Christopher Schwerdts Molch- und Salamanderseite!

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Untersuchungsgebiet & Lebensräume

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1.1 Einleitung

In dieser Ausarbeitung werden die Vorkommen von Molchen und Salamandern in einem bestimmten Beobachtungsgebiet untersucht. Derjenige Teil der Seite, welcher sich mit den heimischen Arten, ihrer Verbreitung und ihrem Schutz auseinandersetzt, ist also als Lokalstudie anzusehen. Dies ist beim Lesen aller Unterpunkte zu beachten. So können Lebensräume, Morphologie und Migration der einzelnen Arten zu ihren Laichgewässern von Region zu Region in Deutschland oder gar unterschiedlichen Gegenden Europas erstaunlich voneinander abweichen. Ich war zum Beispiel erstaunt, als ich 2006 bei Ibbenbühren auf einer Exkursion unter Leitung von Martin Schlüpmann Fadenmolche in einem Quellstau fand, die auf der Bauchseite überdurchschnittlich stark gefleckt waren. Die Fleckung war im Durchschnitt erheblich stärker als bei Tieren aus dem Märkischen Sauerland. Solche gepunkteten Bauchseiten sind für Fadenmolche typisch, welche in isolierten Vorkommen, oft am Nordrand des Verbreitungsgebietes dieser Art, leben (Martin Schlüpmann, mdl. Mitteilung).

Wie bereits erwähnt,  können lokale Abweichungen bei Molchpopulationen aber nicht nur in morphologischen Aspekten, sondern auch in der Wahl der Lebensräume auftreten, oder auch in den bevorzugten Laichgewässern.  Im mittleren Ruhrtal, bei Schwerte- Westhofen, existiert in einem seid ca. 70 Jahren stillgelegten Ruhrsandsteinbruch eine Population des Feuersalamanders (Salamandra salamandra terrestris), welche ihre Larven meist zwischen Februar und März in  eutrophierte, meist vollsonnige Wassergefüllte Wagenspuren absetzt. Diese Wagenspuren werden nebenbei auch noch von Motorcrossfahren durchpflügt. Obwohl diese Aktivitäten für die Tiere sowohl negative als auch positive Auswirkungen mit sich bringen, so wären diese Laichplätze an sich für Feuersalamander im Altenaer Raum doch eher untypisch, wenn auch nicht ausgeschlossen (vgl. unten).

Lokale Unterschiede bei verschiedenen Populationen im Hinblick auf Jahresrythmus und Migrationsdynamik können zum Beispiel Länge und Dauer der aquatischen Lebensphase innerhalb der Jahresaktivität von Molchen betreffen.  Ende August 2002 fand ich in einer Viehtränke auf dem Ebner Joch in Nordtirol (ca. 1600 m über NN.) eine Population von Bergmolchen in Wassertracht. Allgemein läßt sich beim Bergmolch für südliche Populationen und Unterarten (z. B. Mesotriton alpestris apuanus) feststellen, dass sie einen deutlich längeren Teil des Jahres im Wasser verbringen und gegebenenfalls sogar vollaquatisch leben. Sauerländische Bergmolche hingegen verlassen ihre Laichgewässer meist bis Anfang/Mitte Juni, auch wenn einige wenige Exemplare länger im Wasser bleiben.

Als Zwischenfazit lässt sich hier also festhalten, dass es sehr interessant ist, Aspekte aus dem Leben von Tierpopulationen unterschiedlicher Herkunft zu vergleichen.  Man erkennt aber auch, dass Aussagen über Tiere, welche nur aus Beobachtungen in einem Teil ihres Verbreitungsgebietes entstanden sind, oft nur bedingt für alle Populationen einer Art aussagekräftig sein können.

Beachten Sie also beim Lesen den lokalen Charakter dieser Beobachtungen und teilen Sie mir interessante Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den Salamandern und Molchen Ihrer Region mit! (Kontakt)

1.2 Landschaft, Natur und Mensch in Altena und Nachrodt

Eine Einführung in den Naturraum, die Lebensräume unserer Salamander und Molche und auch in die Vegetation des Untersuchungsgebietes ist  interessant für geographisch Interessierte und erleichtert das Verständnis des Themas, da jede Tierart zu jeder Zeit mit ihrer Umwelt in Interaktion tritt.

Landschaft

Typische Landschaft des Märkischen Oberlandes auf dem Nettenscheid bei Altena, Mai 2007. Die Hecke im Vordergrund ist regelmäßig Brutplatz von Neuntöter, Goldammer und Gartengrasmücke. Im Hintergrund ist die heute typische Märkische Kulturlandschaftzu erkennen: Ein Mosaik von Grünland, Forst und Resten des ursprünglichen Hainsimsen-Rotbuchenwaldes. Rechts im Hintergrund reicht der Blick bis nach Evingsen, einem Stadtteil von Altena. Foto: Chr. Schwerdt


"Westlich und nördlich vom Lüdenscheider Sauerland werden in Mittel-

Europa  Höhen über 400 m nicht wieder erreicht. Wie ein Bollwerk erhebt sich das obere

märkische Sauerland aus den benachbarten Tiefländern. "

Günther Rosenbohm, märkischer Heimatkundler, über das märkische Sauerland.

(Aus: Rosenbohm, Günther: Landschaftsführer des westfälischen Heimatbundes. Oberes märkisches Sauerland, Münster 1995.)

Altena und Nachrodt sind Teil einer naturräumlichen Großeinheit, dem Märkischen Oberland. Es handelt sich bei unserem Beobachtungsgebiet um einen Teil des südwestfälischen Berglandes (Sauerland). Das Sauerland ist gleichzeitig der nordöstliche Flügel des Rheinischen Schiefergebirges.

Sein Relief stellt eine recht typische Mittelgebirgslandschaft dar und wird von unterschiedlich geformten Tälern durchschnitten, welche zwischen Resten des ehemaligen Hochplateaus liegen. Einige der besonders tiefen Täler werden als Kerbtäler bezeichnet. Hier haben sich Bäche und Flüsse tief in den Berg gegraben, den sie allmählich abgraben. Zwei dieser Wasserläufe stellen gleichzeitig ungefähre Grenzen des Oberlandes dar: Die Enneppe im Westen und die Hönne im Osten. In die anderen Richtungen ist der Untersuchungsraum nicht durch Wasserläufe zu den benachbarten Einheiten abgegrenzt, hier ist die Höhe der Plateaureste ausschlagebend. Sie liegt in der Regel zwischen 300m und 500m. Diese beiden Grenzen werden als Isohypsen bezeichnet. Die 500m- Isohypse wir nur von einigen Bergen überschritten, so z.B. durch den Kohlberg (514 m über NN. ) und die Paschelstelle in der Nähe des Weilers Großendrehscheid (505m).

1.  Lage und politische Struktur

Altena und Nachrodt - Wiblingwerde zählten bis zum Tod des letzten Grafen 1614 vollständig zur Grafschaft Mark, später zu Brandenburg, Preussen, bzw. zur preussischen Provinz Westfalen (bis 1945). Typisch für Südwestfalen bzw. Teile Südwestfalens waren über die Jahrhunderte gewisse Flächennutzungsformen, welche auch Amphibienvorkommen beeinflussten und es auch heute noch tun. Beispiele sind die historische metallverarbeitende Industrie in den Tälern mit ihren Hammerteichen, Niederwälder als Folge der Eisenverhüttung und ihres Holzbedarfes sowie der Abbau von Erzen und Gesteinen. Heute sind Altena und Nachrodt - Wiblingwerde politisch ein Teil des Märkischen Kreises.

2.  Relief

Neben den Grenzflüssen Hönne und Volme wird der Untersuchungsraum durch weitere Wasserläufe geprägt, welche sämtlich zum Einzugsgebiet der Ruhr gehören. Der wichtigste und größte Wasserlauf ist hierbei die Lenne, welche Altena und Nachrodt von Südosten nach Nordwesten durchquert. Sie besitzt hier zahlreiche bedeutsame Zuflüsse, die meistens auf den Höhen in  Quellmulden entspringen und sich  durch Täler verschiedenen Charakters bahnen (Kerbtal, Sohlental, Terassental), um schließlich in die Lenne zu münden. In den Flußtälern ist der Mittelgebirgscharakter der Landschaft oftmals besser zu erkennen, als auf den Höhen, wo man nicht immer guten Einblick in die tief eingeschnittenen Täler besitzt (vgl. oben).

Die Lenne verläuft im Beobachtungsgebiet durch ein Tal sehr unterschiedlichen Charakters. Relativ enge Talschluchten, wie die Altenaer Lenneschlucht, wechseln sich mit großen Talkammern ab. Ein Beispiel für eine solche Talkammer ist  der Talabschnitt, welcher von der Engstelle Wixberg- Knerling bis zur Nordgrenze der Gemeinde Nachrodt- Wiblingwerde reicht. Hier wird die Lenne schließlich durch den Massenkalkzug nach Westen abgelenkt. Die Altenaer Lenneschlucht liegt etwa 150- 157 m über NN., die Nachrodter Talkammer 130-150 m über dem Meeresspiegel.  Die Lenne ist in diesem Abschnitt von mitteldevonischen Schiefern und Grauwacken eingeschlossen und von Resten des ehemaligen Hochplateaus umgeben, welches etwa 400-500 m hoch ist.

Westlich der Lenne finden wir wir in Nachrodt und Altena die Wiblingwerder Hochfläche, im Osten Altenas beginnt die Neuenrader Hochflur. Nördlich des Nettetals hingegen zählen die Höhen zur Imehrter Hochfläche. Die Wiblingwerder Hochfläche ist durch das Nahmertal von der Hülscheider Hochfläche nur unvollständig getrennt.

Ein weiterer wichtiger Fluss  ist im Westen der Hülscheid- Wiblingwerder Hochfläche die Volme. Sie erreicht im Unterlauf die Äschenregion, bevor sie in Hagen in die Ruhr mündet. Westlich der Volme befindet sich jenseits des Randes unseres Untersuchungsgebietetes die Breckerfelder Hochfläche.

Geologie und Böden

Im Märkischen Oberland findet man, abgesehen von einigen Kalklinsen (z.B. im oberen Rahmedetal) Silikatgestein. Dominierend sind hierbei mitteldevonische Schiefer und Grauwacken mit relativ hoher Witterungsbeständigkeit. In den Tälern der größeren Wasserläufe sind, besonders in Terassentälern, Kies und Schutt aufgelagert, diese Sedimente enstammen in der Regel pleistozänen Kaltzeiten (Eiszeiten).  Der Boden ist hier im allgemeinen wasserdurchlässiger als im übrigen Oberland, sodass Bäche, welche in diesen Tälern z.B direkt in die Lenne münden, schneller austrocknen, als Bäche, die ihren gesamten Lauf durch Siepen und kleine Seitentäler fliessen.

Die Böden des Untersuchungsraumes reagieren dementsprechend meist sauer und sind von Steinen durchsetzt. Am häufigsten findet man auf den Höhen und an Hängen verschiedene Typen von Braunerden und Parabraunerden. Diese Bodentypen sind in der Regel äusserst ertragsarm für die Landwirtschaft, sie erreichen auf dem Nettenscheid 28, in Wiblingwerde nur 20- 40 von 100 erreichbaren Bodentypen für die Landwirtschaft. (Diese Bodenpunkte werden von den Landesanstalten für Bodenordnung vergeben. Zum Vergleich: in der Magdeburger Börde werden 100 Punkte, in der Soester Börde 80-100 Punkte erreicht). Fruchtbarer als die Braunerden sind die in Quellmulden und Siepen auftretenden Pseudogleye, welche aber oftmals unter Staunässe zu leiden haben. Die einzigen für den Ackerbau wirklich gut geeigneten Bodentypen des märkischen Oberlandes sind die braunen Auenböden. Sie sind tiefgründing und treten im Lennetal in der Talsohle, sowie kleinräumig im Verse-, Hönne- und Volmetal auf. Einige ihrer Flächen werden nicht mehr durch das Hochwasser der Lenne erreicht, und sind daher gut für den Ackerbau geeignet, da sie auch viele ehedem angeschwemmte Nährstoffe enthalten. Allerdings sind die meisten dieser Böden heute überbaut, da sie dort vorkommen, wo in der Vergangenheit auch Siedlungsschwerpunkte entstanden.

Klima

Das Klima unseres Raumes ist ein maritimes Westseitenklima. Die Folge sind eine hohe, über das gesamte Jahr relativ gleichmäßig verteilte Regenmenge, kühle Sommer und für ein Mittelgebirge milde, aber oft schneereiche Winter.  In Wiblingwerde liegt die durchschnittliche Menge des Jahresniederschlages etwa 1300 mm im Jahr (Friedrich Petrasch, mündliche Mitteilung.) Im Lennetal beträgt sie 1000-1100 mm, nördlich von Nachrodt, in der Massenkalkzone, nur 960mm.

Der für die Amphibienwanderung bedeutsame, mittlere Beginn der Schneeglöckchenblüte findet auf den Höhen etwa am 5. März, in den Tälern schon um den 15. Februar statt. Er kann aber auf den Höhen auch bedeutsam schwanken: 2006 blühten die Schneeglöckchen auf dem Nettenscheid bei Altena erst am 22. März, 2008 bereits am 9. Februar. Es ist wichtig die Variabilität dieses Termins zu verdeutlichen, denn er korreliert mit dem  Beginn der Amphibienwanderung im Beobachtungsraum, auch wenn einzelne Tiere bereits zu früheren Zeitpunkten anwandern können, zumal milde Winter oft vorkommen (im Winter 2007/2008 war -6,5 °C die niedrigste Nachttemperatur, welche ich auf dem Nettenscheid messen konnte, im Winter davor waren es ebenfalls -6,5°C).

In aller Regel ist das Wetter in Altena und Nachrodt äusserst unbeständig, längere sommerliche Trockenperioden und lang andauerndes Frostwetter mit durchgehender Schneebedeckung sind selten.  Trockenperioden vom 26.03 bis zum 4.05 2007 und im Frühjahr 2011 führten zur Austrocknung von Kleingewässern während der Laichperiode. Die Anzahl von Tagen mit einer geschlossenen Schneedecke liegt im Lennetal bei etwa 30, auf den umgebenden Hochflächen bei ca. 70.  Im Januar liegt die Durchschnittstemperatur in Lüdenscheid bei 0,6°C, im März bei 3,9°C und im Juli bei 16,3°C.  Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 8,2°C (zum Vergleich: Köln: 10,2°C, kahler Asten: 4,2°C.).

5 Vegetation

Bei der Vegetation des Oberlandes muss, wie in allen bewohnten und kultivierten Landstrichen, zwischen der potenziell natürlichen und der real existierenden Vegetation unterschieden werden.  Zur potenziell natürlichen Vegetation gehören Gesellschaften, welche ohne Einfluß des Menschen im Gebiet vorkommen würden, wie zum Beispiel der Hainsimsen-Rotbuchenwald. Die real existierende Vegetation umfasst neben gegenwärtig erhaltenen Gesellschaften der potenziell natürlichen Vegetation auch solche, die durch Eingriffe des Menschen entstanden sind oder gefördert wurden, wie zum Beispiel Wiesengesellschaften.  

Heute sind, nach einer wechselvollen Geschichte, große Teile des märkischen Oberlandes mit Wald bedeckt. In Altena liegt der Flächenanteil des Waldes beispielsweise bei 63 %.  Rotbuchenwaldgesellschaften sind derzeit die dominierende natürliche Waldform im Gebiet, wobei Hainsimsen- Rotbuchenwälder mit einigen eingestreuten Eichen weitaus überwiegen. Stellenweise können, besonders an Südhängen, Traubeneichen dominieren. Der einstmals in armen Südlagen häufig vorkommende Traubeneichen-Birkenwald ist in den vergangenen Jahrzehnten durch geänderte forstwirtschaftliche Praktiken selten geworden.

Die Pflanzensoziologie bezeichnet zum Beispiel den Hainsimsen-Rotbuchenwald als Luzulo - Fagetum (Gesellschaftsname zusammengesetzt aus Fagus sylvatica -Rotbuche; Luzula luzuloides - weiße Hainsimse).  Sinn der Einteilung von Pflanzengessellschaften ist es, von der Flora auf Umwelt-, Klima- und Bodenbeschaffenheit zu schließen, welche ihrerseits bestimmte, besonders gut angepasste Pflanzenarten begünstigen. Der Hainsimsen - Rotbuchenwald enthält in seiner Krautschicht zum Beispiel verschiedene Säurezeiger, wie die Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa). Tatsächlich haben wir in der Streuschicht von Hainsimsen - Rotbuchenwäldern Altenas pH - Werte von 4,1 bis 5,1 messen können. Die Rotbuche ist als Charakterart des Luzulo - Fagetums bestimmende Art seiner Baumschicht. Die weiße Hainsimse hingegen grenzt das Luzulo - Fagetum als Trennart gegen die anspruchsvolleren Buchenwaldtypen ab.

Hainsimsen - Rotbuchenwälder dominieren in den Kamm- und Hanglagen unseres Gebietes als natürliche Waldgesellschaft. Im Vergleich zu anderen Waldtypen sind sie relativ artenarm. Weiße Hainsimse und Drahtschmiele sind in ihrer Krautschicht an vielen Stellen verbreitet und sind typische Charakterarten dieser Gesellschaft. An trockenen Südhängen wird oftmals die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) bestandsbildend, wenngleich ihre Bestände in den letzten Jahrzehnten durch Verfichtung und Stickstoffeintrag stark abgenommen haben.  Frischere Standorte  und Nordhänge bieten  hingegen Lebensraum für verschiedene Farne.  Am häufigsten ist hierbei der gewöhnliche Dornfarn (Dryopteris carthusiana), aber auch Frauenfarn  (Atyrium filix-femina), Rippenfarn (Blechnum spicant) und Gewöhnlicher Wurmfarn (Dryopteris filix -mas) sind an bodenfrischen Stellen regelmäßig vertreten.

Bodenschicht und der Untergrund des Hainsimsen - Rotbuchenwaldes sind als Landlebensraum für sämtliche Schwanzlurche des Beobachtungsgebietes von Bedeutung.

Obwohl das Luzulo - Fagetum im Untersuchungsgebiet die mit Abstand weitverbreitetste Waldgesellschaft darstellt, treten kleinräumiger auch andere Waldgesellschaften auf. Besonders im Wiblingwerde Raum findet man stellenweise den Stechpalmen-Rotbuchenwald (Ilici - Fagetum). In Siepen, Bach- und Flußtälern ist  vor allem der Hainmieren-Schwarzerlenwald (Stellario nemorum) zu nennen. Kleinräumig kann an einigen Stellen auch ein Stieleichen- Hainbuchenwald auf lockerem Untergrund bachbegleitend sein (vgl. unten).

Im Übergang vom frischen zum feuchten bis staunassen Bereich verliert die Rotbuche gegenüber der Schwarzerle an ökologischer Potenz. Daher sind für Siepen Hainmieren-Schwarzerlenwälder (Stellario- Nemoren) als bachbegleitende Gesellschaften typisch, welche in einiger Entfernung vom Bach meist abrupt vom Hainsimsen Rotbuchenwald abgelöst werden.

Die Krautschicht der Stellario - Nemoren wird durch Feuchtezeiger dominiert und ist wesentlich artenreicher als jene der bodensauren Buchenwälder. Trennart ist die Hain-Sternmiere (Stellaria nemorum). Bärlauch (Alium ursinum) Scharbockskraut (Ranunculus ficaria ), Busch-Windröschen (Anemone nemorosa) und Gegenblättriges Milzkraut  (Crysosplenium oppositifolium) sind häufig. 

Die Stellario - nemoren sind im Rahmedetal weitestgehend Siedlungen und Überbauung gewichen- im Nettetal sind sie vollkommen zerstört. Eindrucksvolle Bestände haben sich hingegen im Lennetal, im Heimecketal und im Siepen der Brachtenbecke als schmaler Galeriewaldstreifen und an zahlreichen Zuflüssen von Rahmede und Lenne erhalten.

Auf basenreicherem Untergrund (gemessener pH 5,1 - 7,2) begegnen wir kleinräumig anspruchsvollen Buchenwaldgesellschaften. Die häufigste dieser Gesellschaften ist der Waldmeister-Rotbuchenwald (Galio-odorati-Fagetum). Im Altenaer Raum existiert nur noch ein gut ausgebildeter Waldmeister-Rotbuchenwald auf einer Kalklinse bei Altena-Evingsen. Relativ artenreiche Rotbuchenwälder im Rahmede- und Lennetal sind dagegen artenreiche Hainsimsen-Rotbuchenwälder im Übergang zu den anspruchsvolleren Rotbuchenwaldgesellschaften (vgl. MIEDERS 1987).

Lungenkraut

Das gewöhnliche Lungenkraut (Pulmonaria officinalis agg.) ist im Lennetal, den Seitentälern und umgebenden Höhen ein typischer Bewohner anspruchsvollerer Rotbuchenwälder. Das Lungenkraut verträgt stärkere Beschattung als die unten abgebildete Schlüsselblume, es dringt daher tiefer in den Wald ein.  Wir sehen am abgebildeten Exemplar sowohl rote als auch blaue Blüten. Die Ursache hierfür ist ein Anthocyan (Blütenfarbstoff), welcher im Laufe der Blütezeit auf den Säuregehalt in der Blüte reagiert. Er ist ein natürlicher pH - Indikator:  Die Blüten ändern ihre Farbe im Laufe der Zeit von rot zu violett nach blau. Der Name Lungenkraut bezieht sich auf die hustenstillende Wirkung eines Aufgusses dieser Pflanze. Fundort: Altena- Nettenscheid, April 2005. Foto: Chr. Schwerdt

Am Westhang des Wixberges im Grenzgebiet zwischen Altena und Nachrodt treten auf relativ kleinem Gebiet verschiedene Waldgesellschaften auf. Besonders interessant ist hier der Lindenmischwald (Arceri - Tilietum). Es handelt sich um eine wärmeliebende Waldgesellschaft, welche für unser Gebiet unbedingt erwähenswert, wenngleich pflanzensoziologisch umstritten ist.

Lennetal

Im Einsaler Lennetal und auf dem rechts erkennbaren Hang des Wixberges findet man verschiedene Waldgesellschaften auf kleinem Raum. Foto: Stephan Bürger, April 2007

Viele Laubmischwälder sind heute allerdings noch nicht besonders alt und in vielen Fällen erst nach der Aufgabe von Feldern und Wiesen entstanden. Fichtenmonokulturen sind heute ebenfalls stark verbreitet und ebenso wie  vergleichbare Holzplantagen mit  Douglasien auf dem Vormarsch, obwohl der Orkan Kyrill unter ihnen verheerenden Schaden angerichtet hat. Einige Fichten wurden auch durch den Sturm Emma Anfang März 2008 umgeworfen oder abgebrochen.

Nach den natürlichen Waldgesellschaften ist es wichtig, auch durch menschlichen Eingriff geformte oder geförderte Bestandteile der real existierenden Vegetation zu besprechen. In unserem Gebiet sind hier insbesondere Grünland und Ruderalflurgesellschaften sowie Hochstaudenfluren zu nennen, während Ackerrandgesellschaften weitgehend in den Hintergrund geraten.

Wo der Buchenwald bei uns auf guten, jedoch nicht überdüngten Böden in die Wiese übergeht, findet man gelegentlich eindrucksvolle Bestände der Hohen Schlüsselblume (Primular elatior). Auch hier kann man das Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) antreffen. Die an diesen Stellen häufig vorkommenden Schneeglöckchen hingegen sind  aus Gärten verwildert, wenn sie auch unsere Landschaft zweifellos optisch bereichern. 

Das Grünland in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde unterliegt unterschiedlichen Nutzungskonzepten, obschon Fettwiesen heute deutlich überwiegen. Wo nicht zuviel gedüngt wird, kann man zuweilen noch auf Glatthaferwiesen (Arrhenateretum medioeuropeum) treffen. Werden diese Standorte beweidet, so tritt nicht selten der scharfe Hahnenfuß (Ranunculus acris) als Beweidungszeiger hervor. Glatthafer und andere wohlschmeckende Arten werden hingegen durch das Vieh zurückgedrängt.

Primula elatior

Ende März bis Anfang April übersähen die hellgelben Blüten der Hohen Schlüsselblume (Primula elatior) extensiv genutzte Wiesen und manche Waldränder mit einem leuchtenden hellgelb. Die Standorte der Art sind allerdings häufig durch Aufforstung bedroht. Früher dienten die Blätter dieser Schlüsselblume der Bevölkerung als spätwinterlicher Vitamin C- Spender. Fundort: Mühlenrahmede Nähe Mühlenbach,  April 2009. Foto: Chr. Schwerdt

In Altena und Nachrodt-Wiblingwerde existiert leider nur noch eine größere Fläche submediterranen Kalk-Halbtrockenrasens (Mesobrometum). Standort ist ein aufgelassener Kalk-Steinbruch in Altena-Grünewiese. Dieses im Oberland seltene und äusserst artenreiche Biotop ist Wuchsort des Deutschen Enzians (Gentianella germanica), der Einbeere (Paris quadrifolia), der Breitblättrigen Stendelwurz (Epipactis helleborine), des Dosts und des Wiesenbocksbarts. Der Halbtrockenrasen wird außerdem von individuenreichen Reptilien-und Heuschreckenpopulationen bewohnt. Obwohl die Fläche bereits seit den 1990er Jahren vom NABU gepflegt wird, ist sie durch die illegale Deponierung von Gartenabfällen immer wieder durch Zerstörung bedroht.

Paris quadrifolia
Die zu den Einkeimblättrigen zählende Einbeere (Paris quadrifolia) ist im Märkischen Sauerland selten. Dieses Exemplar konnten wir im August 2007 in Altena-Grünewiese aufnehmen. Vor dem Genuß der so einladend wirkenden blauen Beeren wird dringend gewarnt! Sie enthalten Steroidsaponine, welche starkes Erbrechen und im schlimmsten Falle Krämpfe und Lähmungserscheinungen hervorrufen können. Foto: Stephan Bürger

 

2. Lebensräume der Amphibien im märkischen Oberland

Alle heimischen Amphibienarten, nicht nur Salamander und Molche, benötigen sowohl Gewässer als auch Landlebensräume, um sich erfolgreich vermehren zu können.  Besonders günstig ist es hierbei, wenn beide Lebensraumtypen recht nahe beieinander liegen. Ein isolierter Teich, von Straßen umgeben und so von den umgebenden Buchenwäldern getrennt, kann von den im Frühjahr anwandernden Lurchen nur unter erheblichen Verlusten erreicht werden!

Es gilt auch für unsere Lurche der alte Grundsatz der Ökologie, das eine kleinstrukturierte Landschaft mit möglichst vielen verschiedenen Biotopen, Säumen (Ökotonen), Gewässern und Vegetationsgesellschaften auf kleinem Raum  besonders artenreich ist. Alle im Beobachtungsgebiet vorkommenden Amphibienarten sind hierbei sowohl klassische Waldarten als auch Kulturfolger, sie besiedeln also einen typischen Buchenwald mit eingestreuten Siepen und Bachkolken ebenso, wie die bäuerliche Kulturlandschaft mit Viehtränken und Feuerlöschteichen, als auch ein Neubaugebiet mit entsprechenden Gartenteichen, vorrausgesetzt, die Gärten sind nicht nicht allzu monoton angelegt, und es gibt einige Verstecke und Winterquatiere wie Bruchsteinmauern.

Für die Vorstellung der Amphibienlebensräume im Beobachtungsgebiet möchte ich indessen  die einzelnen Landschaftstypen  gemeinsam mit den sie bewohnenden Amphibienarten besprechen. Dabei möchte ich aber nicht nur auf die Urodelen, sondern auch ein wenig auf ihre Zönosen, auf die Froschlurche und die anderen Tiere eingehen, mit denen sie in den einzelnen Biotopen vergesellschaftet sind. Der Abschnitt sollte das Verstehen des nächsten Kapitels, "Verbreitung und Häufigkeitsverteilung" deutlich erleichtern.

2.1 Auwälder

Bei den Auwäldern des Altenaer Raumes muß zwischen Fluß- und Bachauen unterschieden werden. Flußauen waren bis in die 30er Jahre des 20ten Jahrhunderts hinein im Lenne und Versetal weit verbreitet. Während die Verse in ihrem Unterlauf indessen vollkommen anthropogen überformt wurde, sind von den Lenneauen noch größere Reste erhalten, so zb. in Werdohl (Wilhelmstal), Altena (Stortel), und besonders wertvoll bei Nachrodt Einsal.

Die Lenneaue in Einsal zeichnet sich durch zahlreiche temporäre wie beständige Kleinweiher und Weiher, aber auch einen kleinen Altarm der Lenne, wie durch einen flachen Seitenarm aus. Die Vegetation bildet eine Weidenauenwaldgesellschaft mit einem hohen Anteil an Bruchweiden Korbweiden und Silberweiden, auch Schwarzerlen kommen vor.  Die Weiden lieben besonders den regelmäßigen Nährstoffeintrag im Frühjahr. Weiter oben am Ufer findet sich ein typischer Hainmieren - Schwarzerlenwald. Seine Krautschicht  wird allerdings durch zahlreiche Stickstoffzeiger wie die großen Brennessel (Urtica dioica), die weiße Taubnessel (Lamium album) und die Roten Lichtnelke (Silene diocia) mitbestimmt.

Als einzige Amphibienart findet sich in dieser Lenneaue der Grasfrosch (Rana temporaria), welcher in den Kleinweihern sowie in einem großen Weiher (Abb1.), mit leichten Durchfluß ableicht. Die Mortalität seiner Quappen ist in diesem Lebensraum gering, da Molche als wichtigste Prädatoren vollkommen fehlen. Insgesamt fanden sich von 2004-2007 in den verschiedenen Laichgewässern dieses ca. 4 Hektar großen Auwaldgebietes 27-46 Laichballen des Grasfrosches, wobei der Bestand im Laufe dieser Jahre anstieg.


Die Lenneauen bei Nachrodt-Einsal sind Lebensraum des Grasfrosches, welcher hier jedes Jahr erfolgreich reproduziert. Das im Vordergrund erkennbare, sich durch die natürliche Dynamik dieses Lebensraumes jedes Jahr etwas veränderndes Gewässer ist hierbei ein wichtiger Laichplatz. Foto: Norbert Raikowsky.

Natürliche Bachauen sind im Beobachtungsgebiet noch mehrfach vorhanden, unterscheiden sich aber deutlich von den Flußauen der Lenne, durch geringere Wassertemperaturen, verminderten Stickstoffeintrag bei den jährlichen Überschwemmungen und weniger Weiden in der Begleitvegetation. Die größte erhaltene, nicht regulierte Bachaue des Altenaer Raumes ist die der Brachtenbecke in Altena.

Der Brachtenbecksbach teilt sich hier in zwei Arme, zwischen welchen ein Hainmieren - Schwarzerlenwald gedeiht, welcher auch die Talränder bedeckt. In der Krautschicht dieser noch nährstoffreichen, ca. 10 Hektar umfassenden Auenlandschaft gedeiht ein großer Bestand der Hohen Schlüsselblume (Primula elatior). Der Bachlauf verläuft recht verschnörkelt, es haben sich zahlreiche Auskolkungen gebildet, kleinere Seitenarme des Baches speisen einige kleinere Tümpel, welche bis in den Sommer hinein Wasser halten. In diesen Tümpeln und einem großen Kolk laicht der Grasfrosch (2003: 12 Laichballen). Die langsamfliessenden Bachabschnitte sind Laichplatz von Bergmolch und Feuersalamander. Der umgebende Erlenbruchwald dient Grasfrosch, Erdkröte, Feuersalamander und Bergmolch als Landlebensraum, sie finden sich auch in den Rotbuchenwäldern weiter oben am Hang.

Ein durchweg anderer Typ von Bachaue findet sich in einem kleinen Seitental der Lenne bei Nachrodt Einsal (Abb2.) In seinem Unterlauf fließt der Bach durch alte Lenneterassen welche einen recht porösen Untergrund bilden. Dementsprechend fehlt in der Begleitvegetation die Schwarzerle als Staunässezeiger, hier tritt stattdessen eine Hainbuchen-Stieleichen-Gesellschaft als Begleitvegetation auf.

Der durchlässigere Boden bewirkt aber auch, dass dieser Bach in den Sommermonaten regelmäßig austrocknet.

Links und Rechts der kleinen Schlucht, die sich der Bach in den Lenneschotter gegraben hat, wachsen beachtliche Bestände des Scharbocksktrautes (Rannunculus ficaria). An mehreren Stellen verbreitert und verlangsamt sich auch dieser Bachlauf, hier ist von Ende Februar bis zum Austrocknen des Baches im Sommer der Bergmolch in kleineren Stückzahlen zu finden. An geeigneten, nicht so reißenden Stellen des Bachlaufes, finden wir auch hier fast das ganze Jahr über (bis auf September-Oktober) die Larven des Feuersalamanders. Der umgebende Wald dient allen heimischen Amphibienarten als Landlebensraum! Feuersalamander und Molche überwintern hierbei in alten Stollenresten und den Röhrensystemen des Lenneschutts.


Abb.2 Bachaue über dem Folienteich des NABU in Nachrodt-Einsal. Im Vordergrund ist ein langsamfließender, verbreiterter Bachabschnitt zu erkennen, ein Bachkolk. Hier konnten Mitglieder des NABU Altena-Nachrodt in der Nacht zum 11.04.2007 insgesamt 10,3 balzende Bergmolche sowie zahlreiche Larven des Feuersalamanders in unterschiedlichen Entwicklungsstadien nachweisen. An dieser Stelle setzen auch die trächtigen Feuersalamanderweibchen im Spätwinter und zeitigen Frühjahr ihre Larven ab, denn das Wasser ist hier meist sehr flach. Aufgrund der Dynamik dieses Lebensraumes ändert sich das Bachbett allerdings jedes Jahr ein wenig. Foto: Paul Bachhausen.

2.2 Menschlich beeinflußte Flußtäler

Sind im Altenaer Raum und im gesamten märkischen Oberland weit verbreitet. Zu nennen  wäre hier der Oberlauf der Hönne ab Küntrop, sowie das Schwarze Ahe Tal, und das Versetal ab der Mündung der Schwarzen Ahe aufwärts. In beiden Fällen wurde der Auwald weitgehend oder teilweise beseitigt, aber es wurden Obergraben von den Bächen abgetrennt, welche Fischteiche speisen. Einige dieser Fischteiche wurden nach mehreren Jahrzehnten der Nutzung wieder aufgegeben und nach und nach sind die Fische durch Amphibien ersetzt worden.

Ein kleinerer, sehr interessanter Teich dieser Art liegt unterhalb eines vermutlich noch betriebenen Fischteiches gegenüber dem Steinbruch Schwarze Ahe, hier konnte ich am 6.04 einige hundert Larven des Grasfrosches finden. Beide Teiche werden auch noch von einem Bruchwaldrest umgeben, am Waldboden findet sich auch hier ein großer Bestand der Hohen Schlüsselblume.

Weiter bachabwärts liegen in der Schwarzen Ahe 3 größere Fischteiche, von denen nur der unterste noch in Betrieb ist. Bei einer Nachtexkursion am 11.04 konnten wir in den beiden oberen Teichen  um ca.20:00 bei 13.5°C  immerhin 4,1 Fadenmolche und 0,2 Bergmolche nachweisen.

2.3 Menschlich  überformte Flußtäler

Die begradigten Läufe von Rahmende, Nette und der unteren Verse fließen viel zu schnell, um Amphibien noch Lebensmöglichkeiten zu bieten, allerdings hat man glücklicherweise ihren Gebirgsbachcharakter nicht vollständig zerstört, so dass sie und ihre Umgebung der Wasseramsel und der Gebirgsstelze sowie vielen Insekten auch heute noch Lebensraum bieten.

2.4  Hainsimsen- und andere Rotbuchenwälder

Artenärmere und artenreichere Hainsimsen Rotbuchenwälder sowie anspruchsvollere Buchenwaldgesellschaften sind die dominierende natürlich vorkommende Waldgesellschaft des märkischen Sauerlandes (vgl. oben). Der Hainsimsen - Rotbuchenwald (Luzulo - Fagetum) tritt  über sauer reagieren Schiefern und Grauwacken auf.

Für unsere Salamander und Molche ist der niedrige pH - Wert der Bodenschicht dieses Waldes allerdings kein Problem. Unter altem Holz, in Kleinsäugerbauten und Spalten-Röhrensystemen im Gestein finden wir in diesen Buchenwäldern sogar alle heimischen Amphibienarten, auch weit ab von Gewässern kann man Bergmolch, Feuersalamander, Erdkröte und Grasfrosch als Bewohner der Buchenwaldgesellschaften finden.

Ein interessanter, von Rotbuchen und Hainbuchen dominierter Schluchtwald liegt nördlich der Walzwerke an einem Steilhang der Lenne (Abb3). Dieses Waldstück birgt in seiner Krautschicht nicht nur einen kleinen Bestand des gefleckten Lungenkrautes (Pulmonaria officinalis agg.), sondern ist aufgrund der nahen Teiche auf den Lennewiesen und eines Baches auch Landlebensraum aller vier heimischen Schwanzlurcharten.

Abb.3: Artenreicher Hainsimsen-Rotbuchenwald bei den Einsaler-Walzwerken: Landlebensraum von Berg-, Teich-, und Fadenmolch, Erdkröte sowie einer großen Population des Feuersalamanders. Foto: Chr.Schwerdt

Stehende Kleingewässer, welche mitten im Buchenwald liegen, haben meist saures bis neutrales Wasser (pH 5,0- 7,0), da die Huminsäuren aus dem Laubabwurf im Boden nur teilweise abgebaut werden. Eine dicke faulige Laubschicht am Boden ist meist die Folge, allerdings finden sich auch in solchen Gewässern, wie dem sog. "Katzenteich" bei Altena- Rothenschlade, Berg- und Fadenmolch, sowie Grasfroschquappen und Larven des Feuersalamanders.

Einige Rotbuchenwälder des Beobachtungsgebietes sind an Bachtälern mit Elementen des Stieleichen - Hainbuchen - Auenwaldes  durchsetzt, welcher auf Lenneterrassen den typischen Hainmieren - Schwarzerlenwald unseres Raumes  ersetzen kann.

Dieser Waldtyp ist kleinräumig im unteren Lennetal bei Nachrodt Einsal anzutreffen. Wir sind ihm bereits bei der Besprechung der ihn durchquerenden Bachaue begegnet. Etwa 5 Meter unter dem großen Bachkolk (vgl. Abb2.), wird über einen Zulauf ein schon in den 80er Jahren von Mitgliedern des NABU angelegter Teich mit Bachwasser gespeist. Dieser Teich(Abb.4) ist wie der umgebende Wald ein Beispiel für den möglichen Artenreichtum des Märkischen Sauerlandes.  Im Teich laichen Grasfrosch, Geburtshelferkröte, Bergmolch, Teichmolch und Fadenmolch, an Libellen die frühe Adonislibelle, die blaugrüne Mosaikjungfer und der Plattbauch. Die Erdkröte nutzt den umgebenden Wald als Landlebensraum. Die Eichen- und Hainbuchen dieses Bereiches werden regelmäßig von Schwarz-, Grün- und Grauspecht besucht, Brutvögel sind Buntspecht, Mönchs- und Gartengrasmücke,  6 Meisenarten, Amsel, Sing- und Misteldrossel, Gartenbaumläufer, Zilpzalp, Kleiber, Buchfink, Dompfaff und Kernbeißer. An Reptilien kommen Ringelnatter und Blindschleiche vor.

Am 12.05.2006 zählten wir allein in dem abgebildeten Gewässer bei einer nächtlichen Durchleuchtung insgesamt 66 Molche, davon  22,17 Bergmolche; 9,6 Fadenmolche und 10,2 Teichmolche. Auch in den folgenden Jahren war das Gewässer ein bedeutender Laichplatz.


Abb.4: In den 80er Jahren künstlich angelegter und mit Kopfweiden bepflanzter Teich bei Nachrodt-Einsal im Frühjahr 2006.

Laichgewässer von Grasfrosch, Geburtshelferkröte und allen vier heimischen Schwanzlurchen. Foto: Chr.Schwerdt

2.5 Fichtenforste

Der auch nach dem Orkan Kyrill noch viele 100 Quadratkilometer des Sauerlandes bedeckende Fichtenforst ist relativ artenarm. Dies liegt daran, dass die Bäume in ihm so dicht gepflanzt sind, dass kaum Licht an den Boden kommt, die Bäume alle gleich alt sind, und der Boden durch die Überfracht an Nadeln stark versauert (Der pH-Wert kann deutlich unter pH 5 betragen). Es mag verwunderlich anmuten, dass auch hier noch einige Amphibien vorkommen, vorrausgesetzt, die wassergefüllten Wagenspuren auf den Waldwegen wurden nicht zugekippt, wie in den letzten Jahren vermehrt geschehen.  Die dichte Pflanzung der Fichten bewirkt allerdings, dass sie aufgrund des Lichtmangels schnell in die Höhe schießen, was ligninärmeres Holz und  gutes Wachstum bewirkt . Diese Eigenschaften werden von Waldbauern sehr geschätzt.

Wird solch ein Fichtenforst alt und durchforstet, so das eine Strauch- und eine Krautschicht enstehen kann, und ist in der Nähe vielleicht auch ein Bach oder ein Kolk zu finden, so können wir aber auch hier Grasfrosch, Faden- und Bergmolch  sowie den Feuersalamander finden, was ein Bachstau in Oevenscheid beweißt, in welchem wir am 12.05.06 immerhin 18,11 Bergmolche und 4,2 Fadenmolche fanden. Dieses Kleingewässer wird seid 1999 vom NABU gepflegt.

Dieser wertvolle Lebensraum wurde im Rahmen einer Durchforstung im Februar 2007 größtenteils versehentlich zerstört, bzw. verschüttet, aber durch Biotoppflegemaßnahmen rekonstruiert. 2009 waren hier wieder über 60 Molche zu finden.

2.7 Bäuerliche Kulturlandschaft

Die typische Bäuerliche Kulturlandschaft des Altenaer Raumes ist abwechslungsreich. Grünland, Waldflächen, Feldgehölze und einzelne Ackerflächen wechseln typischerweise miteinander ab. Da noch heute besonders um Wiblingwerde und auf der Neuenrader Hochfläche Milchwirtschaft betrieben wird, existieren viele Viehtränken, typischerweise Kleinweiher, mit Zu- und Ablauf durch einen Bach, welche oft von den Landwirten oder durch Naturschützer gepflegt und vor Verlandung geschützt werden.

Drei solcher Viehtränken sind auch in den Lennewiesen bei Finkingsen zu finden. Sie werden in erster Linie vom Grasfrosch wie unseren Molchen und dem Feuersalamander als Laichplätze angenommen, die Molche verbergen sich an Land dann oftmals unter aufgestapeltem Holz am Rand der Wirtschaftswege zwischen Wiesen und Wald, unter Siloballen und allerlei Unrat, Feuersalamander wissen Kleinsäugerbauten auf extensiv genutzten Wiesen, besonders am Waldrand,  zu schätzen. Am 30.03.07 fanden wir zum Beispiel in einer kleinen Viehtränke bei Vogelhenne 2,1 Fadenmolche und 2,0 Bergmolche, sowie 2 Larven des Feuersalamanders. Die Grasfrösche verbergen sich häufig in Wiesen und Ackerrandstreifen.

Besonders wichtig für Amphibien wie Libellen können auch ehemalige Feuerlöschteiche sein. Ein schönes Beispiel ist hier der Mühlenbachteich unterhalb der Firma Minolla in Altena-Mühlenrahmede (Abb.5), welcher seid 1998 vom NABU betreut und vor Verlandung geschützt wird. Dieser Teich beherbergt die zweitgrößte mir bekannte Grasfroschpopulation des Altenaer Raumes. Am 18.03.2007 konnte ich in diesem Teich 96 Laichballen Froschlaich zählen, in den Vorjahren waren es 106 und 84. Etwa 50 Quappen der Geburtshelferkröte vom Vorjahr waren zu sehen. An Molchen sind hier nur einige Fadenmolche anzutreffen. Der Teich ist unter anderem mit der gelben Schwertlilie (Iris pseudacorus) und Einfachem Igelkolben (Sparganium emersum) bewachsen.


Abb.5: Der Mühlenbachteich bei Mühlenrahmede ist ein ehemaliger Feuerlöschteich. Er ist Laichplatz von Geburtshelferkröte, Fadenmolch und einer großen Grasfroschkolonie. Rechts oben und in der Mitte des vorderen Ufers sind etliche bereits abgelegte Laichballen des Grasfrosches zu erkennen. Foto: F. Michalski, März 2006.

Abb.6: Ehemalige Viehtränke in der Bäuerlichen Kulturlandschaft bei Finkingsen. Laichplatz von Berg- und Fadenmolch, Feuersalamander und Grasfrosch. Foto: Chr. Schwerdt, März 2009.

2.8 Siedlungen

Während in den alten, bäuerlichen Weilern der Hofteich noch ebenso allgegenwärtig ist wie undichte Schuppen, undicht verfugte Treppen und Bruchsteinmauern, in welchen die Geburtshelferkröte Unterschlupf findet, so hat doch der Gartenteichboom der beiden letzten Jahrzehnte auch in den zahlreichen Neubaugebieten auf den Höhen manch neuen Lebensraum insbesondere für den Grasfrosch und die drei Molcharten geschaffen. Oftmals verstecken sich die Molche zusammen mit Blindschleichen in Holzstößen, welcher der nach dem Gartenteichboom aufgekommene Karminboom nach sich gezogen  hat. Legt man in seinem Garten einen Teich mit Folie an, oder gräbt einen Mörtelkübel so ein, dass keine Tiere ertrinken, so dauert es in der Regel höchstens eine Saison, bis sich erste Molche, Frösche und Libellen einfinden, die Größe des künstlichen Gewässers ist hierbei zweitranging. Das größte Grasfroschvorkommen des Altenaer Raums, in Altena- Dahle auf dem Grundstück von W. Krimmelbein (März 2002: über 1100 Grasfrösche), laicht in einem großen Folienteich, aber auch eine kleine, nur etwa 180 Liter fassende Folienlache in meinem Garten (vgl. Abb.7.) , wurde, im Juni 2006 angelegt, schon Anfang März von Grasfrosch (2,1 Adulti, 1 Laichballen), Bergmolch und Fadenmolch angenommen. Am 22.04.07 konnte ich in dieser Lache  immerhin 5,5 Bergmolche und 3,5 Fadenmolche zählen.

Abb.7.: Frisch angelegter kleiner Folienteich auf dem Nettenscheid im Juni 2006. Foto: Chr.Schwerdt

Abb.8: Dasselbe Gewässer im Mai 2009. Nach wie vor ist es jährlich von einer unterschiedlichen Anzahl von Berg-und Fadenmolchen bessiedelt. Die Anzahl der Exemplare schwankt zwischen 10 und 20. Foto: Chr.Schwerdt

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Zuletzt aktualisiert am Montag, den 07. September 2015 um 19:42 Uhr