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Anmerkungen zum Vorkommen der Hohen Schlüsselblume im Altenaer Raum

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Primula elatior an einem Fundpunkt bei Einsal im April 2009. Foto: Chr.Schwerdt

Jungpflanze von Primula elatior in einer aufgegebenen Wiese in der Heimecke bei Altena. Foto: Chr. Schwerdt, 17.04.2011.

Die Hohe Schlüsselblume Primula elatior ist mit ihren ab Mitte März erscheinenden, hellgelben Blüten relativ auffällig und zählt daher zu den bekannteren Blütenpflanzenarten des Altenaer Raumes. Sie ist als Vertreterin der Gattung Primula im Felde relativ gut zu identifizieren. Die blaß-gelben, zwittrigen Blüten besitzen 5 Kronblätter, welche miteinander verwachsen sind. Sie zeigen weiterhin das botanische Phänomen der Heterostylie. Entweder sind die Staubgefäße der Blüte lang und die Griffel kurz, unscheinbar und in die Kronröhre zurückgezogen, oder es verhält sich genau umgekehrt. P. elatior ist folglich auf Bestäubung durch Insekten angewiesen. In den ersten milden Märztagen sind es meist langrüsselige Hummeln der Gattung Bombus, welche diese Aufgabe übernehmen.

Nur eine weitere Art der Gattung Primula ist im Oberen Märkischen Sauerland vertreten: Die dottergelb blühende, schwach duftende Echte Schlüsselblume Primula veris. Sie ist im Märkischen Kreis in ihrem Vorkommen auf den Massenkalkgürtel des Nordkreises und weiter im Süden auf verstreute Kalklinsen beschränkt. Die sich über diesem Gestein herausbildenden Böden, meist Rendzinen, verfügen über eine vergleichsweise geringe Wasserspeicherkapazität. Daher sind die Standorte der echten Schlüsselblume eher trocken und nur selten ist sie gemeinsam mit der Hohen Schlüsselblume zu finden.

Primula elatior bevorzugt mindestens frische, oft jedoch feuchte Standorte mit einem übers Jahr möglichst gleichmäßigen Wasserangebot. Sie ist gleichzeitig basenliebend und daher relativ anspruchsvoll. In der Literatur wird P. elatior im Allgemeinen den Waldpflanzen zugerechnet. HOFMEISTER (2004) nennt sie für Buchenwaldgesellschaften und Eichen-Hainbuchenwälder, mit zunehmender Meereshöhe auch für entsprechende Nadelwaldgesellschaften. Bei ELLENBERG (1996) findet sich P. elatior als Ordnungskennart der Edellaubwälder (Fagion sylvaticae) zu denen Buchen- und Buchenmischwälder sowie Schluchtwaldtypen zählen (vgl. oben), jedoch führt er sie auch für feuchte Wiesengesellschaften an. MIEDERS (2006) nennt unsere Art für frische bis feuchte, basenreiche Wald- und Wiesenstandorte sowie Hochstaudenfluren.

Im Altenaer Raum sind die Vorkommen von Primula elatior allerdings nicht gleichmäßig auf diese Standorttypen verteilt. In den Jahren 2007 bis 2009 konnte ich die Art in Altena an 12 Fundpunkten nachweisen. Interessanterweise liegt nur ein einziger Fundpunkt im geschlossenen Wald, hier ein Eichen-Hainbuchenwald mit eingeschlossenem Schwarzerlen-Galeriewald in der Bachaue der Brachtenbecke. Nicht ein Fundpunkt liegt dagegen in den häufig artenarmen Rotbuchenwäldern des Altenaer Raumes. Die Ursache könnte in zu geringen pH-Werten, den häufig nährstoffarmen Böden und zusätzlich auch durch Lichtmangel bedingt sein (vgl. hierzu auch MIEDERS 2006). Überdurchschnittlich viele Fundpunkte liegen im Grünland, auf Wiesen und Weiden. Diese Standorte sind fast alle stark geneigt und sämtlich extensiv bewirtschaftet. An zwei Standorten wurde die Bewirtschaftung auch vollständig aufgegeben. Alle Standorte sind ungedüngt. Dass nur ein Standort in einer Kammlage liegt, mag zwei Gründe haben. Neben der oftmals geringeren Bodenfeuchte im Vergleich zu vielen Hang-, Tal-, Mulden-, und Siepenstandorten mag die häufig unter massivem Düngereinsatz betriebene Bewirtschaftung dieser Standorte eine Rolle spielen (vgl. MIEDERS 2006). Auch Südhänge bleiben unbesiedelt, was wahrscheinlich mit schlechter Wasserversorgung und häufig äusserst basenarmen Böden zusammenhängt. Besiedelt werden hingegen Gärten, welche im Bereich von Siepen und frischen bis feuchten Hanglagen liegen, ebenso wie Ruderalstandorte, z.B. an Wegböschungen und Schuttkippen. Diese müssen gemäß den Ansprüchen der Art genügend Basen und Feuchtigkeit bieten. An den Fundpunkten wurden jeweils 2 bis 38 Exemplare der Art, im Mittel etwa 12 Exemplare nachgewiesen.

Diagramm 1.: Verteilung von Fundpunkten der Hohen Schlüsselblume auf verschiedene Standorttypen, welche sich hinsichtlich Relief, Bewirtschaftung und pflanzensoziologischer Einordnung unterscheiden. Allen Standorten gemein sind Frische oder Feuchte sowie relativer Basenreichtum.

Die Grünlandstandorte von Primula elatior sind wegen ihrer starken Hangneigung wenig rentabel und daher potenziell gefährdet durch Aufforstung. Ein derartiger Fundpunkt wird seit Jahren vom NABU Altena-Nachrodt gepflegt, aufkommende Fichten werden entfernt. Ebenfalls durch intensive Forstwirtschaft bedroht sind die Vorkommen auf Ruderalstandorten in Waldnähe. Hier wurde ein individuenreicher Bestand 2009 durch Abladen von Grünabfall vernichtet. Die Hohe Schlüsselblume sollte daher in der nächsten Zeit vermehrt in den Fokuss von Naturschutzbemühungen rücken. Insbesondere ist es notwendig, Landwirte und Waldbauern über ihre Gefährdung zu informieren, um eine eventuelle versehentliche Zerstörung von Vorkommen an Ruderalstandorten, Waldrändern und Böschungen zu verhindern.

Herrn Prof. Henning Haeupler, Bochum, danke ich für die kritische Durchsicht des Manuskripts.

Literatur

Ellenberg, Heinz, 1996: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, Ulmer, Stuttgart.

Hofmeister, Heinrich, 2004: Lebensraum Wald, Kessel, Remagen.

Mieders, Georg, 2006: Flora des nördlichen Sauerlandes. Der Sauerländische Naturbeobachter 30, Lüdenscheid.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 22. März 2013 um 21:25 Uhr