiedener Familien erbeutet. Auch Molchlarven und Kaulquappen können dem Fadenmolch zum Opfer fallen, sofern sie eine passende Größe besitzen. An Land stellen nach eigenen Beobachtungen Isopoden die Nahrungsgrundlage vor allem der erwachsenen Tiere dar. Außerdem werden verschiedene andere kleinere Bodenarthropoden vertilgt.

Fortpflanzung und Entwicklung: Die Balz des Fadenmolches ähnelt jener des Bergmolches, allerdings stellt sich das Männchen vor dem Weibchen in spitzem Winkel auf, um dann mit Hilfe von wedelnden Bewegungen des Schwanzes Pheromone zuzuwedeln. Es bestehen weitere Abweichungen in Details (vgl. NÖLLERT & NÖLLERT 1992). Wie bei den anderen Salamandriden findet eine innere Befruchtung statt (vgl. dazu auch Artportrait "Bergmolch"). Nach eigener Beobachtung beginnt das Weibchen etwa 48 Stunden nach erfolgreicher Spermatophorenübergabe mit der Eiablage. Die Eier werden in Fallaub, Wurzeln und Blätter des Kriechenden Günsels oder die Blätter des Flutenden Schwadens gefaltet.

Balz des Fadenmolches in einer wassergefüllten Wagenspur bei Kreinberg (Nachrodt-Wiblingwerde), 11.03.2012.

Die Embryonalentwicklung dauert bei einer Wassertemperatur von durchschnittlich ca. 15°C etwa 9 Tage. Fadenmolchlarven metamophorsieren im Beobachtungsgebiet nach 6 bis 26 Wochen, bei höherer Temperatur schneller. Die Larvenentwicklung kann also zügiger als beim Bergmolch verlaufen. Aber auch eine Überwinterung der Larven ist möglich. Fadenmolchlarven werden im Untersuchungsraum maximal 3,5cm groß, bleiben also in ihrer Maximallänge kleiner als jene des Bergmolches.

Von Bergmolchlarven lassen sie sich darüber hinaus recht gut durch das Fehlen der gelben Rückenlinie und des kleinen Schwanzdorns unterscheiden. Auch fehlt den Fadenmolchlarven die auffällige Marmorierung von Körper und Flossensaum, wie sie für Bergmolchlarven typisch ist.

Gefährdung: Der Fadenmolch ist aufgrund seinen zahlreichenden reproduzierenden Populationen im Untersuchungsgebiet derzeit wahrscheinlich nicht gefährdet. Da er wassergefüllte Wagenspuren auf Forstwegen eher meidet, ist er auch nicht so sehr durch die intensive Forstwirtschaft bedroht wie der Bergmolch. Seine Laichgewässer in der Kulturlandschaft sind allerdings potentiell durch Verlandung bedroht. Ihr Bestand muß durch Gewässerpflegemaßnahmen auch zukünftig gesichert werden.

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Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 21. Dezember 2012 um 01:08 Uhr